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Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Flandry 4: Ehrenwerte Feinde

Titel: Flandry 4: Ehrenwerte Feinde
Autoren: Poul Anderson
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kalt und mokant‹. Der Fremde trug ein Gewand aus irisierendem Shimmerlyn, auf einer Imperiumswelt gekauft oder geraubt, und hatte die Kanten mit Streifen schuppigen Leders eingefasst. An seinem Gürtel hingen ein Strahler und ein Rapier. Letzteres musste nicht unbedingt ein archaisches Symbol sein; nach den Spuren an Heft und Parierstange zu urteilen, wurde es benutzt.
    Der Anführer musterte Flandrys nackten Körper von Kopf bis Fuß. Der Terraner erwiderte den Blick so gleichgültig wie möglich. Endlich ergriff der Fremde das Wort. Sein Anglisch zeigte einen starken Akzent, und seine tiefe Stimme wies schwache Obertöne auf, die auf eine nicht ganz menschliche Anordnung von Zähnen, Gaumen, Zunge und Kehle hindeuteten. Dennoch benötigte er keinen Vokalisator, um verständlich zu reden: »Sie sind in besserer Verfassung, als ich angenommen hätte. Sie sind nicht weich, sondern hart.«
    Flandry zuckte mit den Schultern. »Man versucht halt, in Form zu bleiben. Man kann dann länger zechen und ist ausdauernder bei der Liebe.«
    Der Fremde runzelte die Stirn. »Vorsicht. Bleiben Sie respektvoll. Sie sind ein Gefangener, Captain Dominic Flandry.«
    Natürlich kennt er meinen Namen, sie haben mir ja die Taschen umgedreht. »Darf ich eine respektvolle Frage stellen? Haben Sie das Mädchen gestern Abend bezahlt, damit sie mir eine ganz besondere Zutat in den Drink schüttet?«
    »Allerdings. Die Scothani sind keineswegs die hirnlosen Schläger, für die man uns auf Terra hält. Das gilt übrigens für die wenigsten sogenannten Barbaren.« Er lächelte düster. »Unterschätzt zu werden kann jedoch auch ganz nützlich sein.«
    »Die Scothani? Ich glaube nicht, dass ich schon das Vergnügen hatte …«
    »Kaum. Wir sind dem Imperium zwar nicht völlig unbekannt, aber bislang haben wir den direkten Kontakt vermieden. Allerdings sind wir es, vor denen die Alarri flohen.«
    Flandry überlegte. Er war damals noch ein halbes Kind gewesen, doch er erinnerte sich noch an die Berichte über die Flotten, die sich mit atomarem Feuer und Energieschwert durch die Marken gebrannt hatten. Bei der Schlacht von Mirzan hatte alles auf Messers Schneide gestanden, bis ein Kampfverband der Navy die massierten Kräfte des Feindes niedergerungen hatte. Allerdings stellte sich heraus, dass die Alarri Opfer eines anderen Stammes waren, der ihren Planeten überrannt und sich tributpflichtig gemacht hatte. Ein Vorfall wie dieser wäre einem gleichgültigen Imperium nie aufgefallen, wenn die besiegte Spezies nicht die Unterwerfung verweigert und sich hordenweise in Schiffe gesetzt hätte, um eine neue Heimat zu erobern. (Die Alarri hatten erwartet, dass das Imperium sich den Frieden mit Hilfe bei der Suche nach einem zur Besiedlung geeigneten Planeten erkaufen würde, vorzugsweise außerhalb der eigenen Grenzen. Erdähnliche Welten sind eine Rarität in der Milchstraße. Doch es kam anders; geschlagen mussten sich die Reste der Alarri in die interstellare Wildnis zurückziehen. Vielleicht lebten noch einige von ihnen.)
    »Sie müssen mittlerweile ein eigenes kleines Sternenreich besitzen«, bemerkte Flandry.
    »Richtig, nur dass es nicht klein ist. Die Götter, die unser Schicksal schmiedeten, sorgten dafür, dass unsere Ahnen die Geheimnisse der Macht nicht von Menschen lernten, die uns hinterher überwacht und versucht hätten, unser Wachstum zu hemmen. Es waren andere, die auf unsere Welt kamen und die große Veränderung einleiteten.«
    Flandry nickte müde. Das historische Muster war so abgegriffen; Terra hatte es ebenfalls immer wieder erlebt, lange bevor ihre Kinder zu den Sternen aufgebrochen waren. Durch Erkundung, Handel, missionarische Bestrebungen und dergleichen traf die eine Kultur auf eine andere, die ihr technisch unterlegen war. Besaß letztere die nötige Kraft, um den Kontakt zu überleben, erlangte sie das Wissen um die Kniffe und Taktiken der Fremden im gleichen Maße, in dem sie die Ehrfurcht vor ihnen verlor. Am Ende überwand sie die andere Kultur vielleicht sogar.
    Die Kluft zwischen der vorindustriellen Eisenzeit zum Beispiel und einem modernen Maschinenpark war gewaltig, aber nicht unüberwindbar. Eine grundlegende Ausstattung ließ sich im Austausch gegen Rohstoffe oder Ähnliches erlangen. Ausbildung konnte gekauft werden. Sobald eine Klasse von Ingenieuren und anwendungsbezogenen Wissenschaftlern existierte, konnte man dann eigene Fortschritte machen; gelang irgendetwas, bewirkte es sofort eine erdrutschartige

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