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_ebook - GER_ - Francesca Shaw - Allerliebste

_ebook - GER_ - Francesca Shaw - Allerliebste

Titel: _ebook - GER_ - Francesca Shaw - Allerliebste
Autoren: Benutzer1
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KAPITEL 1
    Die Postkutsche geriet bedrohlich ins Schwanken, neigte sich unversehens stark nach rechts und kippte langsam um. Antonia Dane fiel dem neben ihr sitzenden dicken Mann auf den Schoß, klammerte sich erschrocken an die Aufschläge seines Gehrocks und plumpste mit ihm auf den Fußboden des Wagens. Auch die anderen Mitreisenden verloren den Halt, wurden von den Sitzen gerissen und schrien erschrocken auf. Entsetzt entschuldigte Antonia sich bei dem Herrn, auf den sie gefallen war, und versuchte unbeholfen, sich aufzurichten. „Maria!“ rief sie ängstlich.
    „Bist du verletzt?“
    „Nein, nur reichlich durcheinander“, antwortete die Freundin, drückte sich die Frisur zurecht und klemmte den Kneifer wieder auf die Nase. „Wir sollten so schnell wie möglich das Fahrzeug verlassen! Könnten Sie die Tür hochdrücken, Sir?“ fragte sie den neben sie gestürzten rotgesichtigen Mann. „Falls Ihnen das gelingen sollte, könnte ich hinausklettern.“
    Nach etlichen vergeblichen Anstrengungen schaffte er es, die Tür aufzumachen und Miss Donaldson durch die Öffnung zu stemmen. Umständlich mühte sie sich aus dem Wagen, gefolgt von der Frau mit dem weinenden Kind und Antonia.
    Verstört versammelten sich nach einer Weile die Reisenden auf der Straße und betrachteten aufgeregt die beschädigte Postkutsche. Die beiden Postillione schirrten die Pferde aus, beruhigten sie und debattierten dann laut mit den anderen Männern, wie man den tief in den Straßengraben gesunkenen Wagen aufrichten könne.
    Antonia strich sich die wirren braunen Locken aus dem Gesicht, setzte den Strohhut wieder ordentlich auf den Kopf und verknüpfte die Bänder. „Ich meine, wir erreichen nichts, wenn wir hier herumstehen und auf den Moment warten, in dem der Kutscher endlich begriffen hat, dass er jemanden zu Hilfe holen muss. Auf dem letzten Wegweiser stand, dass Rybury nur drei Meilen entfernt ist. Wir sollten unsere Mäntel und das Handgepäck an uns nehmen und in den Ort laufen. Dort können wir dann zumindest in einem Gasthaus in aller Ruhe darauf warten, dass uns das andere Gepäck gebracht wird.“
    Der rundliche Kurat wollte den Damen behilflich sein und versuchte angestrengt, ihnen die gewünschten Sachen aus dem Wagen zu holen. Plötzlich hörte man Hufschlag und sah einen Augenblick später zwei Reiter um die Biegung kommen.
    Beim Anblick der umgekippten Postkutsche hielten sie sofort die Pferde an.
    „Mylord!“ rief der Kurat erfreut aus. „Die göttliche Vorsehung muss Sie zu uns geschickt haben. Bitte haben Sie die Güte, Ihrem Diener den Auftrag zu geben, uns beim Aufrichten des Fahrzeuges behilflich zu sein.“ Der Gentleman saß ab, warf die Zügel seinem Bediensteten zu und betrachtete den im Straßengraben liegenden Wagen. „Wurde jemand verletzt, Mr. Todd?“ erkundigte er sich und ließ den Blick über die Passagiere schweifen.
    Antonia sah seine braunen Augen sich erst auf sie und dann auf ihre Freundin richten und errötete indigniert, weil er sie nur eines flüchtigen Blicks gewürdigt hatte. Sie trug zwar nur einfache Sachen und sah nach der langen Fahrt bestimmt nicht sehr vorteilhaft aus, war es jedoch gewohnt, durch ihre gut gewachsene Gestalt und ihr attraktives Aussehen entschieden mehr Aufmerksamkeit zu erregen, als der Mann ihr geschenkt hatte.
    Sein dunkelblondes Haar, das ihrer Ansicht nach viel zu lang war, flatterte im Wind.
    Er war leger gekleidet, doch Schnitt und Qualität der von ihm getragenen Sachen ließen erkennen, dass sie von einem guten Schneider stammten und er, im Gegensatz zu Antonia, nicht jeden Penny zwei Mal umdrehen musste, ehe er ihn ausgab.
    Mr. Todd ging zu ihm, erklärte ihm, wie es zu dem Unfall gekommen war, und hob den glücklichen Umstand hervor, dass niemand sich dabei verletzt hatte. Der Diener gesellte sich mit seinem Pferd hinzu und fragte, ob er ins Dorf reiten und Hilfe holen solle.
    „Nein, das ist nicht nötig, Saye. Wir sind an Shoebridge und Otterly vorbeigekommen. Holen Sie die beiden. Dann sind wir auf jeden Fall genügend Männer, um die Kutsche aufrichten zu können. Zunächst jedoch wollen wir es ohne ihre Hilfe versuchen.“
    Der Bedienstete ritt davon. Seine Lordschaft begann, den Kutschern und männlichen Mitreisenden die erforderlichen Anweisungen zum Aufrichten des Wagens zu erteilen.
    Dann zog er die Jacke aus, rollte die Hemdsärmel hoch und half, die Postkutsche hochzustemmen und auf die Straße zu schieben. Die Postillione schirrten die

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