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Durchschaut - Das Geheimnis, kleine und große Luegen zu entlarven

Titel: Durchschaut - Das Geheimnis, kleine und große Luegen zu entlarven
Autoren: Jack Nasher
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Wie es zu diesem Buch kam
    Â»Aus der Villa Kennedy in den Knast« war der Titel eines Artikels in der Frankfurter Rundschau vom 18. August 2008. Nach einigen Wochen Untersuchungshaft wurden die beiden Australier Wayne A. und Antonio I. in Handschellen in das Amtsgericht Frankfurt am Main geführt. Ersteren, schmal und gebräunt, bezeichnete die Zeitung treffend als »Typ verlebter Dandy«. Antonio I., während der gesamten Verhandlung temperaturunabhängig in eine enorme Daunenjacke gehüllt, spielte offensichtlich die zweite Geige.
    Was war geschehen? Die beiden hatten sich für mehrere Monate in die Präsidentensuite eines Frankfurter Luxushotels einquartiert. Beim emsigen Packen wurden sie von der Polizei überrascht - sie wollten einen Tag vor ihrem offiziellen Check-out nach Sydney abreisen. Freilich ohne vorher die Rechnung - knapp 150.000 Euro - zu begleichen. Ein Missverständnis? Nun, es stellte sich heraus, dass die beiden »Geschäftsmänner« mit Firmensitzen von Dubai bis New York völlig mittellos waren.
    Die hohe Hotelrechnung rührte übrigens nicht nur vom Zimmerpreis her. Auch sonst ließen sich die beiden nicht lumpen. Neben dem üppigen Roomservice betrug allein die Forderung des hauseigenen Coiffeurs an Antonio mehrere Tausend Euro. Das war insbesondere deshalb so bemerkenswert, weil Antonio kahl war wie ein Knie.
    Die Naivität des Hotels wurde allseitig verhöhnt, und eines war klar: Die beiden Herren schuldeten dem Haus viel
Geld. Aber hatten sie sich auch strafbar gemacht? Um sich nach deutschem Recht wegen Betrugs strafbar zu machen, hätten sie die Absicht haben müssen, nicht zu zahlen. Aber war das wirklich der Fall, oder gingen die Herren von heute auf morgen bankrott und konnten urplötzlich nicht mehr zahlen - eben entgegen ihrer eigentlichen Absicht? Das mag sich nach einer juristischen Nuance anhören - für die Frage, ob die zwei Australier betrogen hatten oder nicht, ist es aber von entscheidender Bedeutung.
    Ich nahm als Prozessbeobachter an dem Verfahren teil. Dabei erschien es mir völlig ungeklärt, ob die beiden überraschend mittellos geworden waren oder tatsächlich betrügen wollten. Darüber unterhielt ich mich mit dem Vorsitzenden Richter, einem erfahrenen Mann, der mit seiner natürlichen Autorität und seinen sehr präzisen Fragen einen guten Eindruck auf mich gemacht hatte. Als ich ihm offenbarte, dass ich eine Verurteilung der Angeklagten problematisch sähe, legte er los: Er könne Betrüger schon daran erkennen, wie sie in den Gerichtssaal hereinkämen. Einmal hätte er als Tourist in Australien ein Gericht besucht und auf Anhieb gewusst, dass der Angeklagte schuldig war - ohne dessen Worte einwandfrei verstanden zu haben. Genau so verhalte es sich auch mit den Angeklagten hier (die selbstverständlich einen Dolmetscher zur Seite hatten) - er erkenne an ihrem bloßen Auftritt, dass sie logen.
    Dieses Selbstbewusstsein stimmte mich sehr nachdenklich. Kann man Lügner wirklich so eindeutig entlarven? Gibt es den typischen Gang, die typische Stimme des Lügners?
    Wie schön, wenn es so leicht wäre!

Die Entstehung dieses Buches
    Ich wollte es wissen - und vertiefte mich daher in das Gebiet der Lügenforschung, mit dem ich bisher nur am Rande zu tun gehabt hatte. Während meines Studiums in Trier und Oxford hatte ich ein psychologisches System von Techniken entwickelt, mit denen man Fachkompetenz zeigt; ich nannte es Competence Display . Dieses Thema ist gerade für Dienstleister wie Rechtsanwälte, Berater und Banker wichtig - für Menschen also, die nichts als ihre Kompetenz anbieten und diese daher auch darstellen müssen. Doch gerade in Zeiten der Bankenkrise, zu deren Höhepunkt ich auch noch im Krisenzentrum New York lebte, wurde ich immer häufiger gefragt, wie man Inkompetenz entlarvt. Als ich dieser Frage nachging, wurde eines immer deutlicher: Das Entlarven von Inkompetenz ist nichts anderes als das Entlarven einer Lüge - der Lüge über die vermeintliche Fachkompetenz.
    Damit war ich wieder bei dem Phänomen Lüge angekommen, einem Thema, das mich ja ohnehin schon interessierte. Wenn ich Inkompetenz entlarven wollte, musste ich lernen, Lügen zu entlarven.
    Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Der Mensch ist besser als jeder moderne Lügendetektor. Aber er braucht die richtige Technik. Damit kann er, allein indem er auf den

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