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Familientherapie ohne Familie

Titel: Familientherapie ohne Familie
Autoren: Thomas Weiss
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VORWORT ZUR ERSTAUSGABE
    Familientherapie und Einzeltherapie schienen sich zunächst auszuschließen. Familientherapeuten sprachen zwar auch von dem System Individuum, erforschten und behandelten aber im Wesentlichen das System Familie. Hier hat sich, wie eine wachsende Zahl von Veröffentlichungen erweist, inzwischen einiges geändert. Fast könnte man sagen: Familientherapeuten haben das Individuum und die Einzeltherapie wiederentdeckt. Aber dieses Individuum und diese Therapie zeigen sich nicht mehr als das, was sie einmal waren. Der Therapeut, der einem Einzelnen gegenübersteht, sieht diesen nunmehr in das
jeweilige »Problemsystem« eingebettet; er hat dieses System immer vor Augen, überlegt sich bei jeder seiner Fragen und Interventionen, wie sie sich auf die Mitglieder dieses Systems auswirken könnten. Zugleich macht er sich in diesem Gespräch Gesichtspunkte und Vorgehensweisen zunutze, die sich in der Praxis des Familien- und Paargesprächs bewährt haben.
    Solche systemische Einzeltherapie versteht sich als Kurztherapie. Sie möchte, indem sie neue Informationen einführt und neue Erfahrungen vermittelt, etwas anstoßen, das sich dann im Laufe des täglich gelebten Lebens zu bewähren und auszuweiten vermag. Diese Therapie wird heute von mehr und mehr Therapeuten praktiziert. Thomas Weiss stellt sie im vorliegenden Buch zusammenfassend dar. Dabei ließ er sich besonders von dem innovativen amerikanischen Therapeuten Steve de Shazer, den Mailändern Luigi Boscolo und Gianfranco Cecchin sowie Mitgliedern unserer Heidelberger Gruppe anregen.
    Der Autor beschreibt – und darin sehe ich den hauptsächlichen Vorzug des Buches – viele dem systemischen Einzeltherapeuten zur Verfügung stehende Vorgehensweisen anschaulich, lebendig und fallorientiert. Die meisten Beispiele entnimmt er der hausärztlichen Praxis. Daher dürfte das Buch gerade für den medizinischen Praktiker Wert haben, denn dieser zeigt sich gleichsam strategisch platziert, um die Erkenntnisse der systemischen Therapie effektiv in seine tägliche Arbeit einbringen zu können.
    Aber das, was den vielleicht größten Vorzug des Buches ausmacht – seine lebendige und leicht fassliche Darstellung innovativer und oft erstaunlich erfolgreicher Frageweisen und Interventionen -, könnte sich auch als problematisch herausstellen: dann nämlich, wenn es Praktiker dazu verleiten sollte, durch einige schnell gelieferte Umdeutungen oder fix verordnete Übungen Symptome beseitigen und Muster ändern zu wollen, die sich oft schon über längere Zeiträume herausgebildet und verhärtet haben. Die systemische Einzel- wie Familientherapie
vermag zwar Erfolge aufzuweisen, die angesichts geläufiger Erwartungen und Vorstellungen erstaunen könnten. Aber Wunder vermag auch sie nicht zu vollbringen. Wo sich Erfolge einstellen, ging dem in der Regel vonseiten der Therapeuten ein langes Lernen durch Versuch und Irrtum sowie eine Bemühung um die theoretische Fundierung des eigenen Vorgehens voraus. (Gerade die Theorie der systemischen Therapie tritt im vorliegenden Buch hinter der Darstellung praktischer Anwendungsmöglichkeiten zurück.) So wünsche ich mir, dass das Buch von vielen gelesen wird, die bereit sind, sich anregen zu lassen, bestehende Vorstellungen zu hinterfragen, mit Neuem zu experimentieren, und sich doch auch – sozusagen als Enttäuschungsprophylaxe – einen Schuss Skepsis bewahren.
     
    Prof. Dr. Helm Stierlin

VORBEMERKUNG ZUR NEUAUSGABE
    Genau 20 Jahre liegen seit der ersten Ausgabe dieses Buches zurück. Dieser dauerhafte Erfolg war so nicht abzusehen. Fast im Jahresrhythmus wurden neue Auflagen notwendig und zeigten das anhaltende Interesse der Leser an diesem Thema.
    Nun freue ich mich, dass dieses Buch erneut im Kösel-Verlag in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung erscheint. Mir hat die erneute Beschäftigung mit Text und Thema große Freude bereitet.
    Der Erfolg des Buches spiegelt auch die Ausbreitung der Familientherapie wider, die inzwischen als eine der großen,
anerkannten Therapierichtungen sowohl im deutschsprachigen Raum wie auch international gilt. Heute zählt sie zu den meistverbreiteten Therapieformen. Gleichzeitig kam es zu einer immer größeren Differenzierung und Vielfältigkeit der Anwendungen. Auch die systemische Einzeltherapie, bei der Erstauflage dieses Buches noch ein Novum, wurde zu einer etablierten Form systemisch-familientherapeutischer Arbeit.
    Ich hoffe, dass dieses Buch auch weiterhin von Nutzen

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