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Gayles Katharinenviertel: Vergebung - pur gay

Gayles Katharinenviertel: Vergebung - pur gay

Titel: Gayles Katharinenviertel: Vergebung - pur gay
Autoren: Sissi Kaiserlos pur Gay
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die Luft blieb mir weg. Stumm starrte ich auf die Reste meiner Pizza, während ich darauf wartete, dass mein Herzschlag sich normalisierte.
"Du kannst hier schlafen. Brauchst nicht durch den Regen nach hause fahren."
Was für eine Scheißidee. Ich warf einen Blick nach draußen. Noch beschissener war nur, durch den gerade einsetzenden Regen nach hause zu radeln.
"Okay. Danke."
Andi warf seinen leeren Karton auf den Tisch und guckte mich lauernd an.
"Wenn du hier bleibst, können wir meine Wodkareste nieder machen."
Das war die zweite dumme Idee. Ich erhob mich seufzend und brachte die Pizzareste in die Küche. Wo Andi seine harten Getränke aufbewahrte, wusste ich. Von wegen Reste. Ich grinste, als ich die volle Flasche aus dem Küchenschrank nahm. Erwartungsvoll sah mir Andi entgegen, als ich mit dem Wodka und zwei Gläsern zurück zum Sofa kam. Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, den Klumpen in meinem Magen mit dem harten Getränk aufzulösen.
Der erste Schluck brannte wie Feuer, dann wurde es besser. Ich sah zu Andi rüber, der jetzt entspannt in der Sofaecke lehnte. Seine abgemagerten Beine hatte er keck übereinander geschlagen auf die Sitzfläche gelegt. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass er nicht mehr laufen konnte, hätte ich ihn für einen ganz normalen - Moment, rief ich mich zur Ordnung. Er war ein ganz normaler Mann.
"Boah, das brennt", ließ sich Andi aus seiner Ecke vernehmen.
Ich nickte und schenkte uns nach. Draußen blitzte und donnerte es, der Regen prasselte laut herunter. Schon immer hatte ich es geliebt, dem Prasseln zu lauschen und es dabei warm und trocken zu haben. Zusammen mit der benebelnden Wirkung des Wodkas ergab sich eine anheimelnde Atmosphäre, die mich entspannte.
"Ich vermisse ihn immer noch."
Was? Eben noch hatte ich auf den Fernseher gestarrt, wo irgendein Film lief. Jetzt ruckte mein Kopf herum, ich sah Andi an.
"Weißt du, er war mein bester Freund."
Sein Gesicht war schmerzlich verzogen, in seinen Augen glitzerten Tränen. Ich schluckte und rückte instinktiv näher zu ihm. Seine Beine hielten mich auf, sie lagen quer auf dem Sofa.
"Schubs sie runter, wenn sie stören", flüsterte Andi erstickt.
Vorsichtig griff ich in seine Kniekehlen und beförderte die nutzlosen Gliedmassen von der Sitzfläche. Nun konnte ich nach Andis Hand greifen. Er drückte sofort zu und schenkte mir ein dankbares Lächeln. Meine Kehle wurde eng angesichts seines Kummers. Am liebsten hätte ich ihn in meine Arme genommen, aber das wäre die dritte Scheißidee des Abends gewesen. Ach, egal, alle guten Dinge waren drei. Ich rückte noch näher und streckte meine Arme aus.
Andi starrte mich mit großen Augen an. Er schüttelte den Kopf und drückte sich noch tiefer in seine Ecke.
"Nein, nicht. Deine Hand reicht."
Das Gefühl der Zurückweisung schmerzte, obwohl ich erleichtert hätte sein sollen. Andi zu umarmen war wirklich eine verdammt dumme Idee. Ich griff wieder nach seiner Hand.
"Er wäre noch am Leben, wenn ich nicht so schnell gefahren wäre."
"Und du könntest noch laufen."
"Das ist meine Strafe."
"Verdammt, Andi", ich drückte seine Finger und griff mit der freien Hand nach der Wodkaflasche. "Hier, trink."
Gehorsam setzte er sie an die Lippen und nahm einen langen Schluck. Kaum war er fertig, riss ich sie ihm aus der Hand und trank gierig. Die Wirkung setzte jetzt mit voller Wucht ein, ich fühlte den Alkohol durch meine Adern rauschen. Schnell schob ich noch ein paar Tropfen hinterher.
"Gib her, ich will auch noch."
Ungeduldig wedelte Andi mit der Hand, schnappte nach dem Wodka. Sein Kehlkopf hüpfte, als er den Kopf in den Nacken legte und das Zeug in sich rein gurgelte. Ich sah fasziniert zu und wünschte, ich könnte meine Lippen an seinen Hals legen.
"Ich hab ihn geliebt."
Meine Augen huschten von seinem Hals hoch. Andi sah mich ernst an.
"Ich hab ihn geliebt, wie ich nie wieder jemanden lieben werde."
"Wä?"
Während sich mein Sprachzentrum offensichtlich schon verabschiedet hatte, funktionierte Andis umso besser, fiel mir auf. Um seine Lippen spielte ein trauriges Lächeln.
"Ich und Oliver waren ein Paar. Findest du mich jetzt eklig? Ein schwuler Rollstuhlfahrer?"
Meine Augen fielen mir fast aus dem Kopf, mein Gehirn setzte sich träge in Gang. Andi war - schwul? Aber - dann gab es doch Hoffnung für mich, oder? Aber er hatte doch was gesagt von nie wieder jemand so lieben, wie diesen Oliver, oder? In meinem Kopf schwirrte es, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und griff nach der

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