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Edgar und die Schattenkatzen (German Edition)

Edgar und die Schattenkatzen (German Edition)

Titel: Edgar und die Schattenkatzen (German Edition)
Autoren: Marliese Arold
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aus.
    »Ich hatte noch nie einen Freund«, meinte Edgar glücklich. »Du bist der erste. Danke.«
    »Ach, bilde dir bloß nichts drauf ein. Ich bin oft ziemlich unausstehlich – und dann wirst du es bereuen, mit mir Freundschaft geschlossen zu haben. Manchmal habe ich so schlechte Laune, dass ich den ganzen Tag nichts reden möchte. Da darf mir auch keiner zu nahe kommen, weil ich dann sehr schnell Ohrfeigen austeile. – Oh, hier ist wieder einer!« Algernon angelte einen zweiten Fisch aus der Themse, der deutlich größer war als der erste. »Der entkommt uns aber nicht mehr!« Er packte die Beute mit den Zähnen und sprang ans Ufer, wo er dem Fisch den Garaus machte. Dann halbierte er ihn und warf Edgar einen Teil zu. »Und jetzt denk nicht lange drüber nach, sondern iss! Oder willst du verhungern?«
    Edgar verschlang den Fisch mit Todesverachtung. Es war das Widerlichste, was er in seinem Leben gegessen hatte – aber was sollte er machen? Hier gab es niemanden, der ihm gebratene Leberstückchen servierte oder ihm eine Schale Sahne hinstellte! Und die gierige Möwe, die schon wieder in der Nähe umherspazierte, wartete nur darauf, dass er seinen Magen entleerte und alles hervorwürgte.
    Edgar schluckte und hoffte, dass das glitschige Ding unten blieb und seinen quälenden Hunger stoppte.
    Inzwischen hatte Algernon seine Hälfte ebenfalls vertilgt und strich sich über die Schnurrhaare. Er schien zu überlegen, ob er weiterangeln sollte, entschied sich aber dann dagegen.
    »Komm, Edgar, hier gibt’s zu viele Zuschauer. Wir müssen weiter. Ich habe heute noch eine Verabredung.« Er machte ein paar drohende Schritte auf die freche Möwe zu, die erschrocken hochflatterte. Algernon lachte. »Das nächste Mal erwische ich dich«, kündigte er an und trottete am Ufer entlang. »Genieße die Tage, die dir noch bleiben.«
    Edgar schlich hinter dem roten Kater her, gespannt, wohin er ihn führen würde.
    Auf dem Kai wimmelte es unterdessen von Menschen. Schiffe legten an und wurden entladen, Männer rollten Fässer und trugen Kisten. Es ging laut und hektisch zu, und überall hockten oder flogen die neugierigen Möwen, immer darauf erpicht, irgendeinen Brocken zu erhaschen. Edgar musste schweren Stiefeln ausweichen und hatte Mühe, den Anschluss an Algernon nicht zu verlieren. Der große Kater ließ sich von dem Trubel nicht irritieren. Ruhig und geschickt schlängelte er sich überall durch und wich den Männern aus, die nach ihm treten wollten.
    Edgar dagegen wusste kaum, wo ihm der Kopf stand. So viele neue Eindrücke! Der Lärm, die vielen Menschen, die Gerüche … Es war eine Welt, die er nicht kannte, aber in der er sich ab sofort zurechtfinden musste. Um ein Haar wäre er von einem Fass überrollt worden. Im letzten Augenblick sprang er zur Seite.
    Algernon hatte den Vorfall beobachtet.
    »Eddy, du musst besser aufpassen, sonst bist du bald platt wie ein Blatt Papier – und das wäre schade.«
    »Ich … ich … versuch’s ja«, stammelte Edgar, dem der Schreck noch in den Gliedern saß. Er war froh, als sie das Gewühl hinter sich ließen und einen Schleichweg nahmen, der zwischen zwei Kistenbergen hindurchführte. Der Gang war zwar eng und ziemlich dunkel, aber sie begegneten keinem Menschen. Es roch nach verfaultem Fisch, und Edgar musste wieder daran denken, was sich in seinem Magen befand. Ihm war leicht übel.
    »Wohin gehen wir, Algernon?«, fragte er, um sich abzulenken.
    »Wart’s ab!«, lautete die ruppige Antwort.
    Edgar schwieg einige Augenblicke, doch dann siegte seine Neugier. »Mit wem bist du verabredet?«
    Algernon blieb stehen, drehte sich um und funkelte ihn mit seinen grünen Augen an. »Habe ich dir schon gesagt, dass ich es nicht leiden kann, wenn jemand zu viele Fragen stellt?«
    »Entschuldigung!« Edgar hatte das Gefühl, noch viel lernen zu müssen, was den Umgang mit Algernon betraf. Er nahm sich vor, erst zu überlegen, bevor er etwas sagte. Schweigend trottete er hinter dem roten Kater her.
    Sie entfernten sich von der Themse und näherten sich der Innenstadt. Edgar hatte großen Respekt vor den Kutschen, sie flößten ihm Furcht ein. Wenn die Holzräder vor seiner Nase vorbeirollten, wurde ihm schwindelig. Dazu kam der ohrenbetäubende Lärm, der in seinem Kopf dröhnte und dröhnte …
    Algernon schien sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ohne Nervosität wartete er ab, bis die Lücke zwischen zwei Kutschen groß genug war, dann rief er: »Los, Edgar!« Die

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