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Elf on Earth – Elfe Auf Erden

Elf on Earth – Elfe Auf Erden

Titel: Elf on Earth – Elfe Auf Erden
Autoren: Anja Thieme
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Five
    Vor ihnen trödelte ein Kleinwagen auf der linken Spur der Autobahn. Thomas setzte den Blinker und schaltete die Klimaanlage ein. Eivyn kicherte klingelnd, es gefiel ihr, wie der kühle Luftzug ihre Haare durcheinanderbrachte. Flugs sprang sie von der Mittelkonsole auf den Automatikknüppel und setzte sich rittlings auf den breiten Griff.
    “Yeeeha!”, rief sie und warf ein unsichtbares Lasso nach Thomas aus. Er warf nur einen strafenden Blick zurück.
    “Keep quiet! I’m driving a car.” Seine Bewusstseinstörung stellte sich wieder hin und balancierte den Knüppel entlang. “Sorry, it feels like we → are on horseback .” Eine Weile schwiegen beide, dann jedoch murmelte Eivyn etwas und färbte das Cockpit versuchsweise lila, schüttelte den Kopf und gab ihm seine ursprüngliche Farbe zurück. Thomas kniff die Augen zusammen.
    “Do you want to prove to me that I’ve gone → stark raving mad ? I know that already.”
    Eivyn verschränkte zunächst beleidigt die Arme über der Brust, betrachtete dann aber nachdenklich Thomas’ angespannte Miene. “You’re nervous about seeing your family”, stellte sie fest. “I’m → curious to know why?”
    “I’m not quite sure”, murrte Thomas abgelenkt. Dieser Kleinwagen vor ihnen ging ihm auf die Nerven. Anscheinend hatte der Fahrer immer noch nicht bemerkt, dass er den Verkehr aufhielt. Thomas zog am Hebel der Lichthupe.
    “I just can’t wait to meet the boy”, gab Eivyn zu.
    “The boy – my son – is nearly 17.”
    “Oh! You started incredibly early”, sagte Eivyn ungerührt.
    “Maybe”, meinte Thomas ausweichend, und endlich wich auch der Kleinwagen mit einem hektischen Satz nach rechts.
    “Humans feel much stronger than they really are when they are young, right?”
    Thomas nickte spontan – und fragte sich, warum. Vielleicht, weil aus den Worten des Leuchtens eine gewisse Milde herauszuhören war.
    Er musste an Dr. Degenhardt denken. Prompt fühlte er sich fürchterlich.
    “What’s up?”, fragte Eivyn. “Did I say the wrong thing? You’re upset.”
    “It’s not your fault. I was thinking about my analyst. He always → blames me for being a workaholic and calls me → selfish – but it wasn’t just → ambition that made me work hard. I wanted to keep my family safe. Sylvia and I had been friends since school. I felt → responsible and I never wanted to ruin our relationship.” Er lächelte bitter – vielleicht, weil diese Erkenntnis neu war, sich aber nicht neu anfühlte.
    “What happened?”, fragte Eivyn betroffen. “Friendship seems a good basis for a marriage.”
    “It wasn’t in our case”, sagte Thomas knapp. “We knew each other too well and after a few years we → got bored to death with each other.”
    “You should let her know that you still care about her”, sagte Eivyn.
    “Do I?”, fragte Thomas aufgebracht.
    “Yes, there is a feeling of connection in your mind”, gab Eivyn mit energischem Kopfnicken zurück. “What about your son? What does he think about you?”
    “I don’t know”, gab Thomas zu. “He wants to be a professional actor and he is very good at playing roles. If he doesn’t want you to know the truth, you’ll never find out what he’s thinking. If I were him, I would → probably call myself a → traitor .” Eivyns Gewand färbte sich unkengrün.
    “How sad”, sagte sie betrübt.
    Wenig später fuhr Thomas Renneberg von der Autobahn ab und lenkte den Wagen in ein Wohngebiet am Bonner Stadtrand. Es gab dort noch ehrwürdige Patriziervillen und Botschaftsanwesen in parkähnlichen Prachtgärten, die liebevoll in Schuss gehalten wurden. Zum Stadtrand hin wurden die Häuser bescheidener, es gab einen großen Spielplatz, und in jeder zweiten Einfahrt parkte ein Van. Hier lebten viele Familien mit Kindern.
    Sie hielten vor einem dunkelrot verklinkerten Altbau. Der hölzerne, weiße Carport war von Wein berankt, Bodendecker säumten die Einfahrt, und in jedem Beet gab es etwas Besonderes zu entdecken, eine Kugel, einen kleinen Vogel aus Ton oder einen besonders schönen Findling. Auf einem gelb bemalten Stein neben dem Eingang saß eine kleine tönerne Elfe, die auf das Haus zeigte. Thomas wühlte in seinen Taschen, um den Hausschlüssel zu suchen, bis ihm wieder einfiel, dass er ihn schon vor zwei Jahren abgegeben hatte. Eivyn rannte an seinem Arm empor und sprang in die Brusttasche seines Sakkos. Für einen Augenblick ragte ihr Haar genauso hinaus, wie es ein Ziertuch getan

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