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Freundin für Allie

Titel: Freundin für Allie
Autoren: M Cabot
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Regel Nummer 1
    Wer in eine neue Klasse kommt, muss etwas Nettes anziehen, damit die anderen einen nett finden

    Mom war dagegen, dass ich an meinem ersten Tag in der neuen Schule einen Rock über meiner Jeans anziehen wollte.
    »Allie«, sagte sie immer wieder. »Zieh einen Rock an oder eine Jeans, aber nicht beides zusammen.«
    Dieser kleine Streit trug nicht gerade dazu bei, das Gegrummel in meinem Bauch zu beruhigen. Mir war mulmig zumute, weil in weniger als einer Stunde mein erster Tag in der Pinienpark-Schule beginnen sollte.
    Ich versuchte, Mom zu erklären, wie schön mein neuer karierter Rock hochflog, wenn ich mich drehte. Das war einfach toll und außerdem etwas, das man am ersten Tag in der neuen Schule brauchen konnte.
    Und was, wenn ich in der Pause auf das Klettergerüst klettern und kopfüber hängen wollte? Das hatte ich zwar nicht fest eingeplant, aber wenn ich dann nur einen Rock tragen würde, könnten alle Jungs auf dem Schulhof meine Unterhose sehen. Das war jedenfalls nicht meine Vorstellung von einem ersten
Schultag. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum Mom darin kein Problem sah. Glücklicherweise war es jedoch einfach zu lösen. Ich musste nur eine Jeans unter den Rock anziehen.
    »Allie«, sagte Mom. »Warum ziehst du denn keine Strumpfhose an? Oder Leggings?«
    Gute Idee, wirklich! Ich musste sie daran erinnern, dass meine Strumpfhosen und Leggings noch in irgendwelchen Umzugskisten verpackt waren – zusammen mit meinen Schlafanzügen. Wir waren ja erst vor zwei Tagen in unser neues Haus gezogen. Wir hatten die Kiste mit den Strumpfhosen einfach noch nicht gefunden. Gefunden hatten wir bisher nur die Kiste mit meinen Jeans, Blusen und Röcken.
    Meine Strumpfhosen, Leggings und Schlafanzüge waren nicht die einzigen Sachen, die wir nicht wieder fanden. Auch der Fön, die Müsli-Schüsseln und fast alle Töpfe und Pfannen waren verschollen. Das machte nichts, weil unser neuer Herd auch noch nicht geliefert war und wir sowieso nicht kochen konnten.
    Ich für meinen Teil sah nicht ein, warum ich den karierten Rock nicht über der Jeans tragen sollte. Ich fand, der Rock sah echt toll aus zur Jeans. So toll, dass ich beschloss, diese Kombi an meinem ersten richtigen Schultag an der Pinienpark-Schule zu tragen.
    Wer in eine neue Klasse kommt, muss etwas Nettes anziehen, damit die anderen einen nett finden. Das ist eine Regel.

    Der erste Eindruck ist sehr wichtig, das ist allgemein bekannt. Ich war zwar schon einmal in der Pinienpark-Schule gewesen, um meine neue Lehrerin (Mrs Hunter) und einige Klassenkameradinnen kennenzulernen (Caroline und Sophie und Erica natürlich).
    Aber während Erica und ich uns schon oft besucht hatten, weil wir Nachbarinnen sind, hatte ich Caroline und Sophie noch nicht näher kennengelernt – außer bei dem Königinnen-Spiel, das sie erfunden und an dem Anmeldetag mit mir gespielt haben.
    Außerdem gab es noch viele Leute an der Schule, die ich noch nicht kannte und auf die ich einen guten Eindruck machen wollte. Es ist wichtig, dass gleich die erste Begegnung gut abläuft, sonst kann es passieren, dass es einem das ganze Schuljahr nachhängt. Deshalb war es absolut richtig, den Rock über der Jeans zu tragen. Echt schade, dass Mom anderer Meinung war. Aber zum Glück hatte sie andere Sorgen. Mein kleiner Bruder Kevin wollte am ersten Tag im Pinienpark-Kindergarten sein Piratenkostüm anziehen. Dagegen war meine Rock-Jeans-Kombi eine Kleinigkeit!
    »Aber Halloween war vor einem Monat, Kevin«, sagte Mom mehr als einmal.
    »Mir doch egal«, sagte Kevin. »Der erste Eindruck ist wichtig. Hat Allie gesagt! Und Allie hat gesagt, das wäre eine Regel.«
    Mom war so damit beschäftigt, Kevin nachzujagen und ihm das Piratenkostüm auszuziehen, dass sie gar nicht merkte, dass
ich immer noch Rock und Jeans anhatte. Ich schlich in die Küche, um zu sehen, ob es schon Frühstück gab. Dad hatte Popcorn gemacht!
    »Ich kann die Müsli-Schüsseln nicht finden«, brachte Dad zu seiner Entschuldigung vor.
    »Essen wir es doch gleich aus der Packung«, schlug mein Bruder Mark vor und stopfte sich Popcorn in den Mund. Mark war in der zweiten Klasse. Er hatte kein Bauchweh wegen des ersten Schultages. Mark ist nie mulmig, nicht mal wenn er bei seinem Freund Sean vom Dach springt. Das hat er einmal gemacht und hat sich den Arm gebrochen. Wahrscheinlich hat Mark nie Bauchgrummeln, weil er sich nur für Käfer, Sport und LKWs interessiert.
    »Bei Sean«, sagte Mark, »haben wir

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