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Erst ich ein Stück, dann du - Ein Drachenfreund für Linus (German Edition)

Erst ich ein Stück, dann du - Ein Drachenfreund für Linus (German Edition)

Titel: Erst ich ein Stück, dann du - Ein Drachenfreund für Linus (German Edition)
Autoren: Patricia Schröder
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Das Gipfelabschmelzen
    Als Fumo an diesem Morgen die Augen aufschlug, hätte er sich am liebsten noch ein Stück tiefer in sein Erdloch gegraben und so getan, als ob es ihn gar nicht gäbe. Es war der letzte Wintertag im Drachenland. Der Frühling stand vor der Tür, aber auf den gezackten Gipfeln des Siebenfelsgebirges lag immer noch Schnee. Fumo wusste, was das bedeutete: Ihm stand die größte Blamage seines Lebens bevor. Er war in diesem Winter sieben Jahre alt geworden und durfte nun zum ersten Mal beim Gipfelabschmelzen mitmachen. Das war das größte Ereignis des Jahres und alle freuten sich darauf. Alle außer Fumo.
     
    Plötzlich polterte eine Stimme
    durch die Höhle.
    „Willst du nicht endlich aufstehen?“
    Oje! Das war Mama.
    Hastig klappte Fumo die Augen wieder zu.
    Er atmete ganz leise.
    Aber das half nichts.

    „Ich weiß genau, dass du nicht mehr schläfst“, sagte Mama und rüttelte ihn an der Schulter.
    Fumo blinzelte.
    „Ich glaube, ich bin krank“, murmelte er. „Mir ist kalt und meine Ohren tun schrecklich weh. Außerdem ist mein Hals ganz kratzig und …“
    „Papperlapapp“, sagte Mama. „Jeder Junge, der älter ist als sechs Jahre, hat an diesem Tag einen kratzigen Hals. Das ist schon seit Jahrtausenden so und wird auch immer so bleiben. Also hopp-hopp aus der Kuhle!“
    Widerwillig setzte Fumo sich auf.
    „Ist Papa schon wach?“
    „Natürlich“, sagte Mama. „Er hilft bei den Vorbereitungen. Das weißt du doch.“
     
    Klar, das wusste Fumo.
    Er gähnte und räkelte sich gründlich.
    Er wartete, bis Mama
    um die Ecke verschwunden war.
    Erst dann stand er aus seiner Erdkuhle auf.
    Fumo holte einmal tief Luft.
    Er blähte seine Nüstern
    und pustete mit aller Kraft.
    Aber es kam kein Feuer.
    Es kam wieder nur diese komische rote Soße.
    Sie tropfte aus Fumos Nasenlöchern,
    platsch-platsch, auf den Boden.
    Sie war auch nicht heiß,
    sondern bloß lauwarm.
     
    Seufzend ließ Fumo sich auf die Erde plumpsen. Eine dicke Träne kullerte über die schorfige grüne Drachenhaut. Er hatte schon so oft versucht, Feuer zu speien, aber bisher war immer nur diese schreckliche Soße aus seinen Nüstern geflossen.
    Damit würde er – und das war so sicher, wie Drachenpaste brodelte – nie und nimmer einen Gipfel abschmelzen können.
    Ein einziges Mal, vor drei oder vier Jahren, hatte er mit Papa darüber geredet.
    „Weißt du“, hatte der gesagt und Fumo dabei über den Kopf getätschelt. „Du bist eben jemand ganz Besonderer. Feuer speien können alle. Aber Soße spucken, das kannst wirklich nur du.“
    Klar, damit hatte er Fumo trösten wollen. Und vielleicht hatte Papa es sogar ehrlich gemeint. Das Problem war nur, dass es dem kleinen Drachen überhaupt nichts nützte. Fumo legte nicht den geringsten Wert darauf, besonders zu sein – nein, er wünschte sich nichts sehnlicher, als ganz genau so zu sein wie alle anderen Drachenjungen und -mädchen auch.
    „Ich kann da nicht mitmachen“,
    murmelte Fumo.
    „Die lachen sich ja schrott!“
    Total schrott.
    Doch es half nichts.
    Mama bestand darauf, dass er hinausging.
    Hinaus zu Fluxa, Findor, Fucha
    und Fauchur.
     
    Die waren alle gerade sieben Jahre alt geworden. Genau wie Fumo. Vor den Älteren hatte er nicht so viel Angst. Die kümmerten sich sowieso nur um sich selbst.
    Aber Fauchur, dieser Angeber! Wenn der die rote Soße sah. – Höllenfeuer!
    Das mochte Fumo sich lieber gar nicht vorstellen.

Im Tal
    Unterdessen rieb sich weit unten im Tal ein Junge den Schlaf aus den Augen. Linus streckte Arme und Beine aus und gähnte herzhaft. Dann schlug er die Felldecke zurück und schlüpfte in seine Sandalen.
    Die Sonne blinzelte durch den Vorhangspalt und kitzelte Linus auf der Nase, so als ob sie ihn aus dem Zimmer hinaus an die frische Frühlingsluft locken wollte.
    „Ich komm ja schon“, murmelte Linus.
    Er wusch sich das Gesicht in der Wassertonne und streifte sich seine Sachen über. Es war Samstag und am Wochenende schlief er immer etwas länger.

    Genau wie seine Eltern auch.
    Linus wuselte sich durch die Haare.
    Er stellte Teller und Becher,
    Früchte, Brot und den Milchkrug
    auf den schweren Holztisch.
    „Aufstehen!“, rief er.
    Er flitzte zum Bett der Eltern
    und zog die Decke zurück.
    „Frühstück ist fertig!“
     
    Linus wollte heute unbedingt zum See. Er lief in den Schuppen und kramte Papas Angelzeug aus der großen Holzkiste.
    „Was hast du denn vor?“, fragte Mama.
    Sie schnitt das Brot in Stücke und

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