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Ernstes Spiel (German Edition)

Ernstes Spiel (German Edition)

Titel: Ernstes Spiel (German Edition)
Autoren: Cherry Adair
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KAPITEL 1
    D anica Cross schob den Getränkewagen den engen Gang hinunter, zurück zur Bordstation. Die Kabine der 737 Maschine war wärmer als gewöhnlich, und sie blies im Gehen die Fransen aus der feuchtklebrigen Stirn. Als sie Drinks mit ausreichend Eiswürfeln austeilte, versicherte sie den Passagieren, dass das Problem mit der Hitze bald gelöst werden würde.
    Sie hatte eine Stunde zuvor die Beschwerden der Passagiere an den Kapitän weitergeleitet, aber konnte keine bemerkbare Abnahme der Temperatur feststellen, und die Gemüter fingen ebenfalls an sich zu erhitzen.
    Es war in Gottes Ermessen, Kapitän Marks war ein Arsch, aber sie bezweifelte er würde die Temperatur absichtlich so hoch belassen. Sie war keine fantasiebegabte Natur, und Danica hasste nur daran zu denken, aber etwas stimmte nicht. Sie hatte dieses nörgelnde Gefühl der Unruhe seit Flug 723 vor zwei Stunden aus Südamerika abgehoben hatte, und als die Zeit verging wurde es zunehmend intensiver.
    Mit einem leisen Seufzer der Erleichterung schob sie den Getränkewagen in die kleine Station und verriegelte ihn sorgfältig, dann zog sie ihre weiße Uniformbluse weg von der feuchten Haut am Rücken. Natürlich, sobald sie losließ, würde sich die Bluse wieder an ihre Form anschmiegen. Die Uniformen waren so formgerecht wie möglich, ohne die Bewegung wirklich einzuschränken.
    “Hast du diesem Monster Kid seinen neunundneunzigsten Apfelsaft gegeben?” fragte Angie Hotchner, als sie Danica ein kaltes Soda reichte.
    Wenngleich die erfahrenere Flugbegleiterin aussah, als wäre ihr genauso heiß wie Danica, so schien sie nicht besorgt zu sein. Danica versuchte die Schmetterlinge, die in ihrem Bauch Abheben und Landen übten, zu ignorieren. Mit einem gezwungenen Lächeln nahm sie das Getränk an und rieb die eiskalte Dose an ihrer Stirn. “Shh, jemand wird dich hören.” Sie lehnte sich mit dem Po gegen den Schrank hinter sich, als sie die Dose öffnete und trank.
    “ Als würden sie das Gequengel dieses Kindes über die letzten zehntausend Meilen nicht hören?” Angie verdrehte ihre Augen. “Oh, um nur manchen Eltern ein Stück meiner Meinung zu geben! Sind sie verdammt nochmal taub? Wo kommt ein Sieben-jähriger mit solchem Verhalten davon?”
    “Diese Hitze macht jedem zu schaffen.” Alle 148 Sitze waren mit schwitzendem Personal Präsident Palacios’ besetzt. Und einer dieser Passagiere war sein äußerst gelangweilter, sehr verzogener Sohn. Es war ein langer, sehr langer Flug von San Cristóbal nach Miami mit einem ausschließlich männlichen, alles abverlangendem, alle-Frauen-sind-Dienerinnen Kontingent von Macho-Trotteln, die sie sehnlich an Dinge wie Fallschirme denken ließen. Notausgänge. Taser. Wie auch immer, die Hitze gekoppelt mit den lauten Forderungen eines verschroben weinerlichen Kindes konnten keine Gemütslage anheben.
    Dani, Angie, und der erste Offizier, Jean Harris, waren die einzigen Frauen an Bord. Die Glücklichen. Der Crew war für den Trip von Miami nach Südamerika und zurück in nur 24 Stunden ein heftiger Bonus angeboten worden. Danica hatte ihr Auge auf eine nette, kleine Wohnung in Delray Beach geworfen. Gedanken an diesen Bonus ließen sie ihre Fassade behalten und sich in die Zunge beißen, während sie sich ihren Weg durch die Kabine arbeitete.
    “Er ist Präsident Palacios’ einziger,” fügte sie hinzu, als sie das restliche Soda hinunterschluckte und das eiskalte Brennen die trockene Kehle hinunter genoß. “Ich denke, der kleine Kerl ist gewohnt zu bekommen was er will.” “Ja?” Angie nahm einen Lippenstift aus ihrer Tasche und entfernte den Verschluß. “Wenn er mein Kind wäre, würde ich seinen arroganten, kleinen Hintern so schlimm versohlen, dass er sich nicht einmal zum Pipi machen hinsetzen könnte! Ist es Menopause, oder wird es heißer hier?”
    Danica warf die leere Dose mit erlernter Nonchalance in den Abfall. “Alle beschweren sich noch immer. Ich werde nochmals mit dem Kapitän sprechen.”
    “Möge die himmlische Macht mit dir sein.”
    Danica grinste als sie sich den Weg durch den Vorhang freischob und sich vor der Sicherheitstür zum Cockpit fand. Sie drückte den Summer und stand dann dort, mit dem Gefühl als würde jedes dunkle Auge ihr Hinterteil begutachten. Sollte zum Diät Soda gegriffen haben . “Macht schon, Leute, aufmachen,” murmelte Danica vor sich hin, während sie durch das Portal der Ausgangstür auf die verschwommenen Braun- und Grüntöne dreißigtausend

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