Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Eden

Titel: Eden
Autoren: Tony Mochinski
Ads
nur noch tote Gestalten, taumelten durch ihr Schlafzimmer, griffen ihn an, griffen Julie an.
    »Harris!«, schrie Julie.
    Gottverdammte Scheiße! Unbändige Wut überkam ihn. Er ballte die Faust und zielte auf einen Punkt einen Meter hinter dem Kopf des untoten Monsters, das er gegen die Mauer gedrückt hatte und das sich immer noch zu befreien versuchte. Harris legte seine ganze Kraft in den Schlag. Der weiche, verrottete Schädel zerplatzte unter seinen Knöcheln. Er trieb die Faust bis zum Handgelenk in den Kopf und zog sie wieder zurück. Blut und grauer Brei klebten an seiner Hand, quollen zwischen seinen Fingern hervor und tropften auf den Boden.
    Jetzt war das Etwas wirklich tot. Ein Tod, aus dem es kein Zurück gab.
    Julie war nun hellwach. Sie hatte den Revolver vom Nachttisch genommen. BUMM! BUMM! In der Enge des Schlafzimmers waren die Schüsse ohrenbetäubend. Immer wieder zog sie ab. In dem spärlichen Sonnenlicht, das es ins Zimmer schaffte, flammte die Magnum auf. Ein Zombie wurde von einem Kopfschuss weggerissen, der Inhalt seines Schädels spritzte in die Schatten, und die Kreatur fiel um. Ein ganzer Trupp umringte das Bett, streckte sich nach ihr. Methodisch erledigte sie ein Monster nach dem anderen.
    Das Licht kämpfte gegen die Dunkelheit der Morgendämmerung an. Immer mehr schwarze Flecken bedeckten die ohnehin schon schmutzigen Wände.
    Harris riss das Laken vom Bett und hängte es sich über die Schulter. Seine Nacktheit störte ihn, er fühlte sich unbehaglich und verletzlich. Jetzt war er hellwach, konnte wieder zusammenhängend denken, statt nur auf einen Fleisch gewordenen Albtraum zu reagieren. Da griff ein weiterer Zombie an, schneller als der andere. Dreadlocks hingen unter seiner bunten Wollmütze hervor.
    Er stürmte auf Harris zu, klapperte mit den verbliebenen Zähnen, sah in ihm seine nächste Mahlzeit.
    Harris stieß einen gutturalen Schrei aus, der nur noch entfernt menschlich klang, ein Brüllen urzeitlicher Wut, als er sich auf die Kreatur stürzte. Der Aufprall riss sie beide um.
    Er kroch über den Boden. Warf sich auf den untoten Kadaver. Hämmerte auf den Schädel ein, aber dieser war hart, unnachgiebig.
    Der Untote wand sich und warf ihn ab. Er krallte sich in den Schlafzimmerboden, zog sich vorwärts, verlor die Mütze. Ranzige Dreadlocks peitschten um seinen Kopf. Gierig jagte die Kreatur ihre Beute, versuchte, einen Fuß oder einen Arm zu fassen, ihre Zähne in Menschenfleisch zu schlagen. Von unersättlichem Hunger erfüllt und seinem Instinkt getrieben, kannte diese Bestie keine Angst.
    Sie schaute hoch zu dem Mann mit dem Bettlaken als improvisierte Toga um Leib und Schulter.
    Zu Harris mit seiner Kaliber-.12-Schrotflinte, die ständig griffbereit aufrecht neben dem Bett stand. Mit dem Daumen legte er den Sicherungshebel um. Es war schon eine Kugel in der Kammer. Als ihm die untote Kreatur mit schrillem Kreischen an die Gurgel sprang, zog er ab …
    Der kopflose Leib fiel zu Boden. Schießpulvergeruch vermischte sich mit dem Gestank von fauligem, verwesendem Fleisch. Harris lud die Schrotflinte durch und sprang auf das Bett, wo Julie stöhnend mit dem leeren Revolver als Keule auf zwei der Zombies einschlug, die von der anderen Seite nach ihr grabschten. Sie trat und schlug nach den Zombieschädeln, kämpfte um ihr Leben. Weigerte sich …
    Die in der Enge des Schlafzimmers noch verheerendere Schrotflintenladung riss beide Untote von den Beinen. Schleuderte einen gegen die Mauer, den Leib voller Bleikügelchen. Die zweite Bestie kippte zu den Boden, das halbe Gesicht und der komplette Kiefer weggerissen.
    Während er vom Bett stieg, lud Harris wieder nach. Die leere Patrone prallte von der Matratze ab und rollte klimpernd über das Parkett.
    »Alles in Ordnung, Julie?«
    Ihr Verhalten war kühl und beherrscht. Gelassen lud sie den Revolver aus einem der Magazine vom Nachttisch nach. In jeder Situation die Übersicht zu behalten, ist der Schlüssel zum Überleben. Das wusste Julie. Nur ihre bebende Stimme verriet sie, konnte den Schock und Ekel, die sie ergriffen hatten, nicht verbergen.
    »Alles bestens«, log sie. »Mir geht’s gut.«
    »Okay.« Harris atmete tief durch und schob die Füße in seine flachen Wanderstiefel, die mit offenen Schnürsenkeln neben dem Bett standen.
    Er konnte sie hören. Vor der Schlafzimmertür lauerten noch mehr Zombies. Sie schlichen über den Flur, suchten nach ihnen. Die Flinte auf die Tür gerichtet, ging er um das Bett zum

Weitere Kostenlose Bücher

Drachenzauber
Drachenzauber von authors_sort
Die Kaltzeller
Die Kaltzeller von Manly Wade Wellmann
Auf nassen Straßen
Auf nassen Straßen von Heinz G. Konsalik
Der letzte Bissen
Der letzte Bissen von Leo P. Ard
Die Herrin des Labyrints
Die Herrin des Labyrints von Andrea Schacht