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Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Titel: Flandry 4: Ehrenwerte Feinde
Autoren: Poul Anderson
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Besteck mit Ausnahme des Dienstmessers. Flandry, der keines erhielt, musste Fleisch und Gemüse mit den Zähnen zerteilen. Die Verpflegung schmeckte eigenartig, und die Kochkunst war sehr uninspiriert, aber er fand alles genießbar und einige Zutaten sogar köstlich. In weiser Voraussicht hatte jemand einen großen Vorrat an Nahrungsergänzungskapseln für ihn beschafft, damit er Vitamine erhielt, die auf Scotha nicht vorkamen.
    Flandry durfte sich an Bord relativ frei bewegen, denn er konnte nirgendwo Schaden anrichten und wurde nie aus den Augen gelassen. Obwohl das Schiff groß war, mangelte es darin an Platz, denn es hatte sich auf einem Aufklärungs- und Raubeinsatz befunden.
    Das Schiff gehörte zu einem Dutzend, mit dem Cerdic ins Imperium vorgestoßen war. (Das war zwar nicht genau der Name des Prinzen, aber er klang ähnlich, und so gefiel er Flandry.) Außerdem wurden an Bord offenbar Besatzungen ausgebildet. Sie waren auf mehreren Planeten gelandet, die nicht alle für sauerstoffatmende Wassertrinker bewohnbar waren. Dort hatten sie ihre Kampffertigkeiten geübt und nachher an Beute mitgenommen, was sie wollten. Flandry hatte den Eindruck, dass der ein oder andere dieser Planeten unter terranischer Oberhoheit stand; aber falls ja, dann war die Verbindung nur lose, und es blieben keine lebenden Sophonten zurück, die Zeugenaussagen machen konnten. Cerdic war zu raffiniert, um das Imperium – jetzt schon – zu provozieren.
    Der Kronprinz hatte Agenten auf Llynathawr, der Welt, die als der große Horchposten für den gesamten Sektor des Imperiums bekannt war. Die Agenten stammten aus diversen sternenfahrenden Spezies; wahrscheinlich zählten auch einige Menschen dazu. Sogar Scothani konnten darunter sein, denn wer sollte ihnen schon das Gegenteil beweisen, wenn sie behaupteten, Untertanen aus einem fernen Teil des Reiches zu sein?
    Während Cerdics Flottille außerhalb der Ortungsreichweite wartete, war ein Schnellboot ins System eingedrungen und unbemerkt gelandet. Angesichts der Unterbesetzung und miserablen Ausstattung der Grenzstreitkräfte war das kein Kunststück gewesen. Die Spione an Bord hatten die Spione vor Ort kontaktiert und ihrem Herrn die neusten Erkenntnisse überbracht. Als Cerdic erfahren hatte, dass sich ein terranischer Sonderagent in Catawrayannis befand, der dort etwas offenbar Wichtiges untersuchte – egal, was für ein törichter Fatzke er war –, hatte er befohlen, Flandry zu entführen. Eine solche Operation barg kaum das Risiko der Entdeckung in sich, denn im wilderen Teil der Stadt geriet so mancher Zecher in Schwierigkeiten und verschwand auf Nimmerwiedersehen.
    Nun waren sie voller Triumph auf Heimatkurs. Es lag auf der Hand, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Raubzug von Barbaren handelte und dass Cerdic und sein Vater Penda (noch so eins von Flandrys Wortspielen) keine gewöhnlichen Barbarenhäuptlinge waren und Scotha keine gewöhnliche Barbarennation. War es möglich, dass wirklich die Lange Nacht dämmerte? Zu Flandrys sakrosankten Lebzeiten?
    Flandry schob den Gedanken beiseite. Für Sorge hatte er keine Zeit. Am besten zerbrach er sich nicht mehr den Kopf über den Einsatz, aus dem man ihn herausgerissen hatte. Seine Leute würden sich darum kümmern und die Aufgabe ohne Zweifel auch bewältigen, allerdings natürlich nicht im Flandry-Stil. Er hatte unversehens eine ganz neue Aufgabe erhalten, und der erste Teil davon hieß schlicht und einfach: überleben.
     
    Nach einiger Zeit ließ Cerdic ihn zu sich in seine Kajüte schaffen. Der Raum zeigte eine Reihe von ethnischen Elementen, etwa das Paar gewaltiger Hauer zwischen Schildern und Schwertern an einem Schott, die Tierfelle auf dem Boden und das groteske Götzenbild in der Ecke. Flandry fragte sich, ob diese Dinge nur hier waren, weil das so erwartet wurde. Weiteres Mobiliar umfasste einen Schreibtisch mit Computerterminal, Buchspulen samt Lesegerät, einen Holoschirm und, tatsächlich, eine Reihe von Nachschlagewerken mit anglischen Titeln. Der Prinz saß auf einem im Imperium gefertigten Ruhesessel. Auf seiner Brust glänzten Juwelen.
    »Achtung!«, bellte er. Flandry nahm Haltung an, salutierte und blieb in Habtachtstellung. »Rühren«, sagte Cerdic mit einer gewissen Leutseligkeit. »Und? Hast du dich inzwischen ein wenig an uns gewöhnt?«
    »Jawohl, Sir«, antwortete Flandry. Das war gesünder für ihn.
    »Deine erste Pflicht besteht darin, Frithisch zu lernen, die Hauptsprache Scothas«, befahl

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