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Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)

Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)

Titel: Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können (German Edition)
Autoren: Bärbel Wardetzki
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Selbstwertgefühl. Insofern ist jeder Mensch narzisstisch, da er sich nicht der Abhängigkeit von anderen oder dem Wunsch nach Anerkennung entziehen kann. Auch deshalb nicht, weil eines der Grundbedürfnisse des Menschen die Selbstwerterhöhung ist. Das führt dazu, dass wir Situationen und Menschen suchen, die diesen Wunsch erfüllen. Gelingt uns das, resultiert daraus ein idealer Zustand von Wohlbefinden, Sicherheit und Geborgenheit. 3
    Wir fühlen uns gut und in diesem Sinne positiv narzisstisch. Wohlbefinden stellt sich ein, wenn die positiven Aspekte des Selbstwertgefühls die negativen Aspekte überwiegen. Fühlen wir uns schlecht, minderwertig oder sind wir gekränkt, dann versuchen wir, ein Gleichgewicht unserer Selbstempfindung wiederherzustellen.
    Diese Regulation des Selbstwertgefühls ist die zweite Bedeutung von Narzissmus.
    »Eine der wichtigsten Funktionen des Selbstsystems ist die Aufrechterhaltung der narzisstischen Homöostase, also die Aufrechterhaltung eines optimalen Niveaus des Selbstwertgefühls.« 4
    Die Regulation des Selbstwertgefühls ist in hohem Maße abhängig von positiven Erfahrungen oder Begegnungen, die uns wohltun, aufwerten und aufrichten. Erfolg, Lob, Bestätigung oder Liebesbekundungen bedeuten eine sogenannte »narzisstische Zufuhr«, die unser Selbstempfinden ins Gleichgewicht bringt.
    Zur Selbstregulation gehört aber auch die Fähigkeit, auf positive Seiten von sich zurückgreifen zu können, um ein bejahendes Gefühl für sich selbst zu mobilisieren. Je besser ein Mensch sich selbst unterstützen kann, sich Mut machen, beruhigen und trösten kann, umso besser kann er sein narzisstisches Gleichgewicht wiederherstellen. Er wird sich auf diese Weise in einer Versagenssituation selber über die narzisstische Durststrecke hinweghelfen können.
    Insofern ist jeder Mensch narzisstisch, da er immer wieder auf ein Gleichgewicht seines Selbstsystems achten muss, weil das Leben nicht nur narzisstische Zufuhr, sondern auch Frustrationen bereithält.
    Ist die regulative Fähigkeit eingeschränkt, liegt eine narzisstische Beeinträchtigung des Selbstsystems vor. Das bedeutet, dass sich diese Menschen hauptsächlich, vielleicht sogar gänzlich, darüber stabilisieren, dass sie mit einem anderen verschmelzen, sich in Größenphantasien retten, sich mit anderen kompetenten Personen identifizieren und dadurch ihren angeschlagenen Selbstwert erhöhen. Sie können nicht auf ein gesundes Ideal-Selbst zurückgreifen, das zu einer optimalen Regulation nötig ist. »Ich bin gut und liebenswert, so wie ich bin« könnte der dazugehörige Einstellungssatz heißen, der eben nicht nur dann Geltung hat, wenn wir uns gut, sondern auch, wenn wir uns unzulänglich fühlen. Dadurch werden wir unabhängiger von Lob und Kritik und schaffen uns innere Sicherheit, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie eine eigene Identität.
    Die Art, wie Menschen auf die Zurückweisung ihrer Liebe reagieren, kann zeigen, wie stark oder wie fragil ihr Selbstwertgefühl ist. Es liegt zwischen zwei extremen Polen:
    Menschen mit einem positiven Narzissmus, einem stabilen Selbstwertgefühl, trauern um den Verlust eines von ihnen geliebten Menschen, sind ihm gram, verabschieden sich dann aber nach einiger Zeit, um frei zu sein für eine neue Liebe. Sie fühlen sich vorübergehend ungeliebt, aber nicht völlig wertlos und besitzen die Fähigkeit, Zuneigung von anderen anzunehmen und ihr Leben nicht auf Dauer zu beschweren.
    Der andere Pol ist die narzisstische Verarbeitungsweise: Die Menschen hadern mit sich, dem Schicksal und vor allem mit dem Menschen, der sie zurückweist. Im schlimmsten Fall stürzen sie in ein schwarzes Loch, verlieren den Boden unter den Füßen, fühlen sich als Mensch zurückgewiesen, unwichtig, nicht liebenswert, und ihr Hass ist teilweise grenzenlos. Vernünftige Auseinandersetzungen sind kaum mehr möglich, sondern fast nur noch lautstarke Szenen, in denen sie den anderen beschimpfen und runtermachen oder ihm sogar aus Rache etwas antun wollen. Sie verbeißen sich in ihren Schmerz und Groll, verteufeln alle Männer (oder Frauen) und hängen noch lange der missglückten Beziehung nach. Es ist sehr schwer für sie, ihren persönlichen Wert wiederzufinden und sich zu sagen: »Auch wenn ich von diesem Mann, dieser Frau nicht geliebt werde, bin ich ein wertvoller und liebenswerter Mensch.« Stattdessen schlagen sie selbst noch auf sich ein und erleben die Zurückweisung als Bestätigung für ihre

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