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Drei heiße Wünsche frei

Drei heiße Wünsche frei

Titel: Drei heiße Wünsche frei
Autoren: Alison Kent
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1. KAPITEL
    Juni
    Melanie Craine betrat die Kirche und blieb wie angewurzelt stehen. “Das ist doch wohl ein Witz!”, stieß sie hervor. Der Kerl hatte wirklich alles ignoriert, was sie heute Morgen am Telefon besprochen hatten, als sie ihm – noch einmal – verklickert hatte, wo sie die Kameras postiert haben wollte. Entnervt verstaute sie ihr elektronisches Notizbuch in dem zartgelben Etui an ihrer Taille. Sie war mit der ehrenvollen Aufgabe betraut worden, die Videoaufzeichnung der Hochzeit von Lauren und Anton zu überwachen, und würde das Brautpaar nicht hängen lassen. Als erste Amtshandlung würde sie sich also den Kameramann vorknöpfen müssen.
    Als gIRL-gEAR-Fachfrau in Sachen Hightech kannte sie alle Filmgesellschaften der Stadt, und Avatare Productions war allererste Wahl – dachte Melanie, ehe sie diesen überheblichen, dickköpfigen, wenngleich
sehr
attraktiven Aufnahmeleiter am Hals hatte. Dieser Jacob Faulkner war eigens in die Welt gesetzt worden, um ihr das Leben zur Hölle zu machen.
    Sie stellte sich auf die unterste der Stufen, die zum Altar führten, und sah zu, wie Jacob eine der beiden ferngesteuerten Kameras justierte, die er an der Balustrade des Chorgestühls angebracht hatte.
    “Drei Schritte zurück!”, befahl er, ohne aufzublicken.
    Melanie ging drei Schritte auf ihn zu. “Was machst du da?”
    “Den Job, für den man mich angeheuert hat.” Den Blick fest auf das Display der Kamera gerichtet, deutete er auf eine Stelle weiter hinten. “Du musst ungefähr sechs Schritte zurück!”
    Melanie rührte sich nicht vom Fleck. “Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass vor den Blumentöpfen der beste Platz wäre, um die Hochzeitsgesellschaft zu filmen?”
    Ungerührt fixierte Jacob den Bildschirm. “Das war dein Vorschlag.” Er zuckte die Achseln. “Ich habe ihn mir durch den Kopf gehen lassen.”
    Um ihn auf der Stelle zu verwerfen.
Dabei hatte Melanie den Blickwinkel mindestens ein Dutzend Mal getestet und wusste, dass sie recht hatte. Sie ballte die Hände zu Fäusten. “Ich weiß ja, dass du deinen Job machst. Aber die Braut ist meine Kollegin und eine sehr gute Freundin. Sie verlässt sich voll und ganz auf mich, und ich will sie nicht enttäuschen.”
    “Genau deshalb bin ich ja hier, Schätzchen.” Noch einmal deutete er nach hinten. “Sechs Schritte. Du willst dir dieses Vertrauen doch verdienen.”
    Nur mit Mühe verkniff sich Melanie eine Entgegnung. Warum fühlen sich die Kerle gleich bedroht, wenn eine qualifizierte Frau mitreden will, überlegte sie, geschweige denn dass sie ihren Rat annehmen würden?
    Stirnrunzelnd studierte Jacob das Display. “Wie groß bist du?”
    “Eins siebzig. Wieso?”
    “Wie die Braut, auch die Absätze sind vermutlich ähnlich … Wenn du dich dorthin stellst, könnte ich mir wirklich ein besseres Bild machen.”
    Es ging Melanie total gegen den Strich, Kompromisse zu schließen mit Typen, die den Boss rauskehrten. “Natürlich kannst du dich über die Fernsteuerung ranzoomen, aber ich fürchte, die Kameras sind trotzdem zu weit weg vom Zentrum.”
    “Sind sie nicht.”
    “Das sagst
du.
Lass mich sehen, was du siehst, dann werde ich entscheiden.”
    Jacob seufzte und blickte immerhin halbwegs in ihre Richtung. “Du magst es, wenn alle nach deiner Pfeife tanzen, was? Aber spar dir das bitte für jemand anders. Ich kann es nicht leiden, wenn man mich rumkommandiert.” Endlich blickte er sie an. “Du kannst unmöglich sehen, was ich sehe, selbst wenn du auf denselben Bildschirm schaust. Wir konzentrieren uns auf ganz unterschiedliche Dinge.”
    “Woher willst du das wissen?”
    “Ich mach das schon jahrelang. Die Erfahrung hat mich gelehrt, anders zu sehen, auf anderes zu achten. Außerdem bist du eine Frau und ich ein Mann, ein sehr feinfühliger Mann zwar, aber eben ein Mann.”
    “Feinfühlig, ja?”
    “Jawohl.” Er verzog den Mund zu einem selbstgefälligen Lausbubengrinsen und fügte hinzu: “Außerdem nett, rücksichtsvoll und sensibel – das behaupten wenigstens alle Frauen.”
    Angeber! “
Und einer, der sich nicht gern rumkommandieren lässt.” Jacobs Mundwinkel zuckten. Er hatte einen hübschen Mund, wie Melanie widerstrebend zugab. Beim Lächeln zeigten sich tiefe Grübchen, was darauf schließen ließ, dass er Sinn für Humor besaß. Aber das reichte nicht, um die Minuspunkte, die er bereits gesammelt hatte, wettzumachen. Plötzlich fiel ihr Lauren wieder ein. “Ich hab da eine Idee”, meinte sie.

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