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Elfriede im Salon (German Edition)

Elfriede im Salon (German Edition)

Titel: Elfriede im Salon (German Edition)
Autoren: Henry Milk
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Vollblutjournalisten nützlich sind. Mit anderen Worten: Er nutzte seine Ellbogen, um sich aufzustützen.
    Wenn wir nicht viel beziehungsweise gar nichts über die Ehe von Professor Hügel gesagt haben, so soll an dieser Stelle nicht unerwähnt sein, dass Dr. Schwarz praktisch keine Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht gemacht hatte. Zum einem lag das an seiner Schüchternheit, zum anderen daran, dass er in jungen Jahren geglaubt hatte, sich mehr dem männlichen Geschlecht hingezogen zu fühlen. Dies stellte sich irgendwann als fataler Irrtum heraus, vielleicht war es auch nur eine Laune der Natur, die ein heftiges - quasi inverses - Coming-out hervorbrachte. Fort an fühlte er sich auf heftigste Weise zu jüngeren Frauen hingezogen, nur war es zu spät für ihn, seine Neigung auszuleben . Nicht nur seine moralischen Überzeugungen verboten ihm, seine Neigung mit jüngeren Prostituierten auszuleben, sondern letztendlich, so dachte er, ginge von der Prostituierten ein natürliches Moment der Abstoßung aus, da der Körper der Prostituierten ihn, seinen Körper nicht wollen konnte und er stellte sich vor, dass er sich dem Nicht-Wollen anpassen würde. Insofern würde der Verlauf des heutigen Abends für ihn besonders heikel werden und er hatte sich, als Robert Unmuth den Vorschlag auf den Tisch brachte, gegen diesen zuerst vehement gewehrt, ließ sich aber nach heftiger Überzeugungsarbeit seitens Robert Unmuth umstimmen. Skeptisch blieb Professor Hügel, der nur halbherzig zugestimmt hatte.
     
    Elfriede hatte auch ihre Befürchtungen. Deshalb war sie ja trotz ihrer Freistellung heute im Salon. Sie fühlte sich verantwortlich für ihre Diskutanten und würde es nicht zulassen, dass man diese über den Tisch ziehen würde. Notfalls würde sie es dieser angeheuerten Schlampe zeigen, und wenn es sein musste mit ihrem eigenen Körper. Vielleicht umtrieb sie ein jugendlicher Idealismus, auf ihre weltfremden Philosophen aufzupassen und im Fall der Fälle diesen eine Schulung in Erotik zu verpassen. Ratlos, aber trotzdem selbstbewusst und auch leicht amüsiert stand sie dem Unterfangen ihrer alten Leutchen gegenüber. Mit nichts scherte sie sich um die Konsequenzen ihrer heutigen Anwesenheit.
     
                                              - 3 -
     
     
    Robert Unmuth war in der Welt rumgekommen. In jungen Jahren hatte er einmal Theologie und vergleichende Religionswissenschaften studiert, hatte aber seine Studien nie zu Ende geführt. Eine nicht unerhebliche Erbschaft, aber auch stärkere Zweifel am Katholizismus, verhinderten, dass er katholischer Priester oder Mönch wurde. Statt dessen wurde er Weltenbummler und hatte sich auf mehreren Kontinenten herumgetrieben. Südamerika, Indien, Südostasien und Afrika hatte er kennengelernt. In früheren Jahren hatte er auch unzählige Frauen jener Länder aufgesucht und hatte diese an seiner Erbschaft teilhaben lassen. Versuche, seine Reiseerlebnisse in Bücher zu fassen, scheiterten. Er hatte sich an einem Roman und mehreren Reiseberichten versucht, fand aber keinen Verleger oder kümmerte sich vielleicht zu wenig darum, einen zu finden. Nun, er hatte es nicht nötig einen Verleger zu finden, da das Geld seiner Erbschaft reichte, bis zu seinem Lebensende die Welt bereisen zu können, ohne dabei in die billigsten Hotels absteigen zu müssen. Das Geld reichte auch, um damit zeitweise brasilianische, marokkanische, nigerianische oder thailändische Prostituierte auszuhalten. Ihn hatte es nie interessiert, eine Familie zu gründen oder einer interessanten Arbeit nachzugehen, ebenso wenig hatte er den Ehrgeiz, Schriftsteller zu sein und das wenige, dass er in seinem schon recht langem Leben geschrieben hatte, entstand aus einer Laune.
    Man würde Robert Unmuth allerdings nicht gerecht, ihn als oberflächlichen Playboy zu bezeichnen, obwohl das bisher gesagte diesen Schluss zulässt. Er wollte leben, erleben und die Welt, in die er hineingeworfen war, kennenlernen, statt an einem festen Platze zu leben und zu arbeiten. Er las sehr viel und das tat er lieber, als zu schreiben. Wer wollte ihm vorwerfen, dass er nicht arbeiten musste? Irgendetwas hatte ihn veranlasst, vor mehr als zehn Jahren sein Weltenbummlersein aufzugeben und sich hier in der Stadt niederzulassen. Er hatte sich ein größeres Haus gekauft, dessen Etagenwohnung er bewohnte, machte hin und wieder Ausflüge in die Umgebung und manchmal zog er sich für ein paar Wochen (im

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