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Fucking Moskau - Sex, Drugs & Wodka

Fucking Moskau - Sex, Drugs & Wodka

Titel: Fucking Moskau - Sex, Drugs & Wodka
Autoren: Chris Helmbrecht
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Aufbruch
    Victor holt mich vom Flughafen ab. Draußen ist es grau bewölkt bei minus 15 Grad. »Willkommen in Moskau, der Stadt der Sünde«, begrüßt er mich.
    Danach werden wir in seinem schwarzen Geländewagen von seinem Fahrer geschlagene zwei Stunden durch die Vorstadt ins Zentrum chauffiert, vorbei an unzähligen Plattenbauten und Mietskasernen. Je näher wir der Innenstadt kommen, desto besser sehen die Häuser aus. Auf der Straße liegt Schnee, aber die vielen verdreckten Ladas und Wolgas fahren, als wäre es Sommer und die Straßen trocken. Dazwischen findet sich immer wieder eine Luxuskarosse, oft auch mit Blaulicht und Begleitschutz. Es wird gedrängelt und gedrückt, ein Wunder, dass es keine Unfälle gibt. Irgendwann stecken wir im Stau. Der Fahrer dreht sich um und blickt Victor wortlos an. Der nickt nur. Danach zieht der Chauffeur den Wagen nach rechts und fährt auf den Bürgersteig. Die nächsten Kilometer rollen wir dort am Stau vorbei. Hin und wieder müssen wir eine Ampel, einen Laternenpfahl oder auch Fußgänger umfahren. Unser Fahrer hupt und flucht, sogar als er eine Frau mit Kinderwagen vor sich herscheucht. Ich bin schockiert. Victor meint nur: »Zeit ist Geld. Ich muss zurück ins Büro. Wenn sie uns erwischen, zahlen wir eben ein kleines Bestechungsgeld, und danach geht’s weiter.«
    Schließlich kommen wir bei Victor zu Hause an. Er wohnt in einer der Sieben Schwestern, einem der Stalin-Hochhäuser aus den 50er-Jahren. Victor zeigt mir die Wohnung und zieht gleich wieder los.
    »Ich komme dich nach der Arbeit abholen«, sagt er. »Fühl dich wie zu Hause.«
    Als er weg ist, sehe ich aus dem Fenster. Die Wohnung ist im neunten Stock und unter mir liegt, eingehüllt in einen grauen Schleier von Smog und Kälte, die Stadt. »Was für ein Drecksloch«, denke ich. »Das ist mit Abstand die schrecklichste Stadt, die ich je gesehen habe.«
    Im Moment aber ist mir diese Ödnis lieber als Teneriffa. Alles ist mir lieber als das sonnige Rentnerparadies, in dem ich vor ein paar Wochen noch als Marketingdirektor gearbeitet habe. Eigentlich war alles entspannt, doch dann meldete sich eines Tages einer meiner beiden Chefs. »Kommst du mal bitte in mein Büro?«, fragte er. Ich ahnte schon nichts Gutes. Wenig später sagte er tatsächlich: »Es tut mir leid, Junge. Du hast einen guten Job gemacht, aber wir haben die nächste Finanzierungsrunde nicht bekommen. Wir müssen dich gehen lassen. Du bist einfach zu teuer. Bitte übergib deine Projekte an die anderen. Danach kannst du gehen.«
    Anschließend erfuhr ich noch, dass ich die nächsten drei Monate bezahlt bekäme. Ich nickte nur und ging hinaus.
    Draußen, auf der riesigen Terrasse des Büros, war es sonnig und schön. Es war Februar, in Europa lag überall Schnee, aber hier zeigte das Thermometer 20 Grad plus. Ich war in der letzten Zeit oft hier draußen, mal fünf Minuten aus dem kalten und dunklen Büro fliehen, Sonne tanken und hinaus aufs Meer gucken. »Was soll’s«, dachte ich nur. War eigentlich klar, dass das nicht mehr lange gut gehen würde mit dieser Firma. Irgendwie wollte ich die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben: Nach den fast sechs Jahren, die ich in New York gearbeitet hatte, und einem schrecklichen Ende, dem 11. September, war der Job auf Teneriffa eine willkommene Abwechslung. Bloß war da jetzt kein Job mehr. Was tun? Ich hatte noch genug Gespartes, um ein paar Monate zu überleben. Und die drei bezahlten Monate, inklusive Auto und Apartment. Also wieder Jobsuche und dann mal sehen, wohin es geht. Mein Telefon klingelte. Auf dem Display stand eine komische Nummer »007 … Aha, James Bond«, dachte ich und versuchte zu erraten, welche Ländervorwahl das wohl ist.
    »Hallo Chris, wie geht’s? Hier ist Victor, erinnerst du dich noch?«
    Na klar, erinnerte ich mich! Victor ist ein Investmentbanker, der ursprünglich aus Litauen stammt, und einer meiner New Yorker Freunde. Wir hatten uns vor zwei Jahren auf einem Ski-Trip in Vermont kennengelernt. In New York kam Victor, der italienische Mädchen mag, dann gern zu den Pasta-Dinnern meiner damaligen italienischen Freundin. Seitdem hatte ich, außer ein paar belanglosen E-Mails, nichts mehr von ihm gehört.
    »Na ja, hab’ gerade meinen Job verloren«, war meine leicht deprimierte Antwort.
    »Komm nach Moskau«, meinte Victor spontan, »hier tanzt der russische Bär, und es rollt der Rubel. Im Ernst. Die Wirtschaft blüht, das Partyleben ist einmalig, und ich bin sicher, du

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