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Du oder die grosse Liebe

Du oder die grosse Liebe

Titel: Du oder die grosse Liebe
Autoren: Simone Elkeles
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glückliches Ende nehmen wird, wenn deine Mutter ins Zimmer kommt und ihren fünfzehnjährigen Sohn, umringt von seinem persönlichen Harem, vorfindet. Du kennst ihren Beschützerinstinkt, Luis.«
    »Wenn sie wie meine Mom ist, wird sie ausflippen«, sagt Angelica und fügt, an die anderen Mädchen gewandt, hinzu: »Vielleicht sollten wir lieber gehen.«
    Mit Angelica habe ich ein paar Mal auf Partys rumgeknutscht. Si e hat auch mexikanische Eltern, daher weiß sie, wovon Brittany spricht. Die anderen Mädchen dagegen haben keine Ahnung, wie gluckenhaft mexikanische Mütter sein können.
    Ich verspreche den Mädchen, ihnen zu simsen, wenn ich meine Hände wieder gebrauchen kann, und sie gehen, kurz bevor mi’amá zurück ins Zimmer kommt.
    »Von wem sind die Ballons?«, fragt sie. »Von diesen Mädchen, denen ich im Flur begegnet bin?«
    »Ja«, sage ich. »Nur ein paar Freundinnen aus der Schule.« Es gibt keinen Grund, ins Detail zu gehen und ihr zu erzählen, dass ich mit drei von den fünfen an irgendeinem Punkt schon was laufen hatte. Damit würde ich mir bloß eine weitere Moralpredigt einhandeln, was ich unter allen Umständen vermeiden will.
    Der Doc entlässt mich eine halbe Stunde später, nachdem er mi’amá Anweisungen gegeben hat, wie meine Wunden zu Hause zu versorgen sind.
    »Du bist nicht unbesiegbar«, sagt Alex zu mir, als Brittany und mi’amá das Zimmer verlassen haben. »Niemand von uns ist das. Denk daran.«
    »Schon klar.«
    Er bohrt einen Finger in meine Brust und stellt sich mir in den Weg. »Hör mir zu, Luis, weil ich nur zu gut weiß, was in deinem Kopf vorgegangen ist, als du beschlossen hast, diesen Felsen zu besteigen, ohne gesichert zu sein. Du brauchst den Kick und willst dir und allen beweisen, dass du auf die Gefahr scheißt. Ich habe einen Bruder beim Militär, einen besten Freund, der seit über vier Jahren tot und begraben ist, und ich werde mich nicht entspannt zurücklehnen, während mein kleiner Bruder la tengo dura davon bekommt, mit der Gefahr zu flirten.«
    »Du nimmst das Leben viel zu ernst«, sage ich und schiebe mich an ihm vorbei. »Ich bin nicht mehr dein kleines Brüderchen, Alex. Ich bin nicht mehr so unschuldig, wie du glaubst. Ich bin fast sechzehn. Und weißt du was? Brooke, das Mädchen, das mir vorhin die Plätzchen mitgebracht hat, ist ebenfalls nicht die Unschuld in Person. Willst du wissen, wie ich das rausgekriegt habe?«
    Ich kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, als Alex sich die Hände auf die Ohren presst, als wären es Ohrenschützer.
    »Sag’s mir nicht«, meint er. »Du bist verdammt noch mal zu jung dafür, Brüderchen. Und ich schwöre dir: Falls du ein Mädchen schwängerst, wirst du mehr als nur zwei bandagierte Hände haben, um die du dich kümmern musst.«

4
    Nikki
    Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Jedes Mal wenn mein Telefon klingelt und ich sehe, dass es nicht Marco ist, drücke ich das Gespräch weg. Jedes Mal wenn ich eine SMS von einem meiner Freunde bekomme, ignoriere ich sie.
    Ich weiß nicht, wie lang ich schon weinend am Strand sitze, aber das ist mir egal. Ich bitte mein Baby, mir Kraft zu geben, aber ich fühle mich schwächer als je zuvor.
    Bis ich eine vertraute Stimme höre. »Nik!«
    Ich hebe den Kopf. Es ist Kendall. Kendall und ich sind beste Freundinnen, seit wir am Fototag im Kindergarten das gleiche Kleid anhatten und allen erzählten, wir wären Zwillinge. Wir blieben dabei, selbst als Miss Trudy sagte, dass Lügen den wesentlichen Grundsätzen der Einrichtung widerspräche. Damals, als wir vier waren, verstanden wir nicht, was sie mit wesentlichen Grundsätzen meinte, aber da Miss Trudy ihre strengste Stimme benutzte, wussten wir, dass wir in Schwierigkeiten steckten.
    Bevor ich etwas sagen kann, kniet sie vor mir. »Ich hab’s gehört.«
    Sie hat vielleicht von der Trennung gehört, aber sie hat keinen Schimmer, dass ich schwanger sein könnte. Ich vergrabe das Gesicht in den Händen. »Ich kann es einfach nicht glauben.«
    »Ich weiß.« Sie setzt sich neben mich.
    »Die Gang war ihm wichtiger als ich.« Ich sehe meine beste Freundin an, die helles Haar und haselnussbraune Augen hat – das genaue Gegenteil von mir. »Er hat gesagt, ich wäre ihm nicht mexikanisch genug.«
    Kendall schüttelt den Kopf und schnaubt. »Er ist ein Idiot.«
    Ich schniefe ein paar Mal, dann mache ich den Versuch, mir die Tränen abzuwischen. »Wie hast du mich gefunden?«
    Sie windet sich. »Ich habe versucht, dich

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