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Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad

Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad

Titel: Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad
Autoren: Walter H. Hunt
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nahm die Form einer Hand an, die nach Sergei zu greifen versuchte. Er fühlte, wie Angst einem eigenständigen, lebenden Wesen gleich sich in ihm ausbreitete.
    Seine Hände ertasteten das fauchende gyaryu. Er streckte die Flügel aus, um sich zu schützen …
    Das Interkom erwachte plötzlich zum Leben: »Wir werden in weniger als einer Stunde ankommen, Sir. Ortszeit auf der Basis ist 0630. Haben Sie irgendeinen Wunsch?«
    Sergei ließ langsam die Arme sinken. Ihm fiel auf, dass er die Flügelhaltung enSha’e’esLi eingenommen hatte, der Umhüllende Schutz für esLi Sorgfältig legte er das Schwert zurück auf seinen Schoß. Er bekam eine Gänsehaut, dann verschwanden die Flügel.
    »Mr Torrijos?«, plärrte es aus der Bordsprechanlage. Die Stimme klang nun etwas drängender.
    »Ja, verdammt«, brachte Sergei schließlich heraus. »Hat man denn hier nie seine Ruhe? Nein, ich brauche nichts.«
    Er sah zu seinen Schultern und hatte fast das Gefühl, wieder die Flügel sehen zu können.
    Du bist wohl eingedöst, du alter Narr, dachte er. Die Ebene der Schmach, Flügel, die aus deinen Schultern wachsen – du weißt doch gar nicht mehr, ob du schon schläfst oder noch wach bist.
    Sein Blick kehrte zurück zum Holo. Die Kugel, die den Planeten Cicero zeigte, war größer geworden, präsentierte sich nun aber wieder als normale Welt.
    So fangt es an, dachte er. Wer hatte vor Angst aufgeschrien … und was hatte ihn berühren wollen?
    Über das Interkom des Schiffs ertönte ein Alarm, aber Sergei war längst wieder in seine Gedanken versunken.

 2. Kapitel
     
     
    Eine steife Brise wehte über die Landebahn, zerrte an den Fahnen und drang durch die Galauniformen der Truppe, die in Habtachtstellung dastanden und darauf warteten, dass der Shuttle zum Stehen kam. Es war ein schöner, klarer und kalter Morgen – und damit unangenehm genug für eine lästige Inspektion.
    Jackie Laperriere wartete zusammen mit ihrem Stab. Trotz ihres dicken Mantels konnte sie die Kälte deutlich spüren. Sie hätte diese Aufgabe einem ihrer Untergebenen übertragen können, doch für sie war es ein besonderes Vergnügen, den Kontrollturm zu verlassen und sich auf das Rollfeld zu begeben. Außerdem bekam sie so die Gelegenheit, dem Admiral und den Mitgliedern seiner Delegation persönlich zu begegnen – allen voran jenem rätselhaften Gyaryu’har, dem berühmten Sergei Torrijos, dem letzten Überlebenden aus der Zeit der Kriege mit dem heute wichtigsten Verbündeten der Menschheit.
    Ch’k’te sah dem anstehenden Besuch mit gemischten Gefühlen entgegen, nicht zuletzt wegen jenes beunruhigenden Zwischenfalls am Morgen. Er war ein Fühlender, und ihm war bewusst geworden, dass dieses Ereignis etwas Wesentliches darstellte.
     
    Als Ch’k’te kurz vor 0700 in ihrem Büro eingetroffen war, hatte sie auf ihrem üblichen Platz am Konferenztisch gesessen. Ihr war deutlich anzusehen gewesen, wie aufgewühlt sie gewesen war. Ch’k’te blieb in Habtachtstellung stehen, bis sie ihn ausdrücklich aufforderte, sich zu rühren, dann setzte er sich ihr gegenüber an den Tisch.
    »Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir erklären könnten, was geschehen ist.«
    »Es tut mir äußerst leid, se Commodore, dass ich nicht …«
    »Eine Erklärung, Commander Ch’k’te«, unterbrach sie ihn. »Ich habe keine Entschuldigung verlangt.«
    Für den Bruchteil einer Sekunde flammte in Ch’k’te Wut auf, die er aber so schnell wieder unter Kontrolle hatte, dass sich seine Klauen nicht einmal einen Zentimeter weit herausschoben. Und doch hatte Jackie den kurzen Moment der Anspannung mitbekommen.
    »Es tut mir leid«, sagte sie. »Die letzten Tage waren recht schwierig. Ich spürte Ihre geistige Berührung, doch diese Bilder … sie waren sehr deutlich. Verzeihen Sie meine Ungeduld. Was ist da geschehen?«
    »Etwas von außerhalb schaltete sich in unseren Kontakt ein, etwas Feindseliges und Fremdes.«
    »Etwas Fremdes? Welche Spezies?«
    »Keine, die mir bekannt wäre. Es war weder Mensch noch Rashk oder Otran. Es handelte sich eindeutig um niemanden vom Volk, aber es war unbestreitbar etwas sehr Mächtiges, se Commodore. Mentale Kontakte finden auch zwischen zwei dafür ausgebildeten Fühlenden ohne Worte statt. Doch dieser Geist war viel mächtiger, so mächtig, dass er die Verbindung vollständig beherrschte.«
    »War es … war es das, was wir sahen?«
    »Ein Fühlender schafft manchmal eine Gedankenform, um ein bestimmtes Gefühl zu beschreiben. Angst

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