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Feldblumen

Feldblumen

Titel: Feldblumen
Autoren: Adalbert Stifter
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und das Himmelsröschen hätte mit Fug eine Vorrede abgegeben, wenn nicht alles dadurch verrathen worden wäre. Deßhalb folgt es jetzt gleichsam als Nachrede, und enthält wieder eine Geschichte. Am ersten Mai
anno domini
1835 war zu Haimbach ein großes Frühstück. Es war da: erstens ein junger, schöner, höchst geistvoller Mann mit ernsten Augen und muthigem Antlitz,
Albrecht
, der Schreiber obiger Blätter; an seiner Seite war
Angela
, sein wohlgetrautes Eheweib, eine vollendete Minerva.
Item
ein zweites junges Ehepaar:
Lothar
und
Natalie
; Albrecht zeichnete sie in seinen Blättern ohnedieß sehr gut.
Tertio
:
Emil
und
Lucie
, kein Ehepaar, sondern gute Freunde. Ferner ein sonnverbrannter, feurig blickender Mann, mit mehr Lockenwald, als Jupiter Olimpicus, aber etwas klein und stämmig: der
Titus
aus den
Pyrenäen
. Ihm zur Seite saß - nicht sein Weib - sondern Jungfrau
Emma
, frisch herumblickend voll trotziger Gesundheit,
item
Onkel
und
Tante
; und zuletzt
Aston
, zu dem sich kein weiblicher Gesponse vorfand, man müßte nur die Wirthin rechnen, die freudig und verschämt lächelnd herumging, und alle Hände voll zu thun, und ihres Wunderns und Gesegnens kein Ende hatte; denn ganz oben am Ende des Tisches, im schönsten Goldrahmen prangend, steht ihr sehr gelungenes Conterfei auf »schneeweißem Papiere« in netten Farben ausgeführt, wie es Albrecht in der Glockenblume versprochen hatte.
    So war also jener Scherz schon in einem Jahre in Erfüllung gegangen, nur verkehrt. Lothar hatte das Griechenbild und Albrecht die Verschleierte gewonnen. Und dem damaligen Scherze zu lieb wurde das heutige Frühstück veranlaßt, um die Voraussagung so wahr als möglich zu machen.
    Ich saß jenes gesegneten Tages aus purem blinden Zufalle in Haimbach, und diesem Zufalle verdankt der Leser die ganze obige Geschichte; denn, weiß Gott, wie es kam - die Leutchen alle gefielen mir so sehr, und ich etwa ihnen auch, daß sich eine Bekanntschaft entspann, und dann gar ein Mitihnenfahren, und sofort eine nähere bis heute fortgesetzte Freundlichkeit und ein traulicher Umgang, und lieb wäre es mir, wenn ich eines schönen Tages die liebholdeste Emma zum Altare führen könnte. Noch einen Rath füge ich in Schnelle bei, bevor wir scheiden, nämlich:
    »Wer etwa diese Zeit her Lust hat, den Traunsee zu besuchen, der warte noch zwei oder drei Jahre, wenn es angeht; denn dann sind die zwei wunderschönen Landhäuser schon fertig, die ganz nach Albrechts Angabe am Traunkirchner Ufer werden aufgeführt werden, als Wohnung der obigen Frühstückgesellschaft - wenn nicht bis dahin ein anderer Plan gefaßt wird, etwa am Jura zu wohnen, oder in Neuseeland, oder sonst wo, was von so überirdischen Köpfen nicht zu wundern wäre.«
    Und so, lieber Leser, gehab Dich wohl!!!
     
     
    * * *
     
    Ende
     
     
     
     

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