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DS074 - Der teuflische Plan

DS074 - Der teuflische Plan

Titel: DS074 - Der teuflische Plan
Autoren: Kenneth Robeson
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1.
     
    Liona Ellison geriet auf sehr einfache Art in die Klemme. Sie selbst war daran völlig unschuldig, denn alles, was wie tat, war, nach einem Job zu suchen.
    Erstens stand Liona praktisch ohne Penny da, und nach ihrer Ansicht brauchte im Moment niemand dringender einen Job als sie. Zweitens war sie eine Dompteuse, also gab es für sie nicht allzu viele offene Stellen, nachdem sich das Zirkusgeschäft seit langem in der Flaute befand. Sie war äußerst tüchtig in ihrem Beruf, es gab nur einfach keine Jobs. Ihre Spezialität waren Großkatzen. Sie wurde mit allen fertig. Brüllende Löwen und fauchende Tiger, alle sprangen gehorsam auf ihre Podeste, wenn sie mit dem Finger auf sie zeigte.
    Wenn Sie in der Vorstellung leben, weibliche Löwenbändiger seien maskuline Frauen ohne Nerven und mit Haaren auf den Zähnen, bar jeder zarten Gefühle und Empfindungen, sollten Sie diese Vorstellung schleunigst fallenlassen. Insbesondere Liona Ellison war nicht so.
    Sie war klein und zart, und vielleicht gerade deshalb liebte das Zirkuspublikum sie und ebenso die Zirkusleute. Nach ihrem letzten Auftritt hatte ihr der Zirkusdirektor einen Kuß gegeben, ohne ihre Erlaubnis, und so waren sie ins Handgemenge geraten. Es war hinter dem Küchenwagen gewesen, und der Zirkusdirektor hatte dabei ein blaues Auge bekommen. Liona erhielt die fristlose Kündigung, denn dem Direktor gehörten zufällig die Mehrheitsanteile an dem fahrenden Unternehmen. Daher hatte er das unumschränkte Sagen.
    All dies erklärte, wie es kam, daß Liona in Kirksville, Missouri, aus dem Zug stieg, beklommen in ihr Portemonnaie sah und wie erwartet feststellte, daß es nur noch sechs Dollar und ein paar krumme Cents enthielt.
    Nun, viel schlimmer kann es jedenfalls nicht mehr kommen
, dachte sie grimmig. Aber da sollte sie sich irren.
    Liona gab ihren Koffer bei der Gepäckaufbewahrung auf und ging in die Stadt hinein. Sie sah sofort, daß ein Zirkus dort war. Sämtliche Anschlagtafeln und noch manches mehr waren mit Plakaten bepflastert.
    Plötzlich hörte sie Marschmusik und wußte, daß die Zirkusparade kam. Auf den Gehsteigen drängten sich die Schaulustigen, und aus dem Interesse, das sie zeigten, wußte Liona, daß dies eine gute Stadt für einen Zirkus war.
    Dann kam die Parade auch bereits die Straße herauf. Voran die Kapelle, gleich dahinter die Elefanten und all das, was einen zünftigen Zirkus ausmacht. Zwei Nilpferde im Käfig, Zebras, dann ein ganzer Käfig voller Affen und ein anderer mit Hyänen. Das ganze lebende Inventar, das einen ordentlichen Zirkus ausmacht, zog lärmend und farbenprächtig vorbei.
    Liona atmete hastig, beinahe so aufgeregt wie ein kleines Mädchen, das seine erste Zirkusparade sieht. Ihr wurden die Augen feucht. Erst jetzt wurde ihr bewußt, wie sehr sie all das vermißt hatte.
    Und so ging sie, um sich um die ausgeschriebene freie Stelle zu bewerben.
    Das Stellenangebot war in der örtlichen Zeitung erschienen, und Liona hatte die Anzeige ausgeschnitten und bei sich. Sie kannte sie inzwischen auswendig:
     
    DOMPTEUSE GESUCHT – Selbständig im Käfig arbeitendes Mädchen für Tiger und andere Großkatzen. Keine Assistentin oder Hilfskraft. Spitzengage. Bewerbungen Zimmer 12, Voyagers Hotel, Kirksville, Missouri.
     
    Liona Ellison kam es vor, als ob eine göttliche Vorsehung gerade ihr diese Anzeige geschickt hatte. Sie war all das, was verlangt wurde, und erst recht konnte sie die Spitzengage gebrauchen.
    Das Voyagers Hotel war klein, aber nett und sauber, Zimmer 12 lag im ersten Stock. Liona klopfte.
    »Du meine Güte!« rief sie aus.
    Der kleine ältere Mann, der ihr die Tür geöffnet hatte, mußte schon öfter so begrüßt worden sein, denn er lächelte.
    »Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, daß Leute mich so oder ähnlich begrüßen«, sagte er und trat zurück. »Wollen Sie nicht hereinkommen?«
    »Es tut mir leid«, sagte Liona.
    Auf den ersten Blick erinnerte der Mann Liona an einen eingeschrumpften alten Affen. Auf den zweiten Blick entschied sie dann aber, daß es nicht am Alter liegen konnte. Er war wahrscheinlich nicht älter als vierzig. Es lag an anderem.
    Er trug eine enge Schädelkappe, wie sie einem Geisterbeschwörer hätte gehören können, und dazu einen weitfließenden Mantel aus blauem Samt wie ein Bühnenmagier, und doch war er sicher keines von beidem. Er sah einfach wie ein häßlicher kleiner Zwerg aus einer Witzzeitung oder einem Märchen aus.
    Liona zog die ausgeschnittene Anzeige

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