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Erbe des Drachenblutes (German Edition)

Erbe des Drachenblutes (German Edition)

Titel: Erbe des Drachenblutes (German Edition)
Autoren: Monika Thamm
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Chance erhalten, wenn wir den Mut beweisen, danach zu greifen. Wir Runenleger glauben daran!«
    Sie zog ihren Umhang enger um den Körper. »Dann will auch ich daran glauben und hoffen. Prophezeiungen, Wahr- oder Weissagungen gibt es mehr als genug, aber nur die so genannte `Schicksalsprophezeiung´, die bereits vor Jahrhunderten von einem der obersten Elbengelehrten ausgesprochen wurde, spricht von dem einem Kind, was sich mit Liebe gegen den Hass stellt und dabei siegt.« Sie zitierte: » Das dreizehnte Kind wird den Ursprung seines Blutes suchen und das Schicksal aller finden. Die Wahl des Kindes entscheidet über Frieden und Veränderung. Wählt es falsch, kommt die Finsternis. Wo Hass einst die Basis schuf, kann Mitleid die Grundmauern erschüttern. «Sie zog die Kapuze wieder über ihr Haupt und wandte sich von den Runenlegern ab. »Ich bete täglich zu Gaia, dass ich für dieses ereignisreiche Jahrhundert stark genug bin und die richtigen Entscheidungen treffen werde.« Mit jenen Worten verließ sie den Raum, ohne sich nochmals umzublicken.

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1. Teil: Schicksalsfäden

Kapitel 1: Der Traum

    12 Jahre später – Heute, in einer anderen Welt … in unserer Welt

    »Und es ist jede Nacht derselbe Traum?«, fragte Janice verwundert. Mina nickte fast unmerklich. »Ja, und Nacht für Nacht kommt er mir realer vor.« Die 17-jährige Janice Schneider war Mina von Gabriels beste Freundin, obwohl sie zwei Jahre jünger als Mina war. Das strohblonde schulterlange Haar und die kleinen Lachgrübchen in den noch fast kindlich runden Wangen schmeichelten Janices Gesicht, genauso wie ihre leuchtend grünen Augen. Mina war fast einen Kopf größer als sie, aber genauso zierlich gebaut. Kaskaden von gewellten dunkelbraunen Haaren bedeckten Minas halben Rücken und umrahmten ihr fein geschnittenes Gesicht mit der filigranen Nase, dem sanft geschwungenen Mund und den leicht markanten Wangenknochen. Wasserblaue Augen, geprägt von einem wachen Geist, funkelten Janice entgegen.
    Charakterlich unterschieden sich die beiden Mädchen sehr. Janice strahlte Lebensfreude, aber auch ein starkes Selbstbewusstsein aus, was andere manchmal als Eitelkeit interpretierten. Sie war ein Mensch, der sich jeder Herausforderung ohne Zögern stellte und somit Probleme geradezu anzog. Wo Janice vor Leben und Dummheiten sprühte, bedachte Mina jede ihrer Handlungen oder Aussagen genau und galt als das Vorzeigestück der Vernunft. Janice liebte es, mit jedem gutaussehenden Jungen zu flirten. Mina wiederum wartete auf die große Liebe und hielt sich deshalb gerne zurück. Dennoch waren sie die besten Freundinnen und gingen gemeinsam durch dick und dünn. So kam es, dass manch einer sagte, dass die eine das hatte, was der anderen fehlte, und die beiden sich somit perfekt ergänzten. Heute aber stimmte mit Mina etwas nicht. Schon als sie zur Tür hereingekommen war, hatte Janice bemerkt, dass sie vollkommen übernächtigt wirkte. Zurzeit glich sie einer Marionette, deren Fäden durchtrennt worden waren und die sich nur noch durch das steife Holz ihrer Glieder aufrecht hielt. Schatten lagen unter ihren Augen.
    »Jede Nacht derselbe Traum, und das seit zwei Wochen«, wiederholte Mina etwas verspätet.
    Janice zuckte mit den Achseln. »Na ja, so was kann schon mal vorkommen. Man sagt, Träume seien der Schlüssel zum Unterbewusstsein. Die meisten Menschen verarbeiten in der Nacht, was sie am Tag erlebt haben. Bei dir wird es genauso sein. Man muss deinen Traum einfach nur richtig deuten.«
    Mina schaute sie an. »So einfach ist das nicht. Was ich da träume, habe ich noch nie erlebt. Nichts davon scheint einen Sinn zu ergeben.«
    Janice unterdrückte ein Stirnrunzeln. Ihre Freundin wirkte ungewöhnlich verstört, aber Mina sollte nicht merken, dass sie sich Sorgen machte. »Gut«, sagte sie zögerlicher, »gehen wir die Sache noch mal an. Erzähl mir deinen Traum.«
    Minas Augen leuchteten. Stockend begann sie zu sprechen: »Es ist Nacht. Ich liege in meinem Zimmer, und der Vollmond erhellt den ganzen Raum. Dann erwache ich ohne erkennbaren Grund und gehe zum Fenster. Dabei trage ich so ein altmodisches Baumwollnachthemd, das mir bis zu den Füßen reicht.«
    »So etwas hast du?«, entfuhr es Janice entsetzt, dann kicherte sie. Mina winkte nur ab. »Ich schaue aus meinem Fenster und …« Sie zögerte. »Was siehst du?«
    »Ich sehe unseren Garten, den dahinterliegenden Bach und die kleine Allee mit den Birken. Alles sieht genauso aus wie immer.

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