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Dunkle Sehnsucht des Verlangens

Dunkle Sehnsucht des Verlangens

Titel: Dunkle Sehnsucht des Verlangens
Autoren: Christine Feehan
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begeisterten Schüler weiterzugeben.
Als Gegenleistung verlangte er lediglich Julians Stillschweigen. Mit zwölf
hielt Julian das alles für ein aufregendes Spiel.
    Im Nachhinein fragte er sich, ob
er sich so sehr nach mehr Wissen gesehnt hatte, dass er die Warnzeichen absichtlich
übersehen hatte. Julian erlernte viele wunderbare neue Fähigkeiten, doch dann
erfuhr er eines Tages plötzlich die schreckliche Wahrheit. Er kam ein wenig zu
früh zur Höhle, hörte Schreie und rannte hinein. Dort sah er seinen jungen,
faszinierenden Freund, der in Wirklichkeit ein furchtbares, mordgieriges
Ungeheuer war - ein Karpatianer, der seine Seele verloren hatte und zum Vampir
geworden war. Als Zwölfjähriger verfügte Julian noch nicht über die Kräfte, um
die hilflosen Opfer zu retten, denen der Vampir das Blut aussaugte, nicht um
sich zu nähren, wie es ein Karpatianer tun würde, sondern um sie zu töten.
    Die Erinnerung hatte sich
unauslöschlich in Julians Seele eingebrannt. Die blutüberströmten Menschen, die
Schreie, das Entsetzen. Und dann griff der Vampir nach seinem einst so
ehrfürchtigen Schüler und zog ihn an sich, sodass Julian seinen übel riechenden
Atem registrierte und sein spöttisches Gelächter hören konnte. Der Vampir
schlug seine Fänge in Julians Körper, tötete ihn jedoch nicht. Julian erinnerte
sich genau daran, wie der Untote sich die Pulsader öffnete und sie an seinen,
Julians, Mund presste. Er zwang ihn, sein verdorbenes Blut zu trinken, und
durch den Blutaustausch brachte er den Jungen in seine Gewalt. Er wollte Julian
zu seinem Sklaven machen und ihn dazu zwingen, bis in alle Ewigkeit mit ihm
verbunden zu sein.
    Doch auch damit endete die
Schande nicht, denn der Vampir begann sofort damit, Julian gegen seinen Willen
als Spion einzusetzen, um das Volk auszukundschaften, dem auch er einmal
angehört hatte, das er nun aber vernichten wollte. Mit Julians Hilfe konnte der
Untote den Prinzen oder den Heiler der Karpatianer belauschen, sobald der Junge
in ihrer Nähe war. Schließlich drohte der Vampir sogar, ihn dazu zu benutzen,
seinen Zwillingsbruder Aidan zu töten. Und Julian wusste, dass es möglich war.
Er spürte, wie sich die Finsternis in seinem Innern ausbreitete und wie der
Vampir manchmal die Welt durch seine Augen betrachtete. Mehrmals war Aidan nur
um Haaresbreite einer Falle entgangen, die Julian ihm im Bann des Vampirs gestellt
hatte, ohne es zu wissen.
    Und so hatte sich Julian vor
vielen Jahrhunderten geschworen, sein Leben allein zu verbringen, damit sein
Volk und sein geliebter Bruder vor ihm und dem Vampir sicher waren. Er hielt
sich, so gut es ging, von den anderen fern, bis er sich das Wissen und die
Fähigkeiten der Karpatianer angeeignet hatte und alt genug war, allein durch
die Welt zu ziehen. Das Blut seines Volkes rann noch immer voller Kraft durch
seine Adern, und er bemühte sich, gut und ehrenhaft zu leben und die Finsternis
in seiner Seele zu bekämpfen. Es war Julian gelungen, einen weiteren
Blutaustausch mit dem Vampir zu vermeiden, und er hatte zahllose andere Untote
gejagt und getötet. Doch der Vampir, der sein Leben zerstört hatte, entwischte
ihm immer wieder.
    Julian war inzwischen größer und
muskulöser als die meisten anderen Männer seines Volkes, und während viele
Karpatianer dunkle Haare und Augen hatten, ähnelte Julian mit seinem langen
blonden Haar, das er im Nacken mit einem Lederband zusammenhielt, einem Wikinger.
Seine Augen waren bernsteinfarben. Schon oft hatte Julian seinen
faszinierenden, glühenden Blick dazu benutzt, seine Opfer zu hypnotisieren. Er
blickte sich auf der Straße um, entdeckte jedoch keinen Grund für die innere
Unruhe, die er verspürte. Julian bewegte sich mit der Kraft und Geschmeidigkeit
einer Raubkatze. Wenn es sein musste, konnte er so still und unüberwindlich
dastehen wie ein Fels oder eins werden mit dem Rauschen des Windes oder der
Wellen. Er verfügte über enorme Fälligkeiten, sprach viele verschiedene
Sprachen, war jedoch immer allein.
    In jüngeren Jahren hatte er viel
Zeit in Italien verbracht und war später nach New Orleans gezogen, in dessen
French Quarter seine dunkle, geheimnisvolle Aura kaum jemanden gestört hatte.
Doch vor nicht allzu langer Zeit hatte er seinen Wohnsitz dort aufgegeben, wohl
wissend, dass er nie zurückkehren würde. Wenn er diese letzte Aufgabe erfüllt
hatte, würde es keinen Grund mehr geben, sein elendes Dasein zu verlängern.
    Julian hörte die Gespräche der
Gäste in der Bar,

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