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Elbengift: Die Zwerge Von Elan-Dhor 1

Elbengift: Die Zwerge Von Elan-Dhor 1

Titel: Elbengift: Die Zwerge Von Elan-Dhor 1
Autoren: Frank Rehfeld
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Prolog
    Stimmen drangen vergänglichen Schatten gleich durch die Unendlichkeit, wurden leiser, verloren sich, zerfaserten und verhallten schließlich im Nichts, bis kurz darauf neue erklangen. Jedenfalls dachte das Wesen dies zunächst, bis es irgendwann plötzlich erkannte, dass es sich eigentlich nicht um Stimmen, sondern um seine eigenen Gedanken handelte.
    Die Erkenntnis löste Erschrecken in ihm aus, eine Empfindung, die es bisher noch nie gespürt hatte, von der es nicht gewusst hatte, dass es dazu fähig war. Es hatte nicht einmal geahnt, dass es überhaupt zu Empfindungen fähig war. Jedenfalls konnte es sich nicht erinnern, jemals zuvor welche verspürt zu haben. Es konnte sich nicht erinnern, dass es überhaupt jemals etwas anderes gekannt hatte als die Unendlichkeit um sich herum, durch die es trieb, angefüllt mit allen nur erdenklichen Farben und voller seltsamer Formen, die immer wieder zerflossen und sich neu bildeten.
    Und den Stimmen.
    Die Stimmen waren da gewesen, seit es sich erinnern konnte, ohne dass es ihnen jemals bewusst gelauscht hatte. Nun jedoch hatte sich etwas verändert, und es begriff, dass es bereits zuvor etwas gefühlt hatte, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein, weil das Gefühl bislang einfach ein vertrauter Teil seiner Existenz gewesen war. Die Stimmen waren beruhigend gewesen, hatten es mit der tröstlichen Einbildung erfüllt, dass andere bei ihm waren, obwohl es ihnen noch nie begegnet war.
    Nun jedoch war diese Illusion ausgelöscht, und das Gefühl von Einsamkeit brach mit erbarmungsloser Gewalt über es herein. Es begriff, dass es in Wahrheit allein war, dass es vollkommen für sich durch die Endlosigkeit trieb. Das Erschrecken darüber steigerte sich zu Entsetzen und wurde immer stärker, bis es nicht einmal mehr klar denken konnte und selbst die vermeintlichen Stimmen verstummten. Aber der Aufruhr in seinem Inneren übertrug sich auf seine Umgebung. Die Farben wirbelten wild durcheinander und vermengten sich, die Formen zerflossen und bildeten sich neu, zumeist zu bedrohlich erscheinenden, deformierten Gebilden, die sich gleich darauf wieder auflösten und erneut andere Gestalt annahmen.
    Einsam.
    Allein.
    Treibend in der Unendlichkeit.
    Unfähig, etwas anderes zu tun, als nur zu sein.
    In ihm herrschten nichts als Chaos, Schrecken und Angst. Es wusste nicht, wie lange es gefesselt von seinen Empfindungen einfach nur so dahintrieb, da Zeit hier keinerlei Bedeutung besaß, bis sich auf einmal etwas änderte.
    WER BIST DU?
    WAS BIST DU?
    Verwirrung mischte sich unter die Empfindungen, die es erfüllten. Die Stimme entsprang nicht ihm selbst, war kein bloßer Widerhall seiner Gedanken, dennoch begriff es erst mit Verzögerung, dass sie tatsächlich von außen zu ihm drang und was das bedeutete.
    Gerade noch hatte es die Erkenntnis der allumfassenden Einsamkeit in tiefste Verzweiflung gestürzt, doch sie traf nicht zu.
    Es war nicht allein!

1
DIE FROSTSPINNE
    Dezember 9424 neuer Zeitrechnung der Elben
    Frostige Böen fauchten den Reitern einen Willkommensgruß entgegen, als sie den Kamm des Felsgrates erreichten, der ihnen bislang notdürftig Schutz vor dem eisigen Wind geboten hatte. Es wäre für Lhiuvan einfach gewesen, sich genau wie seine Begleiter durch Magie vor der Kälte und dem Sturm zu schützen, doch im Gegensatz zu ihnen hatte er darauf verzichtet und lediglich um sein Pferd einen entsprechenden Zauber gewoben. Er mochte die Unbilden der Natur, selbst den rauen Biss des Windes, der ihm wie eine Kampfansage Schneefäuste entgegenschleuderte und die ungeschützte Haut seines Gesichts prickeln und brennen ließ.
    Zumindest an diesem Tag.
    Der Schnee stach wie mit Millionen winziger Nadeln auf sein Gesicht ein, aber er begrüßte den Schmerz, denn er zeigte ihm, dass er noch lebendig war. Ein Gefühl, das er in letzter Zeit viel zu selten verspürt hatte. Kälte und Schnee waren wie ein Feind, dem er sich zum Kampf stellen wollte , dem er nicht ausweichen und von dem er sich nicht niederringen lassen würde.
    »Wie weit wollt Ihr die Patrouille noch ausdehnen?«, fragte einer der Elbenkrieger, die ihn begleiteten. Er musste schreien, um sich durch das Brüllen des Sturms verständlich zu machen. »Die Frostspinne entfernt sich vom Tal und stellt schon längst keine Gefahr mehr dar.«
    Ein anderer deutete auf die kaum noch erkennbaren Vertiefungen im Schnee vor ihnen.
    »Ihre Spur ist schon jetzt fast zugeweht, und in ein, zwei Stunden wird es dunkel. Spätestens

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