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Ein Vampir für alle Fälle

Ein Vampir für alle Fälle

Titel: Ein Vampir für alle Fälle
Autoren: Charlaine Harris
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       Prolog
    Wenn das hier › Der Herr der Ringe ‹ wäre und ich eine so schöne, geheimnisvolle Stimme hätte wie Cate Blanchett als Galadriel, könnte ich die Hintergründe der Ereignisse im Herbst richtig spannend erzählen. So spannend, dass alle sich um diese Geschichte reißen würden.
    Doch was sich in meiner kleinen Ecke im Nordwesten von Louisiana zugetragen hat, ist kein monumentales Epos. Der Vampirkrieg trug eher den Charakter einer feindlichen Übernahme unter Kleinstaaten, und der Werwolfkrieg glich einem Grenzscharmützel. Sogar in den Geschichtsbüchern des supranaturalen Amerika - die sicher irgendwo existieren - sind es nur unbedeutende Kapitel... es sei denn, man war selbst in diese feindlichen Übernahmen und Grenzscharmützel verwickelt.
    Dann wurden sie plötzlich verdammt bedeutend.
    Und das alles hatten wir Katrina zu verdanken, jener Katastrophe, die immer noch Kummer, Leid und bleibende Veränderungen nach sich zog.
    Vor dem Hurrikan Katrina hatte Louisiana eine blühende Vampirgemeinde gehabt. In New Orleans war die Vampirbevölkerung regelrecht explodiert, was die Stadt zu einem Reiseziel für all jene machte, die selbst einmal Vampiren begegnen wollten - und das wollten viele Amerikaner. Die Jazzclubs der Untoten, in denen Musiker auftraten, die jahrzehntelang niemand auf der Bühne gesehen hatte, waren eine besondere Attraktion. Vampir-Stripclubs, Vampir-Hellseher, Vampir-Sex, geheime und nicht-ganz-so-geheime Bars, in denen man sich beißen lassen und auf der Stelle einen Orgasmus haben konnte: All das gab es im Süden von Louisiana.
    Im Norden ... eher nicht. Dort wohne ich, in einer kleinen Stadt namens Bon Temps. Doch sogar in meiner Gegend, in der es relativ wenig Vampire gibt, machten die Untoten geschäftlich und gesellschaftlich beachtliche Fortschritte.
    Kurz gesagt, das Vampir-Business boomte im Pelikan-Staat Louisiana. Doch dann starb der Vampirkönig von Arkansas auf einem Ball, den seine eigene Ehefrau, die Königin von Louisiana, kurz nach der Hochzeit der beiden für ihn gab. Weil die Leiche verschwand und alle Zeugen - außer mir - Supras waren, also übernatürliche Geschöpfe, untersuchten die Gesetzeshüter der Menschen den Fall nicht. Die anderen Vampire allerdings schon, und so geriet Königin Sophie-Anne Leclerq rechtlich in eine äußerst heikle Lage. Dann kam Katrina, und Sophie-Annes Königreich war auf einen Schlag seiner finanziellen Grundlage beraubt. Während die Königin noch mit den Folgen dieser beiden Katastrophen kämpfte, traf sie bereits die nächste. Sophie-Anne und einige ihrer treusten Gefolgsleute - und ich, Sookie Stackhouse, gedankenlesende Kellnerin, aber keine Supra - wurden in Rhodes von einer schrecklichen Explosion überrascht, die das Vampirhotel Pyramide von Giseh zerstörte. Eine Splittergruppe der Bruderschaft der Sonne bekannte sich zu dem Bombenanschlag. Der Vorsitzende dieser »AntiVampir-Kirche« verurteilte dies von Hass und Vorurteilen geprägte Verbrechen zwar, doch jeder wusste, dass die Bruderschaft kaum eine Träne vergoss um die bei der Explosion schwer Verwundeten und noch viel weniger um die (jetzt endgültig) toten Vampire oder Menschen, die ihnen gedient hatten.
    Die Vampirkönigin Sophie-Anne verlor beide Beine, einige Mitglieder ihres Hofstaates und ihren liebsten Gefährten. Ihr Anwalt Mr Cataliades, ein Halbdämon, hatte ihr das Leben gerettet. Doch ihre Genesung würde noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, und die Königin befand sich in jeder Hinsicht in einer geschwächten Lage.
    Und was hatte das alles mit mir zu tun?
    Ich hatte nach dem Bombenanschlag auf das Vampirhotel geholfen, Leben zu retten, indem ich die Verletzten aufspürte, und machte mir anschließend fürchterliche Sorgen, dass ich die Aufmerksamkeit gewisser Leute auf mich gezogen haben könnte, die sich mein telepathisches Talent zu ihrem Vorteil zunutze machen wollten. Okay, einigen ging's um einen guten Zweck, und ich hätte auch gar nichts dagegen gehabt, gelegentlich mal einem Rettungsdienst zu helfen. Aber ich wollte selbst über meine Zeit bestimmen. Ich war am Leben, mein Freund Quinn war am Leben, und die Vampire, die mir am wichtigsten waren, hatten auch überlebt. Was Sophie-Annes Schwierigkeiten betraf, die politischen Folgen des Anschlags und den Umstand, dass Heerscharen von Supras das geschwächte Louisiana bereits umkreisten wie die Hyänen eine sterbende Gazelle... darüber dachte ich überhaupt nicht nach.
    Ich hatte

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