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Federleicht & Bittersüß: 15 Gay - Romanze Kurzgeschichten

Federleicht & Bittersüß: 15 Gay - Romanze Kurzgeschichten

Titel: Federleicht & Bittersüß: 15 Gay - Romanze Kurzgeschichten
Autoren: bonnyb. bendix
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Gabriel

    Die kleine malerisch gelegene Kapelle.
    Ein Ort der Ruhe, der Stille.
    Magisch zieht es mich an diesen Ort.
    Nicht meiner Gottesfürchtigkeit ist es zu verdanken, dass ich mich in das Haus des Herrn begebe. Nein, ganz im Gegenteil.
    Trete ich ein, nachdem ich die kleine Anhöhe empor gelaufen bin, die knarrende Tür hinter mir geschlossen habe, fühle ich mich zwar dem Himmel nah, aber meine Gedanken werden mich geradewegs in die Hölle katapultieren.
    Ich schlage das Kreuz vor meiner Brust, mehr aus Reflex, als aus Gläubigkeit. Meine andere Hand ballt sich, schließt sich fest um den Rosenkranz in meiner Tasche. Mechanisch zählen meine Finger die Perlen.
    Ich gehe, nein, ich schreite langsam durch die hölzernen Reihen. Meine Schuhsohlen hinterlassen bei jedem Schritt ein Hallen. Ich mag es, die Stille zu durchbrechen. Scheuche oder wirbele sie auf.
    Mein Blick gleitet an den mächtigen marmornen Säulen, die den Himmel an der Decke zu stützen scheinen, empor.
    Ich habe meinen Lieblingsplatz erreicht. Eine Bank, etwas abseits.
    Über mir ist eins der gerundeten Fenster, welches mit buntem Mosaik verglast ist. Die Sonne scheint hindurch, filtert die Farben und wirft ein unwirkliches Licht auf den mit grobem Stein bedeckten Boden.
    Fachkundige Hände haben diese Kirche geschaffen, haben das Gerüst gebaut. Dann kamen die von Gott gesandten Künstler.
    Handwerk, welches den Himmel auf die Erde holt, ihn in dieses Haus zu sperren scheint. Mit all seinen himmlischen Bewohnern.
    An den Wänden und der Decke, überall um mich herum, scheine ich auf Wolken zu gehen. Wie man mit Farbe die Bauschigkeit, die Fülle und die nicht vorhandene Beschaffenheit derart realistisch auf kalte, steinerne Mauern bannen kann, bleibt das Geheimnis.
    Kein seelenloses Gemälde, nein, monumentale, heilige Sphären wurden hier geschaffen. Ich fühle, wie mich viele Augenpaare mustern.
    Das erste Unbehagen ist gewichen, hat erregter Vorfreude Platz gemacht.
    Wird er heute kommen?
    Werde ich so tief in diese himmlische Welt eintauchen, dass er sich aus seinem Versteck herauswagt?
    Die anderen blicken mich voller Neugier oder Argwohn an.
    Die Engel, die Boten Gottes!
    Seine verlängerte Hand. Gesandt, sein Wort zu verkünden, herrlich, wunderschön und trotzdem Furcht einflößend.
    Leicht bekleidet, ein Tuch vor der Blöße, scheinen sie leichtfüßig auf den Wolken zu spazieren. Ihre Flügel mal in blendendem Weiß, mal in Aschgrau und die Racheengel in tiefem Schwarz. Der Blick mal gütig, mal voll glühendem Zorn.
    Ehrfürchtig ergeben neige ich kurz mein Haupt, nuschele ein Stoßgebet.
    Die Wolken scheinen sich zu bewegen. Unsichtbarer Wind treibt sie vor sich her. Die Engel des Herrn schauen sich um, stecken die Köpfe zusammen.
    "Gabriel, Gabriel ...", ganz so hört es sich an, das leise Flüstern von klaren Stimmen.
    Die Wände scheinen diesen Namen zurückzuwerfen.
    "Gabriel, gleich wird er kommen ...", höre ich und mein Atem beschleunigt sich.
    Ich starre in die Wolken, wo die halb nackten, milchig weißen Körper mal hinter den Wolken verschwinden und dann wieder, von den Strahlen der Sonne beleuchtet, auftauchen. Eine Sonne, die nur in diesem Gebäude in einem gerechten Licht strahlt. Gottes Zorn oder Gerechtigkeit verkündend, streckt sie ihre leuchtenden Finger durch die Wolkenpracht. Da verdunkelt sie sich, schiebt der Wind eine dunkle Cumuluswolke vor das gleißende Licht.
    Ich schließe die Augen, und als ich sie wieder öffne, kurzatmig und mit tausend Schmetterlingen im Bauch, die darin wild umherstoben, ist er da.
    Erschienen aus dem Nichts!
    Schrecklich schön sieht er auf mich herab, seine kalten Augen dringen tief in mich. Er scheint bis in meine Seele blicken zu können.
    Gabriel! Der schönste aller Engel ...
    Die Sonne versucht, ihr Licht durch die Schwärze der Wolken zu pressen.
    Gabriel leuchtet himmlisch, seine helle Haut, die das Licht zu absorbieren scheint, schimmert in der Herrlichkeit Gottes.
    Meine Faust krallt sich um die Kette in meiner Tasche.
    Erregung macht sich in mir breit. Sein Anblick zeigt mir meine Unvollständigkeit.
    Er scheint direkt über mir zu schweben. Gütig sein Blick, forschend, bohrend und wissend zugleich.
    Ich brauche nichts zu sagen, denn meine Gedanken offenbaren sich ihm von ganz allein. Hier, im Hause Gottes, umgeben von den geflügelten Wesen, fühle ich mich wohl.
    Sanfte Männlichkeit umgibt mich, vor der ich mich herrlich schwach fühle.
    Gott, umgeben von

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