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Drei sind einer zuviel

Drei sind einer zuviel

Titel: Drei sind einer zuviel
Autoren: Barbara Noack
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Grenzen.
    »Nein, natürlich nicht — ich meine, jederzeit —
, bloß ausgerechnet heute geht’s schlecht — « Sie blickte auf Christoph.
    »Ach so, verstehe.« Und Karlchen lief den andern
hinterher die Treppe hinunter.
    Auf der Straße wartete sie, bis sich die Freunde
voneinander verabschiedet hatten. Reni tauschte viele Küsse mit Peter Melchior,
Toni gab ihm noch ein paar dumme Sprüche mit auf den Weg und die Ermahnung:
»Denk daran, von jetzt ab ruht das Auge der Öffentlichkeit auf dir nebst dem
seiner Gattin!«
    Dann stiegen sie in ihren Käfer, die Türen
klappten laut, letzte Zurufe hallten über die Straße — wer von den Anliegern
schon geschlafen hatte, war nun bestimmt wieder wach.
    Peter gähnte »Tschau, Karlchen, mach’s gut« und
wollte die Straße hinuntergehen.
    »Ach, bitte — «
    »Ja?« blieb er stehen.
    »Können Sie mich nicht heimbringen?«
    »Hab ja kein Auto.« (Was manchmal ein Vorteil
ist.)
    »Aber ich.«
    »Ja, dann — wieso?!« begriff er nicht. »Ich
wohne direkt um die Ecke. Keine drei Minuten von hier.« Karlchen sah ihn an.
Sollte das nun ein flehender oder ein verführerischer Blick sein? Peter war da
nicht sicher, er merkte nur eins: wie müde er war. »Bitte — « Sie zeigte auf
einen idiotisch geparkten Kombi auf der gegenüberliegenden Straßenseite. »Da
steht er.«
    »O Mann!« war er plötzlich wütend auf sich
selber, weil er »Na schön« sagte, obgleich er >Bin ich blöd und fahr die
heim?< dachte.
    Im Laternenschein kramte sie nach den
Autoschlüsseln. Kramte ihre Tasche aus, ihre Manteltaschen — drückte ihm Messer
und Pfefferstreuer in die Hand. »Halten Sie mal — «, er probierte ihn aus. Da
war wirklich Pfeffer drin.
    »Wozu?« fragte er.
    »Für
Notfälle«, sagte Karlchen und hatte ihre Schlüssel endlich in der Rocktasche
gefunden. Ungern stieg er in den Kombi. Auf seinem Sitz war Holzwolle. Er
wischte sie unter seinem Hintern vor.
    Karlchen schnallte sich indessen an und fuhr mit
einem Ruck los. Hinter ihnen klirrte es.
    »Reisen Sie immer mit Geschirr?«
    »Das sind meine Muster. Wir haben ’ne kleine
Töpferei in Montabaur. Das heißt — mein Onkel Ernst hat sie. Zweimal im Jahr
geht einer von uns auf Tournee und sammelt Bestellungen ein. Diesmal bin ich
mit Bayern dran.«
     
    So fuhr Karlchen munter, weil nicht alleine, in
die Betonöde zurück. Nachts fiel es nicht so auf, daß keine Fenster erhellt
waren.
    Peter stieg aus und wollte sich gleich
verabschieden.
    »Ja, bringen Sie mich denn nicht rauf?« erschrak
sie.
    »Nein. Ich muß noch packen.«
    »Wozu sind Sie dann erst mitgekommen?«
    »Das frage ich mich auch.«
    »Sie müssen mit raufkommen! Bitte.«
    »Mannohmann!« Peter war nun endgültig sauer.
»Was soll’s? Morgen fahre ich in den Bayerischen Wald. Ich bin hundemüde. Seit
Wochen feiere ich Abschied. Einen Abschied nach dem anderen. Ich bin froh, daß
ich alles Bisherige los bin. Da werde ich doch am letzten Abend nicht noch was
Neues anfangen! Oder?«
    Endlich kapierte Karlchen: »Nichts anfangen.
Bloß mit raufkommen. Ich trau mich nicht allein. Hier wohnt doch fast keiner.«
    »Ach so. Deshalb.« Peter war fast ein wenig
enttäuscht. Sie wollte gar nichts von ihm!
    »Ich glaube nicht, daß ich hier lange bleibe«,
sagte Karlchen, während sie auf das Haus zugingen. »Ich halte das nervlich
nicht durch.«
    »Sie werden sich dran gewöhnen.«
    »Ans Fürchten? Nie!!«
    In der Wohnung angekommen, mußte er warten, bis
sie unter das Bett geschaut hatte und in die Schränke, ob vielleicht einer
drinsaß. Er fand das reichlich übertrieben, aber bitte, wenn es sie
beruhigte...
    »Sie kommen mir vor wie eine, die sich ’nen
Löwen als Haustier kauft und dann aus Angst vor ihm auf’m Schrank sitzt. Warum
wohnen Sie hier, wenn Sie sich derart graulen?«
    »War ja nicht vorauszusehen, als Onkel Ernst den
Kaufvertrag unterschrieben hat. Ein einziges Mal im Leben macht er ein großes
Geschäft. Um Steuern zu sparen und ein Bein in München zu haben, kauft er sich
in diesem optischen Schandfleck ein. Nach München kommt er nicht öfter als
früher, und für die Zinsen, die er zahlen muß, könnte er in den >Jahreszeiten<
übernachten, wenn er mal hier ist. Aber das ist typisch für meine Familie, wenn
die mal ein Geschäft macht!«
    Peter lachte.
    »Ist
gar nicht zum Lachen«, lachte Karlchen. Dann ging er. Sie schloß zweimal herum
und legte die Kette vor.
    »He«, bummerte er von draußen, »ich bin’s noch
mal. Gibt es in dieser

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