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Feldblumen

Feldblumen

Titel: Feldblumen
Autoren: Adalbert Stifter
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aufgehalten - aber am ersten Mai, da ich mit Lothar von Dornbach den so schönen Weg nach Haimbach machte, und eben dort ankam, war er auch da, jedoch zum Glücke gerade im Begriffe, in den Wagen zu steigen zu einer Dame, die schon darinnen saß und - stelle dir vor - mein Griechenbild aus der St. Annenkirche war. Es saß noch die alte, schöne Frau bei ihr, ihre gewöhnliche Begleiterin, und dann eine junge, schlanke Gestalt, die aber einen ganzen Wolkenbruch von Schleiern über dem Gesichte hatte. Wie kommt er nun zu dieser?
    Daß wir alle Wirthsleute fragten, wer die Abfahrenden wären, war sehr natürlich; daß es aber Niemand wußte, ärgerlich.
    Wir blieben fast den ganzen Nachmittag in dem lieblichen Thale, und als ich, wie zur Spielerei die Wirthsfrau, ein mitteljähriges, gutmüthiges Gesicht, in meine Mappe zeichnete, so lächelte sie unbeholfen verschämt, und meinte, wenn ich und der andere Herr in unsere Bücher da Gesichter und Leute abmalten, so hätten wir um zwei Stunden früher kommen sollen, als noch die zwei jungen Fräulein da waren, die wären der Mühe werth gewesen; denn von allen Stadtjungfern sei noch keine so schöne da gewesen, wie Milch und Blut, und so freundlich wie zwei Engel - auch der junge Herr sei sanft und stille, wie die andern alle nicht, die aus der Stadt kommen (außer uns beiden, die wir auch recht gutherzig aussähen) und die alte Frau habe so viele Freude über die jungen Leute, daß sie immer lächle. Die gute Wirthsfrau wurde zutraulich, und freute sich, daß sie ihr Gesicht in dem schönen großen Buche habe neben den schönen Fräulein und vornehmen Herren, die wohl alle noch darin wären - dabei sah sie neugierig die Mappen an, daß ich sie ihr endlich aufschlug, und ihr Erstaunen auf das höchste trieb, als sie ihr eigenes Haus fand, und die Bäume um dasselbe in netten Farben und die Berge und den Himmel mit leibhaftigen Lämmerwolken (wie sie sie nannte) und noch dazu Leute, die unter dem Apfelbaume frühstückten - dann auf andern Blättern ihren Hund, dann den Knecht mit dem Schimmel, den blinden Zitterspieler, den Bach mit dem Stege u.s.w. Das hätte sie nie geglaubt, meinte sie; denn in diese Bücher mit dem schneeweißen Papiere paßten eher die prächtigen Stadthäuser und schöne Spaziergänger und Reiter und Wagenzüge. Schade, da wären noch leere Blätter genug, und auf einem würde die Gesellschaft dieser schönen Fräulein recht gut Platz gehabt haben, und aus dem Fenster der Gaststube hätten wir es recht leicht abmalen können, wie sie an dem weißen Tische mitten auf der Wiese frühstückten und scherzten. Sie wundere sich nur, daß heute, als am ersten Mai, Jemand da herausgekommen sei, da ja Alles bei dem Frühlingsfeste im Prater sein werde. Wir lachten und sagten, daß es uns selber hinreichend freuen würde, wenn wir die zwei Engel conterfeien könnten. »Wer weiß es« versetzte die Wirthin; »Berg und Thal kommen nicht zusammen, aber die Menschen.«
    »Ja wohl,« lachte Lothar, »wir wollen sogar zuversichtlich hoffen, daß gerade diese zwei Engel, welche am ersten Mai
anno domini
1834 in Haimbach frühstückten, dereinst noch unsre Frauen werden, und wieder eines schönen Tages in unsrer Gesellschaft frühstücken werden. Was meinen Sie dazu, Herr College?«
    »Topp,« rief ich; »aber mir muß die Unverschleierte bleiben.«
    »Die andere ist noch schöner,« rief die Wirthin.
    Ich meinte, das sei nicht möglich, und halte mich an das Gewisse.
    »Gut,« sagte Lothar, »von heute binnen drei Jahren, Frau Wirthin, rüsten Sie ein wackeres Frühstück und Mittagsmahl; denn wir werden den ganzen Tag mit den zwei Engeln, unsern lieben rechtschaffenen Ehefrauen, in Haimbach zubringen. Ich nehme in Gottes Namen die Verschleierte, da ich keine von beiden von Angesicht kenne, und mich ganz auf den Geschmack unserer Frau Wirthin verlasse.«
    »Und ich dagegen,« fiel ich ein, »will diese besagte Frau Wirthin zum Andenken an diesen Tag recht sauber auf schneeweißes Papier malen, und in einem schmucken Goldrahmen mitbringen.«
    Ei, das wäre für sie alte Frau viel zu viel Ehre, vermeinte sie, und übrigens könnte ich so etwas leicht versprechen, ohne deswegen mein Farbenzeug aufmachen zu dürfen, da zwei solche lustige Herren gewiß ohnedieß schon jeder eine Fräulein Liebste in der Stadt haben würden, die schon unter den schönen Gesichtern des Buches sein werde.
    Wir sahen uns beide an, und lachten: denn wahrhaftig, keiner hatte nicht im

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