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Firkin 1: Der Appendix des Zauberers

Firkin 1: Der Appendix des Zauberers

Titel: Firkin 1: Der Appendix des Zauberers
Autoren: Andrew Harman
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I
KHUCAPH
     
     
    Es waren vier. Vier Männer. Sie saßen im Halbdunkel, im Düstern, im Zwielicht, in dem nur hin und wieder ein paar Kerzen aufleuchteten und wild in der Zugluft flackerten, und schmiedeten finstere Pläne.
    Generationen von Königen hatten in diesem Raum finstere Pläne geschmiedet. Hatten niederträchtige Gemeinheiten ersonnen, satanische Listen und allumfassende, blutsaugerische Besteuerungssysteme, um die königlichen Speisekammern randvoll und das Volk unter dem königlichen Daumen zu halten. Es war der Konferenzsaal von Schloß Isolon, ein Raum, in dem man nicht zum Vergnügen weilte – es sei denn, man war einer jener Menschen, die ihren Spaß daran haben, sich zweiunddreißig verschiedene Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten für Daumenschrauben auszudenken, die heiße Lust empfinden beim Niederbrennen armseliger Dörfer, die kribbelnde Wonnen verspüren, wenn sie dem Vertragstext für ein schamlos erpresserisches Wuchergeschäft die letzte Klausel anfügen.
    Im Mittelpunkt des Raumes stand seit Jahrhunderten schon breit und klobig ein mächtiger Eichenholztisch. Zahllose Pläne waren an diesem Tisch entworfen, zahllose Vereinbarungen an diesem Tisch gebrochen worden, mit zahllosen Fäusten hatte man aus Wut oder Enttäuschung – häufig auch aus Wut und Enttäuschung – auf ihn eingeschlagen. Hinter dem Tisch ragte drohend, schmucklos und streng ein hoher schwarzer Monolith auf: der Thron, von dem in dichten Wellen eine kalte, erbarmungslose Graumsamkeit ausströmte. So massiv stand er da, daß man hätte glauben können, er sei aus einem einzigen Block schwarzen Schiefergesteins gehauen. Er war es tatsächlich.
    Dieses Fluidum der Grausamkeit emanierten – ganz so, als wären sie in unheilvoller Seelenverwandtschaft miteinander verbunden – auch die Wände des Konferenzsaals. Rings um den Tisch hingen, angeordnet mit kalter, geometrischer Präzision, Folterwerkzeuge; an der Rückwand präsentierten sich dicht an dicht in lockerer Reihung Instrumente der Qual und tödliche Vernichtungswaffen: Dort mischten sich Schwerter mit Turnierlanzen, kamen die Ketten schwerer Streitkolben (Fünfzehnpfünder) den Schäften von Wurfspeeren nahe, standen Armbrüste zum Bolzenschuß auf Gefechtsrüstungen bereit, die fertig zum Einsatz in den Saalecken standen. Die dadurch erzielte Wirkung war gleichermaßen düster wie geschmackvoll grausam und geradezu schneidend intensiv. Oder anders gesagt: Hätten ein manisch aggressiver mongolischer Kriegshäuptling, ein psychotischer Killer mit einer Vorliebe für Duschvorhänge und ein viktorianischer Prostituiertenmörder ein Haus für drei gesucht, und wären sie bei Durchsicht der Immobilienseite auf ein Objekt dieser Art gestoßen – es wäre ihr Traumobjekt gewesen, perfekt bis ins kleinste Detail.
    Bei der Auswahl der Raumausstattung hatte König Klemm, der erste und bis dato grausamste König von Isolon, auf den Vorschlag seines Innenarchitekten geantwortet: »Gobelins, GOBELINS!? Pah! Was glaubst du, was ich bin? Eine Prinzessin? Heiß ich Sissy?« Der Innenarchitekt war entlassen worden. Fristlos und für immer.
    Und jetzt, Jahrhunderte danach, saßen vier Gestalten in diesem Raum und debattierten hitzig. Der Saal brummte beinahe – es war das Geräusch, mit dem sich all die Niedertracht und Gemeinheit äußerte, die sich seit seiner Erbauung in ihm angesammelt hatte.
    »Und wenn wir das Essen besteuern würden, Sire?« fragte Börrnhadt, Mitglied der Schwarzen Garde von Schloß Isolon, den eben – was nur selten vorkam – ein Anfall von Klarsicht gestreift hatte.
    »Tun wir doch schon!«
    »Hä?« Die Wirkung der Raumatmosphäre ließ bereits nach, Börrnhadt fiel wieder auf jenes mentale Aktivitätsniveau zurück, das seinem Normalzustand entsprach.
    »Idiot! Wir erheben bereits Lebensmittelsteuer!« antwortete Swinehunt, der Erzkanzler, der für den schwerfälligen Schloßrausschmeißer nicht viel übrig hatte.
    »Oh!« Börrnhadt war ein bißchen verstimmt, weil sein Einfall, seine glänzende Idee, so jäh und in einem so zarten Stadium der Entwicklung abwürgt worden war.
    Lastendes Schweigen lag über dem Raum.
    Doch plötzlich – es schien fast, als wolle die Raumatmosphäre nicht so einfach aufgeben – kam in Börrnhadts Kopf etwas in Bewegung. Genau so, wie bestimmte Konzertsäle Tourneekünstler zu Meisterleistungen animieren können, wie gewisse Sportpaläste oder -arenen verläßlich dafür sorgen, daß genau dort immer wieder

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