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Ein Magier auf Höllentrip

Ein Magier auf Höllentrip

Titel: Ein Magier auf Höllentrip
Autoren: Craig Shaw Gardner
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Kapitel Eins
     
     
Entgegen bestimmten Gerüchten ist es nicht die unerfreulichste aller Aufgaben, an denen ein Zauberer teilnehmen könnte, Seite an Seite mit einer Gruppe von befreundeten Magiern zu arbeiten. Wenn ich scharf nachdenke, fallen mir spontan mehrere Erlebnisse ein – so zum Beispiel, sich beide Arme und Beine zu brechen, während man gerade vor einem blutrünstigen Dämonen flieht –, die unter gewissen Voraussetzungen sogar noch unerfreulicher ausfallen können.
    - aus den LEHREN DES EBENEZUM, Band XXII
     
    Vushta war verschwunden.
    Wir standen am felsigen Ufer des Binnenmeers und starrten auf den Fleck, an dem eigentlich die größte aller Städte ihre Türme in den Himmel hätte recken sollen. Wie konnte nur eine komplette Stadt verschinden? Ich hatte mich mein ganzes Leben lang in Vorfreude auf Vushta, die Stadt der tausend verbotenen Lüste, verzehrt, wo großes Wissen und nicht minder große Versuchungen Hand in Hand gingen. Wie hatte ich mich danach gesehnt, die große Universität der Magier zu sehen, durch den meilenlangen Großen Basar zu wandern, und – vielleicht – durch das Vergnügungsviertel zu streifen, wo, so flüstert man sich zu, tapfere Männer ihren niederen Trieben erlagen und hinfort nie wieder gesehen wurden. Aber ach, nun lagen Universität und Basar und selbst das Vergnügungsviertel in unerreichbarer Ferne. Warum mußte von all den zahllosen Städten auf dieser Welt ausgerechnet Vushta verschwinden?
    Der Schiffer hatte uns sieben hier am Strand abgesetzt, von wo einst der Pfad zu jener Stadt geführt hatte, die das Ziel unserer Quest war. Jeder von uns hatte seinen ganz persönlichen Grund, an dieser gefahrvollen Reise teilzunehmen und schließlich Vushta zu betreten, wo wir hofften, unsere Erwartungen zu verwirklichen und unsere Krankheiten zu kurieren. Doch nun breitete sich nur das Schweigen zwischen uns aus, wir starrten auf die leere Linie des Horizonts und warteten – möglicherweise darauf, daß der Wind uns sagen mochte, was nun zu tun sei.
    »Verdammnis«, brach Hendrek, der riesige Krieger zu meiner Seite, das lastende Schweigen. Seine schwere bronzene Brustplatte, hinter der sich eine Taille verbarg, deren Umfang der Größe des Kriegers in nichts nachstand, sandte in der Mittagssonne blendende Reflexionen aus. Mit der Stadt war auch jeglicher Schatten verschwunden, und der Wind führte nichts als erstickenden Staub mit sich.
    Hendrek tätschelte nervös den Sack, der seine verfluchte Kriegskeule mit Namen Schädelbrecher beinhaltete, die kein Mann sein eigen nennen, sondern nur mieten konnte. Auch seine Stimmung war auf dem Nullpunkt. Wir waren alle ziemlich schlecht gelaunt. Der Magier Ebenezum, einst der Größte seiner Zunft in den ganzen Westlichen Königreichen und unser Führer auf der Quest, strich sich nachdenklich seinen langen, weißen Bart, während die zerschlissenen Überreste seiner vordem geschmackvollen Robe im Wind flatterten. Die anderen aus unserer Gruppe – der Dämon Snarks, Hubert der Drache mit seiner schönen Partnerin Alea und die wundervolle junge Hexe Norei - beobachteten seine grimmig entschlossene Miene; alle blickten sie auf meinen Meister, warteten auf eine Entscheidung – oder einen Nieser.
    Doch der Magier atmete tief und regelmäßig, seine Krankheit war augenscheinlich nicht zum Ausbruch gekommen. Sollte Magie für das Verschwinden der Stadt verantwortlich sein, so hatte sie sich zusammen mit Vushta verzogen.
    Der dicke Krieger Hendrek holte seinerseits tief Atem. Wiederum erscholl seine mächtige Stimme über das verlassene Land.
    »Verdammnis!«
    »Ich bitte um Verzeihung?« antwortete ihm eine Stimme aus dem Nirgendwo.
    Mein Meister bedeutete uns zu schweigen. Ich hielt die Luft an, begierig darauf, weitere Geräusche aus dem Staubmeer aufsteigen zu hören. Doch die geheimnisvolle Stimme schwieg.
    »Hendrek«, erklärte mein Meister nach einer Minute der Überlegung. »Wiederholt doch bitte Euren Fluch!«
    Der Krieger tat, wie der Magier ihn geheißen hatte.
    »Verdammnis!«
    »Oh!« ließ sich der unsichtbare Sprecher wieder vernehmen. »Verdammnis! Seht Ihr, ich dachte erst, Ihr hättet etwas wie ›Sand‹ gesagt, und davon gibt es ja hier unzweifelhaft eine ganze Menge. Man glaubt es kaum, daß vor einem Tag noch eine Stadt an dieser Stelle stand. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich mit jemandem reden wollte, der auf eine Düne zeigt und allen Ernstes ›Sand‹ sagt. Aber ›Verdammnis‹, nun

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