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Ewiger Schlaf: Thriller

Ewiger Schlaf: Thriller

Titel: Ewiger Schlaf: Thriller
Autoren: Greg Iles
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Brust.
    »Ich hab getroffen, Daddy!«, rief Annelise, und ihre Augen funkelten vor Stolz und Erstaunen. »Ich hab ein Tor geschossen!«
    »Und was für eins.«
    »Brandon hat mir den Ball zugespielt!«
    »O ja.«
    Waters merkte, dass Brandon hinter ihm stand. Er drehte sich halb um, ergriff die Hand des Jungen und hob dessen Arm zusammen mit dem Annelises in die Höhe, um auf diese Weise allen zu zeigen, dass das Verdienst am Treffer beiden gebührte.
    »Okay, zurück in die Verteidigung!«, rief er.
    Seine Mannschaft rannte zum eigenen Tor, um dort wieder Aufstellung zu nehmen, doch der Trainer der Gegenmannschaft schob sich die Pfeife zwischen die Lippen und blies hinein, und der schrille Pfiff beendete das Match.
    Die Eltern von Waters’ Spielern strömten aufs Spielfeld, um den Kindern und deren Trainer zu gratulieren und den Sieg zu bejubeln. Waters’ Frau Lily trug die Kühlbox heran, in der sich die Leckerbissen für nach dem Spiel befanden: isotonische Getränke und Schokoladenkekse. Als Lily die Kiste auf den Boden setzte und den Deckel abhob, wirbelte ein Tornado aus Körpern um sie herum, der ihr die Flaschen und Tüten aus den Händen riss. Lily lächelte aus dem lärmenden Chaos ihren Mann an, zeigte ihm stumm ihren Stolz auf Annelise, während der glückliche Vater eines Jungen Waters auf die Schulter klopfte. Lilys Augen waren kornblumenblau, und ihr Haar, das ihr bis auf die Schultern fiel, glänzte golden. In Augenblicken wie diesem sah sie noch genauso aus wie an der Highschool, wo sie an Langstreckenläufen teilgenommen und die Konkurrenz weit hinter sich gelassen hatte. Ein Glücksgefühl erfüllte Waters inmitten dieser Collage aus erhitzten Gesichtern, Grasflecken, aufgeschürften Knien und dem abgebrochenen Zahn des kleinen Jimmy O’Brien, der jetzt wie ein Artefakt aus einer historischen Schlacht von Hand zu Hand gereicht wurde.
    »Was für eine Saison, John!«, sagte Brandon Davis’ Vater. »Nur noch ein Spiel.«
    »Heute war ein toller Tag.«
    »Wie fandest du Brandons Pass zu deiner Tochter?«
    »Brandon hat einen guten Riecher.«
    »Kann man wohl sagen«, sagte Davis. »Der Junge hat eine große Zukunft. Warte nur, bis er alt genug fürs AYA -Team ist.«
    Waters fühlte sich bei solchen Gesprächen unwohl. In Wahrheit kümmerte es ihn wenig, ob die Kinder siegten oder eine Niederlage einstecken mussten. In ihrem Alter ging es in erster Linie um den Spaß und das Gemeinschaftsgefühl – was vielen Eltern jedoch entging.
    »Ich muss den Ball holen«, sagte Waters, um das Gespräch zu beenden.
    Er lief zu der Stelle, wo der Ball beim Abpfiff liegen geblieben war. Eltern der gegnerischen Spieler nickten ihm auf dem Weg zu ihren Autos anerkennend zu, und ein Gefühl der Kameradschaft überkam ihn. Diese grüne, rechteckige Raseninsel mit den weißen Seiten-, Tor- und Mittellinien war jener Ort, an dem heute das Herz von Natchez schlug – einer Stadt mit 20.000 Einwohnern, geschichtsträchtig, aber ohne Zukunftsperspektiven. In Waters’ Jugend hatten in den Wohnsiedlungen in der Gegend weiße Fabrikarbeiter gelebt; heute waren hier fast ausschließlich Schwarze zu Hause, was diese Gegend vor zwanzig Jahren zur Tabuzone gemacht hätte. Heute jedoch spielten auch schwarze Kinder in Waters’ Fußballmannschaft – ein Zeichen für eine Veränderung, die so tief greifend war, dass nur Menschen, die sie miterlebt hatten, ihre Bedeutung wirklich verstanden.
    Gedankenversunken ließ Waters den Blick in die Runde schweifen. Die Leere, die er dabei verspürte, erinnerte ihn an das Gefühl, als einmal ein prächtiger Vogel direkt vor seinem Bürofenster gelandet war: ein Kardinal. Als Waters sich das Tier genauer anschauen wollte, hatte er rasches Flügelschlagen gehört; dann war die Stelle vor dem Fenster leer gewesen. Jetzt hielt Waters Ausschau nach der dunkelhaarigen Frau, doch sie war fort.
    Er hob den Ball auf und lief zurück zu seinem Team, das auf einen abschließenden Kommentar wartete.
    »Ihr habt sehr gut gespielt«, sagte Waters und sah die Kinder an, während die Eltern jubelten. »Jetzt bleibt nur noch ein Spiel, und ich bin sicher, wir werden gewinnen. Doch ob wir nun siegen oder verlieren – ich nehme euch alle hinterher mit zu McDonald’s, auf ein Happy Meal und ein Eis!«
    »Jaaa!«, riefen elf Stimmen zugleich.
    »Und jetzt ab nach Hause. Macht eure Schularbeiten.«
    »Buuuh!«
    Die Eltern lachten und lotsten ihre Kinder zu ihren Vans, Pick-ups und Pkws.
    »Zum Schluss hast

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