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Ein Koffer voller Tiere

Ein Koffer voller Tiere

Titel: Ein Koffer voller Tiere
Autoren: Gerald Malcolm Durrell
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kaufen zu lassen. Da ich die Tiere vorweisen konnte, meinte ich in meiner Dummheit, die Behörden würden sich freuen, mir helfen zu können. Ohne daß es sie etwas kosten würde, könnten sie der Stadt eine weitere Sehenswürdigkeit hinzufügen. Die Stadtgewaltigen jedoch waren anderer Meinung. Bournemouth ist nichts mehr als konservativ. Seitdem der Ort Stadt geworden war, hatte es dort keinen Zoo gegeben. Aus welchem Grunde also sollte jetzt einer dorthin kommen? Wahrscheinlich nennen das die Stadtväter fortschrittlich. Erstens, sagten sie, wären die Tiere gefährlich, zweitens röchen sie und drittens meinten sie nach angestrengtem Nachdenken, sie hätten kein Gelände für einen Zoo.
    Langsam fing ich an zu kochen. Ich bin nie gut in Form, wenn ich den Kampf mit den pompösen Ungereimtheiten der öffentlichen Meinung aufnehmen muß. Doch dieser vollständige Mangel an Verständnis brachte mich immer mehr auf. Die Tiere saßen im Garten meiner Schwester, fraßen Unmengen und kosteten mich ein Vermögen an Fleisch und Obst. Die Nachbarn, die böse geworden waren, weil wir nicht in das übliche Schema paßten, bombardierten die Gesundheitsbehörde mit Klagen, und der arme Inspektor mußte zweimal die Woche zu uns herauskommen, ob er wollte oder nicht. Die Tatsache, daß er nicht das geringste fand, was die Klagen der Nachbarn gerechtfertigt hätte, half ihm nichts. Ging eine Klage ein, mußte er inspizieren. Der bedauernswerte Mann bekam jedes Mal eine Tasse Tee. Er freundete sich mit einigen Tieren an und brachte sogar seine kleine Tochter mit. Am meisten beunruhigte mich, daß der "Winter vor der Tür stand und die Tiere unmöglich in einem ungeheizten Zelt bleiben konnten. Da hatte Jacquie einen ausgezeichneten Einfall.
    »Sollten wir die Tiere nicht einem der großen Warenhäuser für eine Weihnachtsausstellung anbieten?« schlug sie vor.
    Ich telefonierte also der Reihe nach mit allen Warenhäusern der Stadt. Sie waren reizend, konnten aber nicht helfen. Sie hatten einfach keinen Platz, so lieb ihnen eine solche Ausstellung gewesen wäre. Dann telefonierte ich mit dem letzten auf meiner Liste, der Firma J. J. Allen. Zu meiner Freude zeigte sie große Begeisterung und bat mich, hinzukommen, um die Sache zu besprechen. So entstand »Durrells Menagerie«.
    Ein großer Teil des Erdgeschosses wurde freigemacht, geräumige Käfige aufgestellt mit geschmackvollen Wandmalereien, die tropischen Wald darstellten, und dann brachten wir die Tiere aus der Kälte und Feuchtigkeit in strahlendes elektrisches Licht und eine gleichbleibende Temperatur. Das Eintrittsgeld deckte gerade die Kosten für das Futter, und zehrten nicht länger an meinem Kapital. Von dieser Sorge befreit, konnte ich jetzt von neuem auf die Suche nach einem Zoo gehen. Es wäre ermüdend, alle Enttäuschungen dieser Zeit einzeln aufzuzählen oder eine Liste der Bürgermeister, Stadträte, Parkverwaltungen und Gesundheitsämter aufzustellen, mit denen ich verhandelte. Es mag genügen, wenn ich sage, daß mir manchmal der Kragen platzte bei dem Versuch, anscheinend intelligente Leute davon zu überzeugen, daß ein Zoo in erster Linie eine Attraktion bedeutet. Die Art und Weise, wie man reagierte, war so, als wolle ich eine Atombombe werfen.
    Inzwischen unternahmen die Tiere, die nicht ahnten, wie sehr ihr Schicksal auf des Messers Schneide stand, alles mögliche, um unser Leben abwechslungsreich zu gestalten. Eines Tages zum Beispiel meinte Georgina, die Paviandame, es lohne sich, mehr von Bournemouth zu sehen als das Erdgeschoß der Firma J. J. Allen. Zum Glück kam sie an einem Sonntagmorgen, an dem niemand im Geschäft war, auf die Idee. Ich wage kaum, mir vorzustellen, was sonst passiert wäre.
    Ich trank gerade meinen Tee und wollte anschließend zu J. J. Allen gehen, um die Tiere zu säubern und zu füttern. Da klingelte das Telefon. Ahnungslos nahm ich den Hörer ab. »Spricht dort Mr. Durrell?« fragte eine tiefe, traurige Stimme.
    »Am Apparat.«
    »Hier ist die Polizei, Sir. Einer Ihrer Affen ist ’raus. Ich wollte Ihnen das lieber mitteilen.«
    »Du meine Güte! Welcher ist es denn?« fragte ich.
    »Das weiß ich leider nicht, Sir. Es ist ein großer brauner. Er sieht ziemlich böse aus, Sir. Darum wollte ich Sie lieber benachrichtigen.«
    »Ja, danke. Wo ist er?«
    »Im Augenblick in einem der Schaufenster. Ich glaube aber nicht, daß er dort lange bleiben wird. Beißt er, Sir?«
    »Das ist schon möglich. Gehen Sie nicht zu nahe heran. Ich

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