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Ermittlerpaar Moretti und Roland 02 - Suendenspiel

Ermittlerpaar Moretti und Roland 02 - Suendenspiel

Titel: Ermittlerpaar Moretti und Roland 02 - Suendenspiel
Autoren: Therese Philipsen
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Schatten huschten über die Wand. Hände legten sich auf seine Schultern und drückten ihn auf das einzige Möbelstück in der leeren Wohnung, einen Stuhl, der mitten im Raum stand.
    »Willkommen in der Hölle«, raunte es leise an seinem Ohr.
    Dann schrie er wie ein Tier, während sie ihn mit Klebeband an den Stuhl fesselten. Schicht um Schicht. Er versuchte noch einmal zu schreien, aber das Tape erstickte alle Geräusche und drohte auch ihm die Luft abzuschneiden. Er bekam Augenkontakt zu einem von ihnen in der Sekunde, bevor ihn der erste Schlag traf. Ihm wurde schwarz vor Augen, als ein zweiter folgte und ein stechender Schmerz durch seinen Kiefer schoss.
    »Du siehst übel aus«, sagte der andere, während sie ihren rituellen Tanz um ihn herum fortsetzten. Es folgten weitere Schläge in Bauch und Kiefer.
    Wieder und wieder trafen sie sein Gesicht, auch mit den Füßen traten sie jetzt auf ihn ein. Schließlich wurde die blaue Tasche geöffnet und der Inhalt ausgepackt. Ein breites Messer, eine Kneifzange und eine Säge.
    Er schwitzte und spürte das Brennen der salzigen Tropfen in seinen Augen. Er wandte sich auf dem Stuhl hin und her, aber sie waren überall. Ein weiterer Schlag traf sein Kinn, dann bekam er einen Tritt in die Rippen. Die Schmerzen durchzuckten seinen ganzen Körper.
    Als er die Augen schloss, tauchten die Bilder auf, und wie in einem Traum durchlebte er alles noch einmal.
    Er ist wieder auf der steinigen Piste, gemeinsam mit seinen Kameraden. Sie gehen hintereinander durch die Sonne. Die Hitze ist unerträglich. Er schaut hoch in den kahlen Himmel und hört in einem Baum einen Vogel singen. Das Geräusch erfüllt ihn mit Frieden, und er denkt, dass der Tag eigentlich ganz gut werden kann.
    Dann explodiert alles.
    Zwei Gesichter verschwinden in der riesigen Wolke aus aufwirbelndem Sand. Der Schweiß rinnt ihm über die Stirn, als er zu seinen Kameraden laufen will, aber er wird aufgehalten. Das Gebiet soll geräumt werden.
    »Es kann sein, dass da noch mehr Minen sind«, ruft sein Vorgesetzter.
    Er sieht zu, wie die Ingenieure den Boden absuchen, und ruft dabei unablässig nach seinen Kameraden, ohne eine Antwort zu erhalten. Dann hebt Dybvad plötzlich den Kopf und antwortet, aber von Kenneth kommt weiterhin kein Wort.
    Er versucht durch den Staub, der seine Augen quält, etwas zu erkennen. Jemand schreit, dass er sich hinlegen soll, und im gleichen Moment wird das Feuer auf sie eröffnet.
    »Wir müssen unsere Verletzten bergen«, brüllt jemand.
    Sie schießen auf die Feinde und kämpfen sich einen Hang empor. »High ground«, die höhere Lage gibt ihnen einen taktischen Vorteil, und sie können den Feind mit Artillerie und Mörsern bekämpfen. Der Hang markiert den Übergang zwischen dem grünen Flusstal und der Wüste, in der ihre Autos stehen.
    Sie erreichen die Anhöhe, und er blickt sich um und sieht, wie Kenneth und Dybvad in einen Helikopter getragen werden. Der Abstand zwischen den beiden Verletzten ist groß, damit Dybvad nicht sieht, dass für Kenneth jede Hilfe zu spät kommt.
    Als er die Augen wieder öffnete, war alles dunkel. Eine durchsichtige Plastiktüte war über seinen Kopf gezogen worden und legte sich bei jedem Atemzug auf seinen Mund.
    Einer von ihnen nahm die Säge, legte sie aber wieder weg und griff stattdessen zur Kneifzange.

1
    D as kleine, viersitzige Privatflugzeug kippte leicht zur Seite. Als sie in einer Höhe von viertausend Fuß waren, riss einer der beiden Passagiere die Tür auf und sah nach unten.
    Liv Moretti ließ ihren Blick zum Horizont schweifen und schaute zum Fjord, der sich hinter Frederikssund öffnete. Das Wetter war klar, und es war beinahe windstill. Perfekte Bedingungen, dachte sie, beugte sich vor und griff nach der zehn Zentimeter dicken Stange, die vom Flügel neben der Tür zum Rumpf des Flugzeuges führte. Dann schob sie sich bis etwa zur Mitte der dicken Stange nach draußen. Vier Kilometer unter ihren frei schwebenden Beinen lagen die rechteckigen, braunen Felder Nordseelands.
    Hier blieb Liv hängen, schaute zu dem Mann im Flugzeug hinein und ließ sich auf sein Kommando hin fallen.
    Im freien Fall dachte sie kurz, dass die Menschen doch wahnsinnig waren. Wie konnte man an einem derart wundervollen Tag wie heute nicht springen wollen. Nur sie hatte sich angemeldet. Dabei war das Wetter perfekt, Freitag der 13. hin oder her.
    Die Adern vollgepumpt mit Adrenalin schrie sie ihren Jubel hinaus. Sie erreichte eine Geschwindigkeit von mehr

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