Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Feldblumen

Feldblumen

Titel: Feldblumen
Autoren: Adalbert Stifter
Ads
Güter, und so und so viel fällt auf Euch Beide gerade in der Art, wie wenn Du etwa eine Million von einem wildfremden Oheim geerbt hättest - oder fühlst Du Dich auch gegen den verblichenen Oheim unterthänig? Nicht - weil Erben herkömmlich ist, Anderes nicht. - - Daß Angela Dir ihr
Herz
gab, das ist eine Gabe, das ist ein
reines Geschenk
, das Du in Demuth annehmen magst, und wo Du auf Vergeltung sinnen kannst, wenn es anders möglich ist, etwas so Hohes zu vergelten.
    Ich verachte selbst den Mann, der, wenn er ein reiches Weib heirathet, sofort jedes Geschäft fahren und sich von ihr ernähren läßt - - aber wird Dein Streben in all unsrer schönen Zukunft nicht weit mehr werth sein, als das, was Dir hier zufällig entgegenkommt? Doch genug, es ließ Dir naiv; aber ich habe es von
Dir
nicht erwartet, daß Du mit dieser Last angefahren kommen wirst. Wir wollen es den Mädchen verheimlichen: sie müßten Dich auslachen.«
    »So höre einmal auf!« rief ich aus, und in der That, Titus! es kam etwas Schamröthe über mich, wie er die Dinge so gelassen einfach entwickelte. - Wie thöricht weit sind wir doch in unserer Ausbildung schon in Unverstand und Unnatur hineingefahren!
    »Lothar scheint derselbe Narr zu sein,« fuhr er nach einer Weile fort; »er quält sich sichtbar ab - und dennoch, als der Doctor Natalien den Hof machte, konnte sie nichts Eiligeres thun, als ihr Herz an die frommen schönen Künstleraugen Lothars weggeben - ich habe es gleich bemerkt; er nicht, sondern er ringt und malt, und malt in jedes Bild deutlicher seine Liebe hinein. Nun, es wird sich finden. Dadurch, daß Natalie diesen Menschen wählte, hat sie ihrem schönen Wesen die Krone aufgesetzt, und dann, Albrecht, sollen Deine Villen auferstehen, wenn anders Raum zu ihnen zu bekommen ist. Bringe nur bald auch den Titus.«
    Die Bemerkung über Lothar war mir nicht neu - ich hatte sie in der Stille auch schon gemacht, und mein Tagebuch muß ihm eher Vorschub als Abbruch gethan haben.
    Heute fuhren wir schon um vier Uhr früh über den See, in der Lambath wartete der Wagen, und wir verlebten Alle den herrlichen Tag in Ischl.
    Wir bleiben noch drei Wochen in dem Gebirge, und dann geht es wieder vorläufig nach Wien.
     
     

18. Gundelrebe
     
    Wien, 18. September 1834.
    Ich muß Dir noch dieß Blättchen senden, ehe ich Dich an meinem Herzen habe. Es freut mich etwas gar zu sehr. Aston hat es zwar allein geordnet, der Plan aber ging von Allen aus. Mein Paphos, mein Eldorado, meine zwei Zimmer, wie ich sie einst dichtete, sind leibhaftig und in Wahrheit da. Aston, der vor Freude um volle dreißig Jahre jünger ist, und Emil holten mich heute in meiner Stube ab, und führten mich hin. Diese Zeilen schreibe ich schon da. Die Staffelei, die Tropenpflanzen, die Bilder, die Statuen, die grauen Vorhänge, die Geräthe, das Fernrohr (aber es ist ein Plößl), Alles, Alles ist da, und wie ich so recht freudig war, wie ein Kind, und dem guten freudigen Aston die Hände drückte, machte er sich los, riß eine unbe merkte Tapetenthür auf, und dahinter stand lächelnd Angela und Lucie, und Natalie und Emma, und hinter ihnen die drei Zimmer, wie sie gewünscht wurden, mit dem Piano, und der Glasthür und dem Balkone und dem Garten. - Alle Mädchen lachten und freuten sich, und Alle mußten den alten Aston küssen; denn er
allein
hat Alles gemacht und ordnen lassen, und kein Auge durfte es früher sehen, als heute. Eine Tafel stand in einem der Zimmer gedeckt und bereitet, das Mahl zu empfangen, das heute hier in
meiner
Wohnung eingenommen werden soll, - und Angela hat das ganze Mahl gerüstet. - Sie kann also doch auch kochen - o Titus! wie schön, wie unsäglich reizend läßt der hochgeistigen Gestalt die liebe Wirthlichkeit, die Schürze, die Schlüssel, das hausmütterliche Auge, und die höhere Wangenröthe von der Bewegung und Arbeit! - Sie war selbst so sehr freudig und neckisch, daß sie ordentlich irdischer wurde und ich den Muth bekam, bei einer gelegenen Secunde ihre Wange zu küssen, was ich nie gewagt hatte; sie litt es ohne Ziererei, sah mich an, und enteilte. Lothar und Natalie sind auch ein Paar. - O komme nur, komme, daß ich Dich nur einmal fassen kann, und fast an mir zerdrücken; sonst werde ich noch vor Freude närrisch.
     
     
     

19. Himmelsröschen
     
    Wien, 1. Mai 1835.
    Die Gundelrebe war das letzte Tagebuchblatt Albrechts, und das Himmelsröschen ist ganz von mir, d. h. von dem Sammler und Erzähler der obigen Blätter -

Weitere Kostenlose Bücher