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Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Titel: Flandry 4: Ehrenwerte Feinde
Autoren: Poul Anderson
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Entwicklung. Wenn man schließlich mehr oder minder wusste, was man wie bauen konnte und einem ein ganzer, fast unausgebeuteter Planet zur Verfügung stand, wuchs die Industrie rasch auf einen Umfang an, der für die meisten Zwecke genügte. Und schließlich dauerte es nicht lange, bis man auf die Ressourcen eines ganzen Sonnensystems zurückgreifen konnte.
    Man brauchte nicht einmal seine ganze Bevölkerung zu schulen. Den Großteil der Arbeit verrichteten automatisierte Maschinenparks. In Blickweite eines Raumhafens schufteten oft noch Generationen nach seiner Errichtung Bauern mit Hacke und Sichel. Die herrschende Klasse erachtete umfassende Schulung vielleicht sogar als wenig wünschenswert, besonders natürlich bei eroberten Nationen.
    Neue Hilfsmittel – alte, widerliche Methoden …
    Die Scothani allerdings mussten eine explosionsartige interstellare Karriere hinter sich haben, sonst wäre das Imperium im Laufe der Zeit auf sie aufmerksam geworden. Dass sie nicht bemerkt worden waren, deutete auf eine zielgerichtete, weitsichtige Planung hin. Flandry kribbelte es auf der Haut. »Wer waren denn die, die Ihnen halfen?«, fragte er bedächtig. Die Merseianer? Sie würden es liebend gern sehen, wenn wir Schwierigkeiten bekämen; je schwerer, desto besser.
    Der Häuptling hob die Hand. »Sie sind ein wenig zu vorlaut«, knurrte er. »Haben Sie vergessen, dass Sie allein unter uns sind, in einem Schiff, das schon viele Lichtjahre von Llynathawr entfernt ist und Kurs auf Scotha hält? Wenn Sie Gnade wünschen, führen Sie sich, wie es Ihnen zukommt.«
    Flandry nahm eine demütige Haltung ein. »Darf ich fragen, weshalb Sie mich gefangengenommen haben, Mylord?«
    »Sie sind ein hochrangiger Offizier des kaiserlichen Nachrichtendienstes. Als Geisel könnten Sie einigen Wert besitzen. Doch vor allem sind wir auf Informationen aus.«
    »Von mir? Aber ich …«
    »Ich weiß.« Die Antwort klang angewidert. »Sie sind ganz typisch für Ihresgleichen. Ich kenne das Imperium gut genug, um Sie zu durchschauen; ich habe das Reich des terranischen Kaisers lange inkognito bereist und viele Menschen kennengelernt. Sie sind nur ein wertloser illegitimer Sohn unter vielen, der eine hochbezahlte Sinekure erhält, damit er eine überladene Uniform tragen und Soldat spielen kann.«
    Flandry beschloss, sich leicht indigniert zu zeigen. »Jetzt hören Sie aber mal …« Und rasch fügte er hinzu: »Nicht dass ich Ihnen widersprechen möchte.«
    Der Barbar lachte. Er klang sehr menschlich, nur dass man eine Innigkeit wie seine auf Terra nur noch selten hörte. »Ich kenne Sie«, sagte er. »Glauben Sie, ich hätte Sie wahllos herausgegriffen, ohne mich vorher über Sie zu erkundigen? Ihr Auftrag bestand darin herauszufinden, wer die höchsten Rädelsführer einer kürzlich aufgedeckten Verschwörung gegen den Thron sind. Woher ich das weiß? Nun, Sie haben sich im luxuriösesten Hotel von Catawrayannis unter Ihrem richtigen Namen eingetragen. Mit einem anscheinend grenzenlosen Spesenkonto ausgestattet spielen Sie sich mit Andeutungen über Ihren Auftrag auf – Andeutungen, die kindisch dunkel bleiben, wo sie nicht vollkommen durchsichtig sind. Ihre Aktivitäten aber erschöpfen sich im nächtelangen Trinken, Spielen und Huren, während Sie den Tag verschlafen!« Eine kalte Belustigung funkelte in den blauen Augen auf. »Haben Sie vielleicht darauf abgezielt, dass die Feinde des Imperiums sich über dieses Schauspiel totlachen?«
    Flandry duckte sich. »Warum war ich es dann wert, entführt zu werden, Mylord?«, fragte er.
    »Etwas werden Sie schon wissen, sogar manch Nützliches. Zum Beispiel viele Einzelheiten über Organisation und Einsätze Ihres Korps; der Nachrichtendienst der terranischen Navy versteht sich größtenteils sehr gut auf Geheimhaltung. Außerdem werden Sie uns auch in anderer Hinsicht zu Diensten sein – Sie können Dokumente für uns übersetzen, auf potenzielle Verbündete innerhalb des Imperiums hinweisen und vielleicht sogar eigene Kontakte anbahnen. Am Ende verdienen Sie sich womöglich gar die Freiheit und, jawohl, eine reiche Belohnung.« Der Barbar hob die Faust. »Sollten Sie erwägen, etwas für sich zu behalten, oder gar auf Verrat sinnen, so seien Sie versichert, dass meine Folterknechte ihr Handwerk verstehen.«
    »Werden Sie mal nicht melodramatisch«, entgegnete Flandry mürrisch.
    Die Faust schoss vor. Flandry stürzte zu Boden, und sein Kopfschmerz wallte zu neuen Höhen auf. Während er sich auf

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