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Falaysia - Fremde Welt - Band III: Piladoma (German Edition)

Falaysia - Fremde Welt - Band III: Piladoma (German Edition)

Titel: Falaysia - Fremde Welt - Band III: Piladoma (German Edition)
Autoren: Ina Linger
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Sache sehr viel weniger rosig und erfolgversprechend aus. Ihre gemeinsame Wochenendreise hatte zwar einiges an wichtigen und aufwühlenden Informationen hervorgebracht, allerdings war es ihnen nicht gelungen, den Zugang zu Demeons Geheimversteck (sie war sich so sicher, dass es eines gab) in seinem Haus zu finden. Sie waren dort noch nicht einmal auf etwas minimal Verdächtiges gestoßen. Seine ganze Einrichtung hatte eher den Eindruck erweckt, als würde dort ein ganz normaler Mensch leben, der schlichte aber gemütliche Möbel liebte, gern kochte und sich abends vor dem Kamin auch mal gemütlich ein Pfeifchen gönnte. Wenn irgendjemand Melina zuvor Fotos von dem Inneren dieses Hauses gezeigt hätte, wäre sie nie im Leben darauf gekommen, dass das Demeons Bleibe war.
    Benjamin und sie waren bitter enttäuscht gewesen, als sie das Haus bis in den Dachwinkel durchstöbert und nichts gefunden hatten. Melina hatte sogar versucht, dem Geheimnis des Hauses mit ihren magischen Fähigkeiten auf die Spur zu kommen – doch es war ihr verschlossen geblieben.
    Nichtsdestotrotz waren sie nicht mit leeren Händen nach Hause gekommen. Zumindest das Gespräch mit Miss Clarke hatte Erstaunliches zutage gebracht und ihren gemeinsamen Verdacht bestärkt, dass Demeon alles andere als mit offenen Karten spielte und dass hinter allem, was bisher in und um Falaysia herum passiert war, etwas viel Größeres und Gefährlicheres stand als nur ein Spiel.
    Miss Clarke hatte in ihrer kurzen Zeit bei den Spencers so viele merkwürdige Dinge erlebt. Melina hatte immer noch ihre großen Augen vor sich … gezeichnet von Erschütterung und Trauer …
     
    „Sie können sich nicht vorstellen, was ich damals durchgemacht habe, welche Vorwürfe ich mir machte … noch Monate – Jahre, nachdem der Junge verschwunden war.“
    Miss Clarke stellte mit zittrigen Fingern das Tablett mit dem Tee und den Keksen auf den kleinen Tisch vor der Couch, auf der Melina und Benjamin sich niedergelassen hatten.
    „Wenn ich ehrlich bin, tue ich das noch heute, nach all den Jahren, die vergangen sind“, gestand sie betroffen. Sie platzierte die Tassen vor ihren Gästen und goss ihnen Tee ein. „Zucker?“
    Melina schüttelte den Kopf, während Benjamin begeistert nickte.
    „Mein Neffe sagte mir, Sie hätten drei Jahre lang für die Spencers gearbeitet“, versuchte Melina der älteren Frau dabei zu helfen, sich zu erinnern.
    Diese kniff die ohnehin schon schmalen Lippen so fest zusammen, dass sie nur noch eine feine Linie bildeten und nickte verhalten. Zwei Zuckerstücke fanden ihren Weg in Benjamins Teetasse, dann ließ sich die schlanke, müde aussehende Frau mit einem tiefen Seufzen auf dem Armsessel neben Melina nieder.
    „Als die Spencers damals hier auftauchten, war ich gerade auf Arbeitssuche und freute mich sehr, so eine Stelle angeboten zu bekommen. Ich hatte eine lange Krankheitsgeschichte mit einer mehrmonatigen Kur hinter mir und war demzufolge in finanziellen Schwierigkeiten, wissen Sie.“ Sie strich sich eine Strähne ihres silbrigen Haares, die sich gerade aus ihrem Knoten gelöst hatte, sorgsam zurück hinter das Ohr.
    „Mr. Spencer war ein ausgesprochen netter, großzügiger Mann, an dem mir zu Beginn meiner Arbeit nichts Verdächtiges auffiel. Er erklärte mir, dass sein Sohn aufgrund des Verlustes seiner Mutter eine sehr schwierige Zeit durchmache und momentan nicht an einer normalen Schule unterrichtet werden könne. Ihm gefiel es daher sehr, dass ich eine studierte Lehrerin bin. So konnte ich seinem Sohn das notwendige Schulwissen übermitteln.“
    Melina hob erstaunt die Brauen. „Sie haben das Kind unterrichtet?“
    Miss Clarke nickte. „In allen Grundfächern. Und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Jack war ein überaus intelligentes Kind, unglaublich neugierig und ehrgeizig. Wenn er etwas nicht verstand oder ihm etwas nicht sofort gelang, dann versuchte er, sich dem Problem auf jede erdenkliche Weise zu nähern, bis er es endlich gelöst hatte. Er … er sog jede Art von Wissen wie ein Schwamm in sich auf und vergaß nie, was er einmal gelernt hatte. Meiner Meinung nach war er den meisten Kindern seines Alters weit voraus – hochbegabt und unglaublich schnell, was seine Denkprozesse anging. Ich hatte noch nie zuvor ein Kind wie ihn unterrichtet und ich denke, das werde ich auch so schnell nicht wieder…“
    Die alte Dame presste erneut die Lippen aufeinander, dieses Mal jedoch, um die Trauer zu bekämpfen, die bereits ihre Augen

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