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Ein toter Lehrer / Roman

Ein toter Lehrer / Roman

Titel: Ein toter Lehrer / Roman
Autoren: Simon Lelic
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I ch war nicht dabei. Ich hab es nicht gesehen. Banks und ich, wir waren unten am Teich und haben mit dem Einkaufswagen rumgealbert, den wir im Park gefunden hatten. Wir waren sowieso schon spät dran, also dachten wir uns, können wir auch gleich schwänzen. Setz dich rein, hat Banks gesagt. Nein, setz du dich rein, hab ich gesagt. Am Ende hab doch ich mich reingesetzt. Das läuft irgendwie immer so. Er hat mich eine Weile über den Rasen geschoben, aber die Räder sind andauernd stecken geblieben, dabei war das Gras frisch gemäht, und es hatte seit einem Monat nicht mehr geregnet. Sainsbury’s-Einkaufswagen sind echt der letzte Scheiß. Vor kurzem hat ein Waitrose aufgemacht, da wo früher der Safeway drin gewesen ist, und die Wagen von denen sind gebaut wie ein Mercedes. Die von Sainsbury’s kommen aus Frankreich oder Italien oder Korea oder so. Die sind wie Daewoos. Obwohl Ming mal erzählt hat, Daewoo heißt auf Chinesisch »Fick dich«, das ist der einzige Grund, warum ich mir je einen kaufen würde.
    Wie viele waren es jetzt eigentlich? Ich hab gehört, dreißig. Willis hat gesagt, sechzig, aber Willis erzählt auch viel Mist. Er behauptet zum Beispiel, sein Onkel hätte vor Jahren bei den Tottenham Hotspurs gespielt, in den Achtzigern oder so, und dass er jederzeit Karten besorgen kann. Kann er aber nie. Ich hab ihn viermal gefragt, und jedes Mal hatte er irgendeine Ausrede. Keine Pokalspiele, hat er gesagt. Für Pokalspiele kriegt er keine Karten. Oder aber ich hätte zu spät gefragt. Er meint, ich muss ihm Wochen vorher Bescheid sagen. Monate sogar. Nicht am Tag vorher, dabei war es noch nicht mal der Tag vorher, sondern Montag oder Dienstag oder so, und das Spiel war erst am Samstag.
    Wie viele waren es denn nun?
    Ach, echt? Oh.
    Fünf nur?
    Ach so.
    Na ja, egal. Also, da haben wir es jedenfalls gehört, unten am Teich. Da geht so ein Weg rundherum, der ist mit Bohlen ausgelegt. In den Ritzen dazwischen bleiben die Räder immer stecken, und man kommt sich vor, als würde man in einem Skoda durchs Gelände heizen, aber man kriegt ganz schön Speed drauf. Aber die Blumenkübel sind fies. Die stehen mitten im Weg, und man kann sie nicht wegschieben, weil die von der Stadt sie am Boden festgenagelt haben. Keine Ahnung, warum die sich so den Arsch aufreißen. Blumen sind da eh keine mehr drin, nur Coladosen.
    Wenn ich sage, wir haben es gehört, mein ich nicht, dass wir gehört haben, wie es passiert ist. Die Schule war eine halbe Meile weit weg, noch hinter den Bahnschienen. Aber dann kamen da diese Achtklässler, gerade als Banks beschlossen hatte, auch mal eine Runde im Wagen zu drehen. Er ist mit dem Fuß hängen geblieben und halb hingeflogen, zwar nicht so richtig auf die Fresse, aber ich musste trotzdem lachen. Das hätte ich mir lieber verkneifen sollen. Er ist voll sauer geworden und hat mich angeschnauzt. Und dann sind da diese Achtklässler aufgetaucht, die haben ihn zwar nicht stolpern sehen, aber Banks hat sie trotzdem runtergesaut.
    Aber das war schon irgendwie abgefahren. Sie haben geflennt, die Achtklässler. Zwei jedenfalls. Der dritte hat nur so vor sich hingeguckt. Auf nichts Bestimmtes. Als ob er innen auf seiner Brille Fernseh gucken würde.
    Banks hat sie jedenfalls blöd angemacht, aber die Achtklässler haben ihn einfach gelassen. Sie sind nicht weggerannt oder haben zurückgepöbelt oder versucht, sich mit uns anzulegen, nichts. Einen von ihnen hab ich erkannt. Ambrose heißt er. Meine Schwester, die ist auch in der Achten, und die kennt ihn und sagt, der ist in Ordnung, also hab ich ihn gefragt, was abgeht. Er konnte nicht richtig reden, seine Wörter waren ein einziger Brei. Banks hat ihn angemacht deswegen, aber ich hab ihm gesagt, er soll das lassen. Am Ende hat es uns ein anderer erzählt. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß. So ein kleines Pickelface. Normalerweise hätt ich gesagt, Schnauze halten, aber er war der Einzige, der noch einen geraden Satz rausgekriegt hat.
    Banks wollte den Einkaufswagen mitnehmen, aber ich hab ihn daran erinnert, dass bestimmt die Bullen und alle da sind, und da hat er ihn ins Gebüsch geschoben und zu den Achtklässlern gesagt, er scheißt ihnen in die Fresse, wenn sie ihn sich greifen. Sie sahen aber nicht so aus, als würden sie sich groß dafür interessieren, muss man fairerweise dazusagen. Pickelface hat trotzdem genickt, mit weit aufgerissenen Augen, aber die anderen zwei sahen aus, als ob sie dachten, was denn für ein Wagen.
    Ich bin noch

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