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Elfenzeit 12: Ragnarök - Schartz, S: Elfenzeit 12: Ragnarök

Elfenzeit 12: Ragnarök - Schartz, S: Elfenzeit 12: Ragnarök

Titel: Elfenzeit 12: Ragnarök - Schartz, S: Elfenzeit 12: Ragnarök
Autoren: Susan Schartz
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»Windzeit, Wolfszeit, eh die Welt zerstürzt.«
Völuspa
1 Der Attentäter
    Also dann
, dachte der dickliche alte Gott,
zurück an den Ursprung des ganzen Dilemmas
.
    Beim ersten Mal hatte es nicht geklappt. Bandorchu hatte ihn in Fanmórs Lager geschickt, damals im Krieg, und sein Anschlag war misslungen. Daraufhin hatte der Herrscher von Earrach ihn verflucht und mit einem Boon belegt, der Gofannon jedes Mal bei Betreten der Menschenwelt zwang, in einen Attentäter zu schlüpfen und ihn den Mord ausführen zu lassen. Außerdem hatte er den Panzer um Gofannons Herz zerstört. Nun war er in der Lage, Schmerz zu empfinden, zu zweifeln und andere zu fürchten. Obwohl er ein Gott war.
    Er machte sich keine Illusionen, was für ein armseliges Wesen er inzwischen geworden war. Immer noch ein Gott, doch ohne Rückgrat. Er küsste seiner angebeteten Königin die Füße, und sie bedankte sich mit Tritten dafür. Ins Exil war er ihr freiwillig gefolgt, weil er auf ihre Gunst hoffte, die ihm nie zuteilwurde. Sondern Folter und Verachtung.
    »Eine Chance bekommst du noch«, hatte der Getreue ihn vor wenigen Augenblicken angezischt, »dann sei dir der Anschlag auf mich vergeben. Und nicht nur das, ich werde dir vielleicht eine Privataudienz bei der Königin verschaffen.«
    Das war letztlich der Ausschlag gewesen, der Gofannon mit Eifer vorantrieb. Eine Privataudienz bei Bandorchu! Dort mochte er sich endlich beweisen, und sie würde ihn wahrnehmen als der, der er wirklich war.
    Was kümmerte es ihn, warum der Getreue sich auf einmal so milde zeigte? Sicher war es merkwürdig, und es bedeutete wahrscheinlich, dass dem Vermummten selbst etwas gehörig misslungen war und er nicht wollte, dass die Königin davon erfuhr. Aber Gofannon würde dafür nie Beweise erhalten, um sie Bandorchu zu zeigen und sich ins rechte Licht zu rücken. Also nahm er lieber das Angebot an, hatte den Getreuen vom Hals und … bekam eine Privataudienz!
    Ach ja
… Der Gott versank in Schwärmereien, noch bevor er aufgebrochen war, als sei der Auftrag schon erledigt. Aber es musste ihn zwangsläufig ablenken, seinem ersehnten Ziel nach über tausend Jahren endlich näher zu kommen.
    Vergnügt pfeifend und hoch erhobenen Hauptes marschierte er aus dem Schloss. So hatten die Elfen ihn noch nie erlebt. Er achtete nicht darauf; mochten sie doch denken, was sie wollten.
    »Wohin des Weges, alter Knabe?«, erklang eine schrille Stimme.
    Gofannon verwünschte sich im Stillen. Er hätte einen Hinterausgang nehmen und sich klammheimlich verdrücken sollen. Es war unvermeidlich, dem Kau zu begegnen, seinem aufgezwungenen Leidensgefährten seit so langer Zeit. Hass und Druck hatten sie aneinander gekettet, nun aber waren sie frei.
Gofannon
war frei, er konnte jederzeit anderswo hingehen, wenn … ja, wenn Fanmórs Fluch nicht wäre. Manchmal war der alte Gott geneigt, das Leben eines Attentäters der ständigen Erniedrigung vorzuziehen. Bis zu dem Moment, an dem er die anbetungswürdige Gestalt der Dunklen Königin erblickte …
    »Was willst du?«, fragte er unwirsch den dürren kleinen Elfen mit den langen haarigen Ohren, die über die rote Kappe hinausreichten.
    »Du tust so wichtig.« Der Kau kicherte. »Sag‘ deinem alten Kumpel, was los ist! Wir haben doch alles miteinander geteilt.«
    »Erinnere mich besser nicht daran«, versetzte Gofannon. »Halte mich jetzt nicht auf, ich habe einen Auftrag.«
    »Du hast …
was?
«, spottete der Kau. »Sag bloß, du sollst bei den Menschen wieder den Attentäter spielen?«
    »Nein.«
    »Aber was bleibt dir sonst?«
    Gofannon hatte genug. Er packte den Elfen vorn am Kragen, zerrte ihn hoch und nah zu sich. »Hör zu«, drohte er mit dem ihm verbliebenen Rest seiner tief hallenden Gottesstimme, »ich habe genug von dir, verstanden? Das Schattenland existiert nicht mehr, und ich bin frei. Ich tue, was mir beliebt, und du gehst mir ab sofort aus dem Weg, oder ich werde mein nächstes Attentat an
dir
verüben!«
    Der Kau erzitterte, aber seinen dreisten Schneid hatte er noch lange nicht verloren. »Das bekäme dir schlecht, schließlich arbeite ich für den Getreuen!«
    »So wie ich«, knurrte der Gott. »Und jetzt scher dich weg, du Wicht. Ich bin deiner überdrüssig.« Er schleuderte den Kau von sich. Mit einem Aufschrei flog das Wesen durch die Luft und landete auf einem Zentauren, der soeben zum Schwerthieb gegen einen Übungsgegner ansetzte. Der Streich ging daneben, der Gegner konnte die Abwehr nicht mehr bremsen und

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