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Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad

Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad

Titel: Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad
Autoren: Walter H. Hunt
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möchte, dass du dich nach dem Morgenmahl mit ihr in ihrem Bereitschaftsraum triffst.«
    Ch’k’te sah zu, wie ein Geschwader Flugzeuge in den Himmel aufstieg.
    »Ist sie jetzt schon dort?«, fragte er, ohne sich umzudrehen.
    »Ich … ich glaube ja, Cousin.«
    »Sehr gut. Dann leg meine Uniform bereit, se N’kareu, während ich noch einen Moment lang nachdenke.« Der jüngere Zor verbeugte sich und ging ins Schlafzimmer.
    Ch’k’te ließ seine ausgefahrenen Klauen auf der Fensterbank ruhen, dann befreite er seinen Verstand von allen Gedanken. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf den Kreis von esLi, den Inneren und den Äußeren Frieden. Langsam verblasste das flackernde Licht auf der Nickhaut, und die leisen Geräusche, die sein alHyu verursachte, gerieten allmählich in den Hintergrund, während sein Geist sich auszudehnen begann.
    Über die Jahre hinweg hatte er sich dieser morgendlichen Übung bedient, um sich mit den Strukturen des menschlichen Geistes vertraut zu machen, von dem er hier auf Cicero umgeben war. Vor allem machte er sich dabei mit dem hsi seiner Vorgesetzten Commodore Laperriere vertraut, und es waren ihre Muster, nach denen er als Erstes Ausschau hielt.
    Er nahm sie fast sofort wahr: eine starke und extrem fremde Persönlichkeit, ein Geist, der sich schnell bewegte, um die Müdigkeit zu vertreiben. So wie jedes Mal, wenn er ihren Geist klar und deutlich berührte, konnte er fast sehen, wie sie von dem Bericht aufblickte, den sie las, und dabei seinen Namen halb laut, halb in Gedanken aussprach.
    »Ch’k’te?«
    Begleitet war dieses Wort von einer Fülle von Gefühlen. Die Geistberührung, die für Ch’k’te als Fühlendem etwas ganz Natürliches darstellte, war für den Commodore eine neuartige Erfahrung. Sie war dem Gedanken mit einiger Sorge begegnet, konnte sich im Lauf der Zeit dennoch daran gewöhnen. Die Möglichkeit, in einem Notfall auf diesem Weg zu kommunizieren, hatte sie vor allem anderen dazu motiviert, sich auf dieses Experiment einzulassen. Ch’k’te seinerseits hatte sich über die Gelegenheit gefreut, mehr über diese ihn stets so verwirrenden menschlichen Verbündeten zu erfahren.
    Der gesprochene Name klang, als komme er vom Grund eines tiefen Brunnenschachts. Er verspürte einen sonderbaren Druck, der am Rand seines Bewusstseins nagte, als habe jemand zum ersten Mal seinen Geist wahrgenommen und wolle nun herausfinden, woraus er bestand.
    Ch’k’te?
    Dunkle Schemen bewegten sich durch die Leere. Er verspürte ein äußerst unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Darunter regte sich eine rasch wachsende Angst, die ihren Ursprung bei Jackie hatte.
    Er versuchte, ihren Namen auszusprechen, doch er blieb stumm, als sei bereits das Bemühen zu viel.
    Sie war keine Fühlende, daher konnte sie keine imaginären Gedankenformen und -konstrukte bilden, um mentale Attacken zu bändigen. Was immer es war, das ihre zarte Gedankenverbindung berührt hatte, attackierte nun Jackie mit brutalen Energien, und sie verstärkte deren Wirkung auch noch durch ihre eigene Angst.
    Ch’k’te?, hörte er sie abermals sagen.
    Die Emotionen wurden stärker, die düsteren Formen rückten näher. Er konnte sie fast erkennen: gewaltige Ungeheuer, die schlimmsten albtraumhaften Gestalten, die esGa’u schicken konnte, um kleine Nestlinge zu erschrecken. Sein Bewusstsein kämpfte gegen die Vorstellung an, seine Phantasie könnte all das erst geschaffen haben, und er versuchte, die Verbindung zu unterbrechen. Er musste feststellen, dass ihm das nicht möglich war. Sein Herz begann schneller zu schlagen, als er sich den Erscheinungen zuwandte, die sich ihm langsam näherten.
    Die Gestalt, die ihm am nächsten war, versuchte ihn zu berühren …
    »Ch’k’te?«
    Im gesamten Volk sind die Reflexe eines Soldaten wohl die, die am tiefsten in Fleisch und Blut übergegangen sind. Er muss sich auf sie verlassen können, wenn er überleben will. Bei der ersten Berührung griff Ch’k’te nach dem Tentakel, der sich in seine Richtung streckte, und hob die Hände, um das Ding mit enGa’e’Li, der Kraft des Wahnsinns, von sich zu schleudern.
    Langsam öffnete er die Augen, um zu sehen, wonach er gegriffen hatte … und stellte fest, dass er einen sehr erschrocken dreinblickenden N’kareu über seinem Kopf hielt.
    Ch’k’te zwang sein Herz dazu, wieder langsamer zu schlagen, bis es eine normale Frequenz erreicht hatte, dann setzte er seinen Cousin auf dem Boden ab. Er strich die

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