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EISENHEIM: THRILLER: Erstes Buch (German Edition)

EISENHEIM: THRILLER: Erstes Buch (German Edition)

Titel: EISENHEIM: THRILLER: Erstes Buch (German Edition)
Autoren: Saul Peterson
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Erstes Kapitel
    Forester
    Donnerstag, 30. Mai 1985
    Forester war der Spur seiner Erfahrung auf das alte Hafenareal von Boston gefolgt; er war aber auch einer Spur gefolgt, an deren Ende er sich das schnelle Auffinden der dreijährigen Hanaa Cline erhofft hatte. Es war kurz nach Mitternacht und er hatte schon seit gut eineinhalb Stunden die Augen aufgehalten. Dann vernahm er Stimmen, dünne Stimmen, keine Schatten oder Vans, die sich verbotenerweise auf diesem alten, abgesperrten Gelände des Bostoner Verladehafens herumtrieben. Forester trat ein wenig aus dem Schatten eines alten Verladecontainers hervor und versuchte mit einer seitlichen Kopfbewegung, die in Richtung alte Hafenmeisterei deutete, die Herkunft des Schalls zu deuten. Er war sich sicher: Hier unten am Kai war er alleine, aber dort oben in der Hafenmeisterei schien sich etwas zu tun. Forester schritt wieder zurück in den schützenden Schatten des Containers und sondierte seine Chancen, unentdeckt bis zur alten Hafenmeisterei zu kommen. Obwohl alle Lichter auf diesem alten, gesperrten Areal des Bostoner Hafens erloschen sind, sättigten die Beleuchtungen der seitlich angrenzenden Containerschiffe auf dem neuen Hafenareal des Conley Container Terminals sowie zwei ihm gegenüberliegende Passagierschiffe die Dunkelheit mit Restlicht. Es war dunkel und dennoch alles sichtbar. Es war bekannt – bevor das Areal komplett gesperrt worden war – dass es immer wieder Jugendgangs hierhergezogen hatte, um hier ihre Gang-Zeichen in Form von Graffitis auf jegliche erdenkliche Fläche zu versprühen. Aus diesem Betrachtungswinkel bereitete es ihm aber keine Sorgen, von einem Offiziellen entdeckt zu werden. Ihn sorgte vielmehr, durch eine unachtsame Bewegung eine mögliche Spur im Sand verlaufen zu sehen. Trotz Absperrung und routinemäßiger Kontrollen durch die Hafenpolizei war dieses Areal trotzdem immer noch die erste Anlaufadresse für die Kreaturen der Nacht gewesen. Alle jetzt noch Anwesenden auf diesem Gelände gingen ein sehr viel größeres Risiko ein, erwischt zu werden. Er kannte sich aus in seinem Metier; vor allem kannte er sich damit aus, wo diese Kriminellen aufzufinden waren. Forester wähnte sich nicht kurz davor, Hanaa Cline eine n großen Schritt näher zu sein. Doch wähnte er sich, wenige Stunden nachdem er den Auftrag Hanaa Clines Eltern in der Tasche hatte, nahe jener unliebsamen Menschen, die möglicherweise auf wichtigen Informationen saßen. Sollte er also hier in der Dunkelheit ausharren? Pädophile waren scheuer als Drogenhändler – die Ware war weitaus empfindlicher. Wenn er darüber nachdachte: das alte Hafenareal war immer einen Besuch wert gewesen. Forester stemmte sich gegen den Container in seinem Rücken und brachte seine Knochen unter sein Kommando. Er war das lange Stillstehen der Army schon lange nicht mehr gewohnt. Seine Knochen knarrten in gewohnter Weise und machten sich auf, Derek Forester so nahe wie möglich in der ihnen vertrauten Welt des Schattens, auf dem Gelände des alten Hafens, unsichtbar zu halten. Forester balancierte von einem Schattengrund zum anderen und war darauf bedacht, den grobkörnigen Untergrund des Areals nicht mit den bewachsenen Stellen zu verwechseln, in denen sich gerne Müll ansammelte. Man trat dort besonders schnell auf die Dinge, die einem die Tarnung zunichte machen konnten. Im Schatten eines alten ausrangierten Container-Krans hielt er kurz inne und begutachtete nun die teils ungeschützte Strecke zur Hafenmeisterei, die noch vor ihm lag. Zwischen dem alten Backsteingebäude mit seinen ausgeschlagenen Fenstern und dem schattigen Unterschlupf, in dem er sich befand, lagen noch etwa einhundert Meter. Auf halber Strecke, irgendwo dazwischen, befand sich ein altes Gleis. Mitten darauf stand noch ein alter verlassener Waggon. Forester dachte nichts mehr: Etwas anderes als sein eigener Wille übernahm nun die Kontrolle über seine Knochen … Er war erstaunt, wie schnell und lautlos er sich noch bewegen konnte. Es lag wohl daran, dachte er, dass er nicht jeden Tag rennen musste. Forester bewegte sich schnell auf den Waggon zu, hielt kurz inne, holte tief Luft und preschte nun in einem weit ausgeholten Bogen um die Hafenmeisterei herum, in etwa wie ein Raubvogel das wohl tun würde, um den besten Winkel für seinen Sturzflug auszuloten. Die alte Hafenmeisterei erstreckte sich über drei Stockwerke und hatte seitlich an beiden Seiten des Hauptgebäudes angrenzend Lagerhallen, die im Gegensatz zur

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