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Frederikes Hoellenfahrt

Frederikes Hoellenfahrt

Titel: Frederikes Hoellenfahrt
Autoren: Henner Kotte
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    Herr Kriminaldirektor Miersch, Leipzig wurde bereits vor Jahren als ostdeutsche Hauptstadt des Verbrechens bezeichnet. Letzte Ereignisse scheinen diesen Ruf zu bestätigen. Namen wie Michelle und Mitja sind deutschlandweit in den Schlagzeilen. Der Stadtverwaltung wirft man Korruption und strafbares Missmanagement vor. Das organisierte Verbrechen scheint in Leipzig Fuß zufassen. Auch die Arbeit der Polizei steht in der Kritik. Ist Leipzig das Chicago des Ostens?
    Zunächst liegen mir die Kriminalstatistiken Chicagos nicht vor, um eine belastbare Aussage zu treffen. Im deutschlandweiten Vergleich nimmt Leipzig jedoch hinsichtlich der Kriminalitätsrate keine herausgehobene Stellung ein. Und es ist nachvollziehbar, dass in einer Großstadt pro Quadratmeter prozentual mehr Straftaten stattfinden als am Südstrand des Oderhaffs.
    Kaum eine andere Stadt erhält medial eine solche Aufmerksamkeit der Polizeiarbeit.
    Dass Tatort und SoKo in Leipzig gedreht werden, können Sie nicht der Polizei anlasten.
    Ich spreche von Fällen wie Michelle oder Mitja.
    Vergewaltiger und Kindsmörder gibt es immer und überall. Dass diese zwei Fälle kurz hintereinander vor Ort passierten, ist tragisch und bedauernswert, aber Zufall.
    Sie sprechen von Einzeltätern?
    Mitjas Mörder ist gefasst. Den von Michelle werden wir finden. Es sind Einzeltäter.
    Die Ereignisse der letzten Tage lassen sich nicht mit der Theorie vom Einzeltäter erklären.
    Aber auch nicht mit mafiösen Strukturen.
    Schon seit Monaten tobt ein Kampf in der Leipziger Diskoszene. Er forderte Tote und Verletzte. Sicherheitsdienste und Südosteuropäer stehen sich in erbitterter Feindschaft gegenüber. Worum geht es bei diesen Auseinandersetzungen?
    Dazu darf ich Ihnen aus ermittlungstaktischen Gründen keine Antwort geben.
    Man spricht vom Diskokrieg …
    Die Presse spricht vom Diskokrieg, nicht die Polizei.
    Randalierer belagerten die Diskothek Schauhaus im Leipziger Zentrum. Die Türsteher hatten sich verbarrikadiert. Die Angreifer rissen die Eingangstür auf. Pflastersteine flogen ins Innere. In der Diskothek befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund dreihundert Gäste. Ich zitiere die Aussage einer Zeugin. »Da hab ich Blut auf dem Boden gesehen, wo ich runtergehen wollte. Und in der einen Ecke saß einer mit einer Kopfverletzung, und in der andern Ecke stand einer mit Kopfverletzung. Und die Weiber haben gekreischt. Also, ich kam natürlich nur bis zur Hälfte von der Treppe, weil unten alles voll war, voller Leute, die alle gehen wollten oder raus wollten. Und da hab ich da noch ein Mädel gesehen, die ganz viele Schnittwunden an den Armen hatte durch diese Glasscherben.« Dramatische Szenen spielten sich in den Straßen ab. Es gab einen Toten und Verletzte. Ist das etwa kein Krieg?
    Das Problem über Rivalitäten in der Türsteherszene ist bekannt. Es war nicht bekannt, dass es in dieser Nacht zur Eskalation kommen würde. Das Ausmaß der Gewalt ist erschreckend und kann nicht hingenommen werden.
    Wenn das Problem bekannt war, was wurde vorbeugend getan?
    Wir haben mit Vertretern der Sicherheitsfirmen geredet. Die Polizei sprach mit allen Beteiligten. Von denen gab es Signale, dass die Streitereien ruhen. Es sah nach Frieden aus.
    Was bringt ein Gespräch mit einer Sicherheitsfirma, von der stadtbekannt ist, dass sie in Straftaten involviert sein soll und mit allem Möglichen illegalen Handel betreibt?
    Das sind zwei Paar Schuhe. Einerseits sorgen die Firmen vor den Diskotheken und bei Veranstaltungen für Sicherheit, sie sind ein Garant, dass alles friedlich und geordnet abläuft. Andererseits laufen ganz normale Verfahren gegen sie, wenn es Anzeichen und Belege für Straftaten ihrer Vertreter gibt. Das eine schließt das andere leider nicht aus.
    Die Randalierer sind durch die halbe Stadt gezogen, haben Fensterscheiben zerstört, einen Mann fast erstochen, einen Unbeteiligten erschossen. Muss man sich damit abfinden, dass in Leipzig solche Szenen alltäglich werden?
    Keinesfalls. Diese Gewalteskalation, dieses Ausmaß an Brutalität, mit dem die Straftäter vor sich gingen, machen mir Sorge und treiben mich um. Dieser Gewaltdimension werden wir entsprechend begegnen.
    Sind Sie darüber überrascht, dass der Gebrauch von Schusswaffen offensichtlich in manchen Kreisen normal ist?
    Nein. So etwas kann man nicht ausschließen.
    War die Polizei überfordert?
    In der Nacht zu Sonnabend war nicht damit zu rechnen, dass solche Dinge passieren. Schon gar nicht in dieser

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