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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis
Autoren: Chiara Strazzulla
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erlangen, das ihnen versagt geblieben war und um das sie die Ewigen beneideten. So wurden sie zu Druiden und Zauberern und versuchten auf diesem Wege, Unsterblichkeit zu erlangen. Doch nur die Ewigen kannten wirklich den Zauber, der dies ermöglichte, und behüteten eifersüchtig ihr Geheimnis. Mit der Zeit führten Misstrauen und Distanz zu offenen Auseinandersetzungen. Und während das Bündnis zwischen den Ewigen und den Sterblichen langsam zerbrach, kehrte die Finsternis zurück, um erneut die Welt zu bedrohen.

    Sie war nicht vernichtet worden. Das mussten die Völker der Benachbarten Reiche nun feststellen, denn mächtiger denn je erschien sie wieder, als ob niemand je ihr göttliches Wesen töten könnte. Zudem waren die Völker nicht auf ihr Erscheinen vorbereitet, wie noch damals zu Zeiten des Ersten Krieges. Es traf sie überraschend und schnell verdächtigte jeder den anderen und Zwietracht keimte zwischen den Verbündeten auf.
    Während die Völker sich auf die Verteidigung vorbereiteten, versuchte die Finsternis alles, um sie weiter zu entzweien. Sie verhieß allen, die anfällig für ihre Versprechungen waren, Macht und Reichtum, und so zog sie die Goblins und die Kobolde auf ihre Seite. Und der Zweite Krieg gegen die Finsternis brach aus, härter und grausamer noch als der Erste.
    Schließlich gelang es den Ewigen und den Sterblichen, Seite an Seite noch einmal das Heer der Finsternis zu vertreiben. Aber um welchen Preis! Die Goblins und die Kobolde waren nun alle Sklaven der Dämonen aus dem Norden. Es hatte riesige Verluste gegeben, ganze Städte waren zerstört, die Gnome hatten sich in die Wälder im Westen zurückgezogen und hatten praktisch jeden Kontakt zu den anderen Völkern abgebrochen, und von den Ersten waren nur mehr vier am Leben. Die Ewigen bemühten sich, ihre Welt wieder aufzubauen, doch Frieden war inzwischen nur noch eine Erinnerung, ein schöner Traum. Und da sie wussten, dass die Finsternis zurückkehren würde, legte sich die Angst wie ein dünner Schleier über ihr Leben, wie ein Gedanke, den man zwar nicht aussprach, der aber ständig gegenwärtig war, sich in jedes Schweigen drängte und drohend über jeder Tat lastete.
    Im Laufe der Zeit brachen die Ewigen ihre Beziehungen zu den anderen Völkern ab und verschanzten sich ganz hinter ihrem Stolz. Nun sahen sie es nicht mehr gern, wenn Ewige Sterbliche heirateten. Nun begannen sie, die Gnome zu verachten. Sie verließen ihre Behausungen im Land der Feen und zogen sich in die
Grenzen des Ewigen Königreiches zurück. Sie reisten auch nicht mehr durch die Welt, beschäftigten sich nur noch mit dem Studium der Magie, das sie begeisterte, und damit, ihre Geschichte aufzuschreiben und die Geheimnisse ihres Wissens eifersüchtig zu überwachen. Als dann die Finsternis zum dritten Mal über sie kam, war ihr Bündnis mit den Sterblichen schon fast zerbrochen. Nur aus gemeinsamem Interesse beschlossen die beiden Völker, noch einmal Seite an Seite zu kämpfen. Die Gnome und die Zentauren verhielten sich neutral. Goblins und Kobolde hatten sich schon seit den Zeiten des Zweiten Krieges auf die Seite der Finsternis geschlagen. Diesmal standen also Ewige und Sterbliche allein gegen den Feind.
    Der Dritte Krieg gegen die Finsternis dauerte noch länger und war noch blutiger als die beiden vorherigen. Sterbliche und Ewige wehrten sich lange, doch mit jedem Tag verloren sie an Boden. Auf den Feldern von Nuna wurde die gesamte Bevölkerung eines Teils des Reiches vernichtet. Im Norden wurde der Druidenkreis dem Erdboden gleichgemacht. Die Feen errichteten Tore vor ihrem Reich, die jedem den Zutritt versperrten, der den Weg dorthin nicht schon vorher kannte. Achthundert Jahre dauerte der Krieg; ganze Generationen erfuhren nie, was Frieden bedeutete. Die Drachen starben aus, große Helden fielen, in der Nähe der Schlachtfelder entstanden Hügelketten mit anonymen Gräbern. Doch die Ewigen und die Sterblichen hielten stand.Vielleicht war es nur die Kraft der Verzweiflung, die sie antrieb, aber sie hielten stand. Sie lebten weiter, bekamen Kinder, gaben ihnen die Namen ihrer Vorfahren und bauten ihre zerstörten Städte aus den Trümmern wieder auf. Sie hissten erneut ihre heruntergerissenen Fahnen, schmolzen die zerbrochenen Schwerter ein und schmiedeten neue daraus, flickten die durchbohrten Schilde, nähten die Wunden und trockneten ihre Tränen. Und langsam wendete sich das Kriegsglück. Die Ewigen und die Sterblichen gewannen allmählich den

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