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Dunkle Sehnsucht des Verlangens

Dunkle Sehnsucht des Verlangens

Titel: Dunkle Sehnsucht des Verlangens
Autoren: Christine Feehan
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    Kapitel 1
    Julian Savage blieb an der Tür
der überfüllten Barstehen. Er war in diese Stadt gekommen, um eine letzte
Pflicht zu erfüllen, ehe er seinem Entschluss folgen würde, die ewige Ruhe der
Karpatianer zu suchen. Als einer der ältesten seines Volkes war Julian müde
geworden. Jahrhundertelang hatte er in einer trostlosen, grauen Welt ausgeharrt,
ohne Farben sehen oder Gefühle empfinden zu können. Dies war nur den jüngeren
Männern vergönnt oder denen, die ihre Gefährtin gefunden hatten. Trotzdem galt
es noch, eine letzte Aufgabe zu erledigen, um die ihn der Prinz der Karpatianer
gebeten hatte. Danach konnte Julian dem todbringenden Sonnenaufgang mit ruhigem
Gewissen entgegensehen. Er stand nicht etwa kurz davor, seine Seele zu
verlieren und sich in einen Vampir zu verwandeln. Nein, wenn er wollte, könnte
er noch länger aushalten, doch es war die endlose Leere seines Lebens gewesen,
die zu seinem Entschluss geführt hatte.
    Dennoch konnte er sich seiner
Pflicht nicht entziehen. In den vielen Jahrhunderten seines Lebens hatte Julian
seinem aussterbenden Volk nicht viel Gutes getan. Zwar war er ein mächtiger
Vampirjäger, der in seinem Volk großes Ansehen genoss, aber wie die meisten
Jäger wusste auch Julian, dass nur der aggressive Killerinstinkt eines
karpatianischen Mannes ihn so erfolgreich machte. Es gehörte kein spezielles
Talent dazu. Gregori, der große Heiler des karpatianischen Volkes, der allein
dem Prinzen unterstand, hatte Julian die Nachricht geschickt, dass die
Sängerin, nach der er jetzt suchte, auf der Opferliste eines fanatischen
Geheimbundes menschlicher Vampirjäger stand, die in ihrer blindwütigen Mordlust
oft nicht nur Karpatianer, sondern auch Menschen verfolgten, die ihnen ungewöhnlich
erschienen. Die Mitglieder des Geheimbundes hatten ausgesprochen primitive
Vorstellungen von den Eigenschaften eines Vampirs - wenn man das Tageslicht
vermied oder sich von Blut ernährte, war man in ihren Augen ein seelenloser
Untoter, der sich dem Bösen verschrieben hatte. Dabei waren Julian und sein
Volk der beste Beweis dafür, dass dieser Glaube keineswegs den Tatsachen entsprach.
    Julian wusste genau, warum man
ihm die Aufgabe übertragen hatte, die Sängerin zu warnen und zu beschützen.
Gregori war fest entschlossen, ihn nicht zu verlieren. Der Heiler konnte
Julians Gedanken lesen und wusste von seinem Entschluss, sein freudloses Dasein
zu beenden. Doch Gregori wusste auch, dass Julian nun sein Wort gegeben hatte,
die Frau vor dem Geheimbund der Mörder zu beschützen, und nicht ruhen würde,
bis sie in Sicherheit war. Gregori wollte Zeit gewinnen, doch es würde ihm
nichts nützen.
    Julian hatte weit mehr als eine
Lebenszeit damit verbracht, sich von seinem Volk und selbst von seinem Zwillingsbruder
fern zu halten. Er galt als Einzelgänger in einem Volk, das aus allein
stehenden Männern bestand. Die Karpatianer waren vom Aussterben bedroht, obwohl
Prinz Mikhail verzweifelt versuchte, ihnen neue Hoffnung zu geben und Gefährtinnen
für sie zu finden. Außerdem suchte er nach Wegen, die Neugeborenen am Leben zu
erhalten, um die schwindende Zahl der Karpatianer wieder zu vergrößern. Doch
Julian blieb keine andere Wahl, als allein zu sein, mit den Wölfen
umherzuziehen, mit den Raubvögeln in den Himmel zu steigen und mit den Pantern
zu jagen. Nur selten hielt er sich unter Menschen auf, meistens um in einem
gerechten Krieg zu kämpfen oder seine besonderen Fähigkeiten in den Dienst
einer guten Sache zu stellen. Doch die meisten Jahre seines Lebens hatte Julian
allein verbracht. Er war durch die Welt gezogen, einsam und selbst von seinem
Volk unerkannt.
    Julian stand still und dachte an
die fatale Dummheit zurück, die er in seiner Jugend begangen hatte - an den
schrecklichen Augenblick, in dem er einen Weg eingeschlagen hatte, der sein
Leben für immer verändern sollte.
    Er war erst zwölf Jahre alt
gewesen. Schon in diesem Alter war Julian von unstillbarem Wissensdurst
beherrscht. Normalerweise waren er und sein Zwillingsbruder Aidan unzertrennlich,
doch an diesem Tag hörte Julian in weiter Ferne einen eigenartigen Ruf, dem er
nicht widerstehen konnte. Damals, als kleiner Junge, war Julian von Tatendrang
erfüllt, und so schlich er sich unbemerkt fort, um dem Lockrufeines
geheimnisvollen Versprechens zu folgen. Tief in den Bergen entdeckte er ein
Labyrinth aus Höhlen und traf dort einen Zauberer - freundlich, faszinierend
und bereit, sein immenses Wissen an einen jungen,

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