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Eine Rose fuer Captain Sparhawk

Eine Rose fuer Captain Sparhawk

Titel: Eine Rose fuer Captain Sparhawk
Autoren: Miranda Jarrett
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PROLOG
    Vor der Küste von South Carolina
    Juli 1779
    Zum ersten Mal war ihm das Schicksal nicht günstig gesonnen, nicht an diesem finsteren Morgen, eine Stunde vor Sonnenaufgang.
    Zornig wischte Nick sich mit dem Ärmel Blut und Schweiß von der Stirn, damit er mehr von dem englischen Schiff erkennen konnte als die zehn Kanonenluken, die Tod und Verderben brachten. Rauchwolken stiegen aus dem brennenden Laderaum seiner Liberty empor und mischten sich mit dem beißenden Pulverdampf der Kanonen und den Schreien der Sterbenden.
    Holzstücke, Seilenden und Segeltuchfetzen fielen auf das Deck hinab. Er spürte bereits, wie die Liberty immer tiefer sank, denn durch die Löcher, die die englischen Schützen hinterlassen hatten, drang Meerwasser ein. Nicht mehr lange, und der Ozean würde die Liberty erschlingen.
    Wenn ihm nur noch wenige Augenblicke blieben, dann sollte es so sein, aber er würde nicht kampflos untergehen, und ganz gewiss würde er sich nicht ergeben. Mit grimmiger Zufriedenheit sah er zu den beiden zerfetzten Flaggen hinauf – zu der rotweißblauen der Amerikaner und dem darunter befestigten scharlachroten Wimpel von Sparhawk und Söhnen. Er würde sich lieber selbst die Kehle durchschneiden als eine von ihnen vor den Briten einzuholen.
    Aber vielleicht erwarteten sie genau das. Vielleicht war das der Grund, warum der englische Kapitän, der Teufel sollte ihn holen, in der letzten Viertelstunde nicht mehr auf die Liberty geschossen hatte. Vielleicht glaubte er, dass die Amerikaner schon so angeschlagen waren, dass sie sich nur noch ergeben konnten. Jämmerliche Feiglinge, dachte Nick verächtlich. Wäre er derjenige mit der doppelten Anzahl von Männern und Kanonen gewesen, hätte er sich anders verhalten.
    Und er würde es auch jetzt noch tun. Mit zornigem Gebrüll sprang er auf das untere Deck zu einer der letzten noch funktionstüchtigen Kanonen.
    Die fünf Kanoniere, die die Absicht hatten, wenigstens einmal noch auf den Feind zu schießen, erkannten ihren Kapitän kaum, als er ihnen half, das schwere Geschütz in Position zu bringen. Dergleichen hatte er schon früher getan, nicht zuletzt deswegen würden sie ihm überallhin folgen. Mit seinem langen schwarzen Haar, das von einem Verband zurückgehalten wurde, ohne Mantel und mit dem schmutzigen, zerrissenen Hemd unterschied sich der Captain durch nichts von ihnen. Sie alle waren vereint in ihrem Hass gegen die Engländer.
    Nick schirmte den kleinen Funken an dem Zündstock mit der Hand ab und konzentrierte sich auf sein Ziel, das englische Schiff, das nicht mehr als ein schemenhafter Umriss im frühen Morgengrauen war.
    „Ruhig, Jungs, ruhig!“, rief er mit heiserer Stimme, während er den Zündstock an den kleinen Ring aus Schießpulver an der Rückseite der Waffe hielt. „So steht sie richtig, nicht wahr? Und jetzt – jetzt – Feuer !“
    Die Kanone schien zum Leben zu erwachen, spie Flammen und Rauch, als sie von der Wucht des Schusses zurückgestoßen wurde. Aber in demselben Augenblick erfolgte eine andere Explosion, grellweiß, blendend und lauter als jeder Donner. Nick fühlte, wie er durch die Luft gewirbelt wurde, hoch hinauf in den Himmel über den Topmast der Liberty , bis die Schaluppe und die englische Brigg tief unter ihm auf dem Wasser wie geschnitztes Spielzeug aussahen. Und er flog immer noch höher, sein Körper wurde so leicht wie eine Feder, während das fahle Licht der aufgehenden Sonne die Wolken ringsumher Rosa und Orange färbte. Er erkannte, dass er nicht auf das Deck der Liberty zurückstürzen würde, und auch nicht ins Wasser. Überhaupt nicht mehr auf die Erde.
    So also würde sein Leben enden und seine Laufbahn als ruhmreicher amerikanischer Kapitän in einem höchst unrühmlichen Krieg, alles vorbei und vorüber in einer einzigen Explosion. Er konnte schon die Anzeige in den Zeitungen von Charles Town vor sich sehen: „Captain Nickerson James Sparhawk, Kapitän der Schaluppe Liberty und mit ihr auf Kaperfahrt gewesen, hat sein Leben verloren bei einem Gefecht mit dem Feind.“
    Das Leben verloren, zum Teufel. Er hatte nie zuvor irgendetwas verloren, und er wollte jetzt nicht damit anfangen. Er war noch nicht zum Sterben bereit. Er war erst zweiunddreißig, in derBlüte seiner Jahre. Verdammt, er durfte nicht sterben!
    „So, genug davon und still jetzt, Sie werden nicht sterben!“, erklärte eine weibliche Stimme. „Glauben Sie wirklich, ich hätte bis jetzt soviel Zeit für ihr Wohlergehen verschwendet,

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