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Es geschah in einer Sommernacht

Es geschah in einer Sommernacht

Titel: Es geschah in einer Sommernacht
Autoren: Annie West
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1. KAPITEL
    Ronan Carlisle warf einen prüfenden Blick in die glamouröse Runde, die sich in der Empfangshalle des Hotels versammelt hatte. Eine Schlange wie Wakefield konnte doch unmöglich so viele Freunde haben!
    Nun, offenbar gab es immer noch genug Leute, die die Nähe der Reichen und Mächtigen suchten. Er selbst hatte zwar keine Zeit für solche Kriecher. Aber er musste ja auch nicht wie Wakefield ständig im Mittelpunkt stehen.
    Ohne auf die wunderbare Aussicht auf den Hafen von Sydney zu achten, schaute er dorthin, wo Wakefield inmitten seines Hofstaats posierte. Von dem Anblick wurde ihm schlecht. Am liebsten hätte er diesem Mann in sein eitles Gesicht geschlagen, aber das hätte ihn nur vorübergehend befriedigt.
    Bald schon würde Wakefield bekommen, was er verdiente. Sehr bald. Er selbst, Ronan Carlisle, würde dafür sorgen.
    Plötzlich war er aufgeregt. Heute Nacht würde er eine Bemerkung über ein angebliches Geschäftsvorhaben fallen lassen. Sicher würde Wakefield schon am nächsten Morgen anbeißen. Und dann würde er ihn in die Knie zwingen. Es war einfach, schonungslos und längst überfällig.
    Ronan lockerte seine Schultern, die sich steif anfühlten. Er wandte sich um und wollte gehen. Doch etwas in dem lauten, vollen Raum erregte seine Aufmerksamkeit: eine Frau, die so gar nicht hierher zu passen schien.
    Über die sorgfältig aufgetürmten Frisuren der Damen hinweg beobachtete er, wie sie sich vom Eingang auf die Menge zubewegte. Sie war allein. Im Gegensatz zu den Begleiterinnen, mit denen sich die meisten Männer hier schmückten, war sie unauffällig gekleidet. Eine Frau, die weiß, was sie will, dachte Ronan. Er sah es an dem geheimnisvollen Funkeln ihn ihren dunklen Augen und an ihrem entschlossenen Gang.
    Jetzt blieb sie stehen, schien einen der Gäste etwas zu fragen und ging dann in die andere Richtung weiter. Wakefields Richtung.
    Ronan beschloss, etwas länger zu bleiben.
    Irgendetwas sagte ihm, dass die Party gerade erst interessant wurde.
    Marina holte tief Luft. Während sie sich ihrem Ziel näherte, spürte sie eine Mischung aus Triumph und Panik in sich aufsteigen. Ihr Herz schlug schneller, und obwohl ihre Handflächen feucht waren, zwang sie sich, sie nicht an ihrem Rock abzuwischen. Gleichzeitig versuchte sie, ihre zittrigen Knie und das nervöse Magengrummeln zu ignorieren.
    Du schaffst das. Du musst da jetzt durch. Es ist deine letzte Chance.
    Am liebsten hätte sie sich ein Gläschen Mut angetrunken, aber sie brauchte einen klaren Kopf. Und Glück. Den Luxus einer Niederlage konnte sie sich nicht leisten, ihre ganze Zukunft und die ihrer Familie stand auf dem Spiel.
    Tapfer schob sie sich weiter durch die Menschenmenge, auch wenn sie sich völlig fehl am Platz vorkam. Als sie die neugierigen Blicke auf sich spürte, hob sie stolz den Kopf. Sie hatte eine wichtige Angelegenheit mit Charles Wakefield zu klären, und gar nichts, weder seine Ausflüchte noch ihre eigene Unsicherheit, würden sie davon abhalten. Bisher hatten seine Leibwächter sie immer abgewimmelt, aber heute Abend gab es für ihn keinen Ausweg.
    Als sie aufblickte, wäre sie vor Schreck beinahe gestolpert. Ein intensiver Blick aus dunkelblauen Augen schien sie bis tief in ihr Innerstes zu durchbohren. Ihre Kehle fühlte sich trocken an, als sie in das Gesicht eines fremden Mannes sah, der alle anderen Gäste um ein gutes Stück überragte.
    Sie hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Es war nicht Wakefield, das wusste sie von den Fotos in der Zeitung. Dennoch verwirrte sie die Art, wie dieser Mann sie mit seinem Blick fixierte, zutiefst.
    Das Partygemurmel drang kaum noch zu ihr durch. Stattdessen hörte sie das Blut in ihren Ohren rauschen. Der Blick des Fremden hielt sie in seinem Bann.
    Er hatte ein markantes, ausdrucksstarkes Gesicht, das weit mehr als nur gewöhnlich schön war. Durch seine Größe und die breiten Schultern wirkte er zudem überaus maskulin. Aber was Marina wirklich beeindruckte, war nicht so sehr sein Äußeres: Dieser Mann strahlte eine kaum zu bändigende Kraft aus, wie ein Raubtier auf der Jagd, und sie fühlte sich wie magisch davon angezogen.
    Kraftvoll. Lebendig. Stolz. Diese Worte schossen ihr durch den Kopf. Sie schluckte und kämpfte gegen die Hitze an, die in ihr aufstieg.
    Plötzlich hörte sie lautes Gelächter, von hinten schubste sie jemand. Sie hatte ihr Ziel fast erreicht.
    Wakefield stand am Fenster und lächelte das selbstsichere Lächeln, das zu ihm passte. Als

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