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Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)

Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)

Titel: Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)
Autoren: Bärbel Wardetzki
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Geborgenheit und Wohlbefinden können sich vorübergehend einstellen, sind aber keine stabile Größe, weil immer die Angst lauert, dem eigenen oder fremden Anspruch doch nicht zu genügen. Diese Menschen werden im klinischen Zusammenhang als »narzisstisch« bezeichnet oder man schreibt ihnen eine »narzisstische Persönlichkeitsstörung« zu. Mit dieser Diagnose sollte man jedoch vorsichtig umgehen, da sie nicht nur umstritten, sondern auch kulturspezifisch ist. Das drückt sich darin aus, dass sie in der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD) nicht enthalten ist. Deshalb scheint es sinnvoller, von einem narzisstischen Persönlichkeitsstil bzw. von narzisstischen Persönlichkeitszügen zu sprechen. In diesem Sinne verwende ich die Begriffe narzisstisch und Narzisst in diesem Buch.
    Narzissten sind in diesem Verständnis Menschen, die Probleme haben, ihr Selbstwertgefühl zu regulieren und sich stattdessen in überhöhte Größenphantasien oder in die Verschmelzung mit einem idealisierten Anderen retten, die auf nur wenig positiven Narzissmus im Sinne von Eigenliebe und Selbstwert zurückgreifen können und die in übersteigertem Maße auf äußere Bestätigung angewiesen sind, um sich wert zu fühlen.
    Es werden zwei narzisstische Typen oder Reaktionsmuster unterschieden: der offene (oder grandiose, unbeirrte und dickhäutige) und der verdeckte (oder minderwertig-depressive, hypervigilante und dünnhäutige) Narzisst. Der offene Narzisst ist charakterisiert durch Dominanzstreben, Misstrauen, Arroganz und Aggressivität, Egozentrismus, Überheblichkeit und geringe Wahrnehmung der Reaktionen anderer. Er macht sich zum »Sender«, von dem alle Information ausgeht, hört aber schlecht zu und nimmt kaum auf, was andere sagen. Den verdeckten Narzissten zeichnet dagegen eine hohe »Empfängerqualität« aus. Das bedeutet, dass er sorgfältig zuhört, um Anzeichen von Kritik und Ablehnung zu registrieren. Er ist höchst sensibel gegenüber den Reaktionen anderer und vermeidet, im Zentrum zu stehen. Ihn prägen Empfindlichkeit, Gehemmtheit, Depressivität, Scham und Gefühle von Demütigung.
    Diese beiden Formen der narzisstischen Ausprägung entsprechen im Wesentlichen dem männlichen und weiblichen Narzissmus, wie ich ihn in meinem Buch Weiblicher Narzissmus beschrieben habe. Männlich und weiblich heißt nicht unbedingt, dass nur die Frauen dem verdeckten und die Männer dem offenen Narzissmus zuzuordnen sind. Nein, beide können jede Form einnehmen. Aber die Mehrzahl der Frauen zeigt eine weibliche, die Mehrzahl der Männer eine männliche Form des Narzissmus.

Fragen zur Selbstreflexion
    Hier einige Fragen zur Selbstreflexion. Es handelt sich nicht um einen Narzissmus-Test, sondern um das Erfragen von Tendenzen, wie Sie sich in Beziehungen fühlen und verhalten. Die Fragen sollen Ihnen keine Diagnose vermitteln, sondern Ihnen mehr Bewusstheit für Ihre Reaktionsweisen und Empfindungen geben.
    1. Sie haben ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden

    2. Ihr Verhalten und Ihre Einstellung in Beziehungen

    3. Ihre Reaktion auf Versagen, Kritik und fehlende Bestätigung

    4. Ihre Fähigkeiten, Ihr Selbstwertgefühl zu regulieren

    Da es sich hier nicht um einen offiziellen Test handelt, gibt es auch keine allgemeingültige Auswertung. Sie können jedoch Tendenzen Ihres Verhaltens und Erlebens erfassen. Sollten diese Tendenzen nicht Ihren Vorstellungen entsprechen und womöglich auf Schwierigkeiten hinweisen, haben Sie einen Anhaltspunkt für Veränderungsmöglichkeiten.
     
    Zu Punkt 1: Haben Sie hauptsächlich »stimmt nicht«-Antworten, dann tendieren Sie zu einem geringen Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden in Beziehungen.
     
    Zu Punkt 2: Haben Sie hauptsächlich »stimmt«-Antworten, dann tendieren Sie zu einer eher negativen Einstellung in Beziehungen. Außer Sie haben der ersten und letzten Frage zugestimmt.
     
    Zu Punkt 3: Die Tendenz zu einer hohen Kränkbarkeit und dem Gefühl der Ablehnung zeigt sich an vielen »stimmt«-Antworten.
     
    Zu Punkt 4: Viele »stimmt«-Antworten zeigen die Tendenz, dass Sie Ihr Selbstwertgefühl nicht so gut regulieren können.

4. Narzisst und Komplementärnarzisst
    Narzisst und Komplementärnarzisst gehören zusammen wie Sonne und Schatten. Sie finden sich als Beziehungspartner, ohne zu ahnen, wie ähnlich sie sich sind, denn nach außen hin wirken sie völlig unterschiedlich.
    »Der Komplementärnarzisst ist im Grunde auch narzisstisch strukturiert,

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