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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis
Autoren: Chiara Strazzulla
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denn Lyannen? Eigentlich hätte ich erwartet, dass er uns schon an der Tür auflauert, nachdem er so enttäuscht war, dass man ihn beim Heer abgelehnt hatte. Ich möchte ihm von unseren Schwierigkeiten erzählen, damit er sich kein falsches Bild macht. Warum ist er denn nicht hier? Geht es ihm nicht gut?«
    »Doch, doch, es geht ihm gut.« Über Lenyas Lippen huschte ein schwaches Lächeln. »Es ist nur... Er hat das immer noch nicht ganz verdaut. Ihm lag so viel daran, endlich einmal seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, und dann hat man ihn nicht mit euch ziehen lassen. Ich verstehe seine Enttäuschung, schließlich hat er seit den ersten Angriffen der Goblins und den ersten Truppenbewegungen nur noch sehnlichst darauf gewartet, endlich volljährig zu werden, damit auch er losziehen darf. Und dann wird ihm nach fünfzehn Jahren des Wartens gesagt, dass er in Dardamen bleiben soll. Ich kann es ihm nicht verdenken, wenn er in der letzten Zeit mürrisch ist. Und außerdem«, plauderte sie amüsiert aus, »außerdem ist Lyannen verliebt!«
    »Lenya!«, fuhr Sasha sie an.
    Lenya seufzte. »Aber es ist doch wahr«, beharrte sie. »Seit Monaten sprechen wir von nichts anderem mehr!«
    Sie hätte sich mit Sicherheit noch länger lebhaft verteidigt, wenn ihr Vater sie nicht unterbrochen hätte. Mit neugierigen Augen hatte Vandriyan zunächst Lenya, dann Sasha angeblickt,
und auf seinen Lippen war ein Lächeln erschienen, das nichts als Freude über die unerwartete Nachricht ausdrückte. »Wirklich?«, fragte er. »Lyannen ist verliebt? Das ist ja mal eine Neuigkeit! Und noch dazu eine gute. Genau das haben wir jetzt gebraucht, nach all dem Kummer. Wer ist denn die vornehme Dame, der ich dafür danken muss?« Er strahlte wie ein Kind, dem der Vater von einer langen Reise ein schöneres und exotischeres Geschenk mitgebracht hat, als er es sich je hätte vorstellen können. Doch als er Sashas hartem Blick begegnete, erlosch das Lächeln auf Vandryans Lippen. Dafür schaute der Ewige seine Frau nun mit fragenden Augen an, die mehr sagten als alle Worte.
    »Das ist nicht so einfach«, sagte Sasha leise. Sie wich seinem Blick aus. »Dazu muss man etwas weiter ausholen. Und ich möchte dir das zunächst unter vier Augen erklären.«
    »Schon gut, wir haben verstanden«, meinte Tyhanar, schob geräuschvoll seinen Stuhl zurück und zog Lenya hoch, die empört aufschrie. »Lenya und ich verschwinden von hier. Ich muss unbedingt sehen, wie hoch wohl die Hortensien hinten im Hof gewachsen sind, während ich weg war. Du wolltest sie mir doch gerade zeigen, nicht wahr, Schwesterchen?«
    Lenya nickte lachend und kurz darauf hatten beide den Raum verlassen.Vandriyan blickte ihnen nachdenklich hinterher. Sasha schwieg abwartend.
    Es dauerte noch ein Weilchen, bis Vandriyan das Schweigen brach. »Nun«, begann er, verschränkte die Hände im Schoß und holte tief Luft, als ob er seine Gedanken für eine schwierige Rede ordnen müsste. »Lyannen ist verliebt. Ich verstehe, dass dir das seltsam vorkommt, mir geht es genauso.Aber im Grunde genommen ist es doch etwas ganz Natürliches. Und es wird ihm guttun, Sasha. Du weißt doch, wie sehr ihm daran gelegen war, in den Krieg zu ziehen, und wie wichtig es für ihn wäre, jemanden an seiner Seite zu haben.Wer immer dieses Mädchen ist, sie kann ihm nur guttun.Wir werden uns um alles kümmern.«

    Doch die Besorgnis wollte nicht aus Sashas Gesicht weichen. »Du machst es dir zu leicht«, sagte sie. »Als ob alles normal wäre. Aber nichts ist normal, es wird niemals ganz normal für ihn sein. Lyannen ist eben Lyannen. Du kannst nicht einfach so tun, als ob das nicht so wäre.«
    »Soll er nicht lieben dürfen, nur weil er ein Halbsterblicher ist?« Vandriyan war plötzlich laut geworden und erhob sich erregt. »Habe ich mich etwa nicht in dich verliebt? Obwohl du nicht zu meinem Volk gehörtest und ich der Letzte der Ersten bin? Nur weil sterbliches Blut durch seine Adern fließt, sollte es meinem Sohn nicht möglich sein, ein Mädchen vom Stamm der Ewigen zu lieben? Lyannen ist nicht nur ein Halbsterblicher, Sasha. Er ist intelligent, sensibel und aufrichtig, und wenn er nicht bereits mein Sohn wäre, würde ich mir für meine Töchter keinen anderen Mann wünschen als ihn. Außerdem...« Seine Stimme wurde etwas ruhiger, aber seine Finger nestelten weiter an der großen goldenen Brosche, die den grünen Umhang auf seinen Schultern zusammenhielt. »Außerdem ist Lyannen mein Sohn und ich

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