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Engel beißt man nicht! (German Edition)

Engel beißt man nicht! (German Edition)

Titel: Engel beißt man nicht! (German Edition)
Autoren: Joy Fraser
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Prolog
     
    Gabriel, seines Zeichens altehrwürdiger Erzengel, kämpfte gegen ein Gähnen, das die Oberhand gewinnen wollte, und schließlich siegte. Er zog den schwarzen Talar enger um seinen menschlichen Inkognito-Körper und blickte in den wolkenverhang e nen Himmel, der gänzlich unbeteiligt am Geschehen, wie immer keinerlei Zeichen der Einm i schung in irdische Angelegenheiten zeigte, während sich die Frau auf dem Scheiterhaufen i h ren Rachegelüsten ergab.
    Die Hexe brannte.
    Und es amüsierte sie.
    Blitze zuckten und Donner durchbrach die Stille der gebannten Zuschauer. Wolken jagten widernatürlich eilig über den Himmel und schäumten, den aufwa l lenden Blasen einer kochenden Suppe gleich. Die zitternde Menge duckte sich, als erwarte sie Kugelblitze über ihren Köpfen. Gabriel kam nicht umhin, das schauspielerische Talent seines Widers a chers seit Äonen zu bewundern.
    Ein kleiner Fluch wäre angemessen, dachte er.
    „Ich verfluche euch alle und sehe euch in der Hölle wieder“, schrie die Hexe prompt und lachte erneut infernalisch.
    Gabriel grinste.
    „Im besonderen den kleinen fetten Mönch dort hinten“, rief sie und starrte mit glühendem Blick in Gabriels Richtung.
    Warum musste sie immer gleich beleidigend werden?
    Die Menge raunte und sah sich nach ihm um.
    Mit einer fließenden Handbewegung setzte er den Fluch in den Gehirnen der umstehenden Menschen außer Kraft, als sei er niemals ausg e sprochen worden.
    Der Wind heulte auf, man konnte angesengtes Haar riechen , und Gabriel erwartete insgeheim, sie würde sich zur Krönung der gelungenen Vorstellung in ein schauerliches U n tier verwandeln, das wirkungsvoll f lammenumlodert über den Hügel floh. Die Menschen des Achtzehnten Jahrhunderts liebten dämonische Spezialeffekte.
    Doch der Widersacher blieb bei seiner gewählten Erscheinung einer jungen und durchaus nicht unansehnlichen Frau, deren einzige Dämonenhaftigkeit in den glutroten Augen lag, die bei der verängstigten Menge nachhaltig für Albträume so r gen wollten .
    Die Flammen schossen in die Höhe und verwehrten den Blick auf den Dämon, der inzw i schen verstummt war, oder bereits auf dem Weg zu seinem Ursprung, den tiefsten Abgründen der Hö l le.
    Der Kampf war vorbei, für den Moment zumindest . Gabriel machte sich auf den Rüc k weg in sein abgeschiedenes Kloster, wo ihn Bruder Markus mit einem heißen, alkoholhaltigen G e tränk erwartete, das zur Feier des Tages angemessen erschien.
    Einst verkündete Gabriel bedeutende Ereignisse wie : Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen … , was es sogar in den Weltbestseller Die Bibel schaffte, aber das war lange her. Solche Aufträge waren selten geworden.
    Doch heute hatte d ie Abteilung E.M.L. (Erzengel gegen die Mächte Luzifers ) zumindest wieder einen Sieg über das Böse errungen. Eine Belobigung vom Chef war ihm sicher.
     
     
     
     

*
     
    Die Transportkiste aus Frankreich stand vor Sienna . Sie strich sich ein paar Locken hinters Ohr und genoss das Gefühl der kindlichen Aufregung, das sie immer wieder packte, wenn der Anblick eines Gegenstandes aus längst vergangenen Zeiten bevorstand. Antiquitäten faszinierten sie leidenschaftlich, auch wenn sie selbst als eine solche durchging.
    Zehn Jahrhunderte hatte sie vorbeiziehen sehen. Menschen vergingen, während die materielle Welt überdauerte. Relikte zerbrachen, kostbare Stücke verschwanden spurlos, doch Sienna hatte ein Gespür , sie wiederzufinden. Seit der Mensch Altes sammelte und bereit war , ein Vermögen dafür auszugeben, ging sie dem Beruf des Antiquitätenjägers nach. Es hatte sie reich gemacht. Das Auktionshaus Pierce & Jones in London war eine gute Einnahmequelle.
    Mit routinierten Handbewegungen hebelte sie die lange Transportkiste auf, setzte zweimal ab, um einen Schluck edlen Weißweins zu trinken, und legte das Werkzeug zur Seite. Zerrupfte Holzwolle bedeckte das Artefakt.
    In Siennas Bibliothek herrschte gedämpftes Licht. Sie ging zur Tür und drehte den Dimmer auf m aximum. Nun war es hell wie in einem Labor. Die deckenhohen Bücherwände und der schwere Eichentisch in der Mitte wirkten auch bei diesem Licht anheimelnd gemütlich.
    Sienna hob den Gegenstand aus der Holzwolle und hielt ihn hoch, wie einst gottesfürchtige Menschen ihren Erstgeborenen dem Himmel darboten. Freude flutete ihren Körper. Geschafft.
    Sie hatte das Schwert Vlads gefunden, Vlad dem Pfähler, besser bekannt

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