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Ein Tropfen Blut

Ein Tropfen Blut

Titel: Ein Tropfen Blut
Autoren: Theo Pointner
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1
     
     
     
    Das Wasser wurde zu kalt.
    Angela Forell drehte den Hebel der Mischbatterie in den roten Bereich und zog ihn ein wenig an. Augenblicklich schoss ein Schwall heißes Wasser in die Wanne; mit ihren Zehen pulte Angela den Stöpsel aus dem Abfluss, damit das Schaumbad nicht über den Rand schwappen konnte.
    Bereits seit über zwei Stunden lag sie hier im Bad, ihre Haut war krebsrot und schrumpelte an einigen Stellen. Trotzdem fühlte sie sich immer noch entsetzlich beschmutzt.
    Vorgestern Abend hatte sie die erste Marathonsitzung in ihrer Wanne veranstaltet, gestern Abend, als sie von der Arbeit nach Hause gekommen war, die zweite. Doch alles Schrubben, Einseifen und Abspülen nutzte nichts. Das, was der Kerl ihr angetan hatte, würde nicht mit einer Tonne Duschgel zu beseitigen sein.
    Das heiße Wasser tat ihr gut, immerhin linderte es die fürchterlichen Verspannungen und Schmerzen im Unterleib. Als das Wasser nur noch wenige Zentimeter unter dem Rand der Wanne stand, stöpselte sie den Verschluss wieder ein und drehte das Wasser ab.
    Ihre Augen hefteten sich auf den Haken, an dem normalerweise das Badetuch hing. Aus dem Wohnzimmer tröpfelte leise Musik von ihrer Lieblings-CD, Boyzone. Sie hatte den Player auf Endloswiederholung gestellt. Mithilfe der leisen, einschmeichelnden Töne, die ihre Ohren kaum erreichten, bildete sie sich ein, besser vergessen zu können.
    Aber das war natürlich nur eine Selbsttäuschung. Angela hatte jetzt schon Angst vor dem Moment, wenn sie im Bett lag und die Augen schloss. Spätestens dann war wieder alles da, das quietschende Geräusch, als die Seitentür des VW-Bullis aufgerissen wurde, der Typ in dem schwarzen Overall mit der Motorradmaske, der auf den Gehweg sprang, seine Hand auf ihren Mund presste und sie in das Innere des Wagens zerrte. Dann die schrecklichen Sekunden, als er ihr den Knebel in den Mund steckte und die Augen verband, schließlich der scharfe Strick, der um ihre Handgelenke gezerrt wurde.
    Danach hatte er sie für eine Weile in Ruhe gelassen, Angela hatte schon gehofft, das Ganze sei ein böser Streich, aber ihr Peiniger war nur nach vorn in das Führerhaus geklettert und hatte den Motor angelassen. Gleich darauf war der Bulli losgefahren. Sie lag wie ein hilfloses Paket auf der Ladefläche, unter sich vermutlich eine dünne Schaumstoffmatratze. Alles war so schnell gegangen, sie hatte nur noch registriert, dass der Wagen an den Seiten und am Heck keine Fenster hatte.
    Die anschließende Fahrt dauerte höchstens zwanzig Minuten, in denen sie starr auf dem Boden lag. Zweimal hielt der Fahrer an, wahrscheinlich musste er an einer Ampel stoppen.
    Irgendwann war der Bulli von der asphaltierten Straße abgebogen, sie hatte deutlich das Rumpeln gespürt, wenn die Reifen von einer Unebenheit in die nächste schlitterten. Anscheinend ein Feldweg. Dann war das Motorengeräusch verstummt.
    Angela hörte die keuchenden Atemzüge des Mannes im Overall, der sich jetzt wieder nach hinten zwängte. Sie machte sich noch steifer, als sich seine Hand unter die Knöpfe ihrer Bluse schob und sie mit einem Ruck aufriss. Seine Finger waren heiß und schweißfeucht, als sie die schmale Stelle ihres BHs zwischen den Körbchen umfassten. Er zerrte an dem dünnen Stoff, der sofort kaputtging. Und dann spürte sie seine Zunge auf ihren Brüsten.
    Angela wurde von Abscheu und Ekel geschüttelt, aber sie wagte es nicht, sich zu wehren. Sie hatte den Typ nur ganz undeutlich gesehen, trotzdem schätzte sie, dass er mindestens dreißig Kilo schwerer war als sie. Sie hätte nicht den Hauch einer Chance gehabt, schon gar nicht mit gefesselten Handgelenken.
    Das Schwein legte sich mit seinem ganzen Gewicht auf sie, seine Finger glitten unter ihren Rock und betatschten ihre Oberschenkel. Instinktiv kniff sie die Beine zusammen, wofür sie sich augenblicklich eine schallende Ohrfeige einfing. Sie gab auf.
    Die Tortur dauerte fast eine Viertelstunde und ihr kam es vor wie Stunden.
    Wortlos war der Mann wieder in die Fahrerkabine geklettert und hatte den Motor gestartet, während sie apathisch zurückblieb. Jetzt hatte sie langsam die qualvollen Schmerzen wahrgenommen.
    Irgendwann stoppte der Wagen erneut. Angela bemerkte es erst, als der Kerl wieder neben ihr war und sie auf den Bauch drehte. In panischer Angst biss sie auf den Knebel, in Erwartung, dass der Kerl wieder zuschlagen würde, aber er löste die Schnur von ihren Handgelenken. Dann riss er ihren Kopf an den dünnen roten

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