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Dracyr – Das Herz der Schatten

Dracyr – Das Herz der Schatten

Titel: Dracyr – Das Herz der Schatten
Autoren: Susanne Gerdom , Susanne
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Ruh dich nun aus.
    Sie sammelte ihre Kraft, bat die Dracyr um ihren Beistand und umklammerte fest Damians Hand. Der Energiefluss traf sie wie ein Schlag, wurde zu einer schnellen, heftigen Strömung, gegen die sie sich mit Macht stemmen musste. Sie keuchte und öffnete die Schleuse. Das Feuer fuhr durch sie hindurch, ließ ihre Nervenenden auflodern, erfüllte sie mit Hitze und Kraft. Sie stieß einen Schrei aus, weil die Spannung sich Luft machen musste, und deutete mit der freien Hand auf Sams Leichnam. Wieder war die Kraftwelle für das Auge unsichtbar, aber dieses Mal gelang es ihr, sie kontrolliert zu entlassen, ohne dass Brandblasen auf ihren Fingern erschienen. Es zischte leise, dann schlug eine unsichtbare Faust auf Sams Bahre, die ein Stück über den Boden rutschte, bis die Wand sie aufhielt, und dann mit einem lauten Knall in einem Feuerball verschwand. Die Hitze war so groß, das Feuer so hell, dass Kay zurückwich und ihr Gesicht mit den Händen schützte. Die Wand und die Decke über der Bahre waren binnen Sekunden rußgeschwärzt.
    Das Feuer erlosch so schnell, wie es sich entzündet hatte. Einen Moment lang war Kay noch geblendet, dann verblasste auch das Nachbild auf ihrer Netzhaut und sie konnte sehen, dass von dem Leichnam nur ein Häufchen rauchende Asche geblieben war, die Bahre aber nur ein wenig angesengt aussah.
    Kay merkte, dass sie zitterte. Damian legte seinen Arm um ihre Schultern und sie legte die Stirn an seine Brust. » Es tut weh « , sagte sie.
    Â» Ja. « Seine Stimme war frei von jeder Emotion, kalt wie Eis, so starr wie sein Gesichtsausdruck. Schon lange hatte sie den Sohn des Teufels nicht mehr zu Gesicht bekommen, aber da stand er vor ihr, hielt sie fest und blickte mit eishellen Augen auf die Asche des Mannes, der so etwas wie ein Vater für ihn hatte sein wollen.
    Kay küsste ihn, ließ Trost und Wärme von ihrem Mund auf seine Lippen wandern. Sie kannte ihn inzwischen gut genug, um den Schmerz unter der scheinbar gleichmütigen Fassade zu erkennen. Das war Damians Schutz, eingeübt in Tausenden von Situationen, in denen Lord Harrynkar ihn gedemütigt und gezüchtigt hatte. Wenn ihm etwas zu nahe ging, dann verschanzte er sich hinter dieser kalten Maske, aber darunter brannte Dracyrfeuer.
    Er erwiderte ihren Kuss nicht, aber sie spürte, wie seine verkrampften Muskeln sich lockerten. Sie ließ ihn los und blickte zu dem zweiten Leichnam. » Schaffst du es? «
    Er lachte trocken auf. » Das ist der leichtere Teil « , gab er zurück. » Schaff ihn mir vom Hals, Dracyrmeisterin. «
    Kay schauderte, aber sie widersprach ihm nicht. Sie trat wie bei Sam noch einmal zu dem aufgebahrten Toten und sah ihn an. Niemand hatte ihn gesäubert oder zugedeckt. Sein Gesicht mit den aufgerissenen Augen, den darauf getrockneten Blutspuren, den an Stirn und Wangen klebenden Haarsträhnen war erschreckend und lächerlich zugleich. Sie räusperte sich unangenehm berührt. Dies war nur eine Leiche. Der darin wohnende böse Verstand schwieg schon lange.
    Sie fragte, ohne den Blick von dem massigen Toten zu wenden: » Wieso zeigt er keinerlei Anzeichen von Verwesung? «
    Â» Das ist es, was mich beunruhigt « , antwortete Damian. Er riss seinen Blick mit sichtlicher Anstrengung von der Leiche los und sah Kay an. » Lord Harrynkar ist so alt wie diese Burg, womöglich älter. Paindal hat sich mit ihm verbunden, als er noch ein junger Mann war, das habe ich einmal aus seinem eigenen Mund erfahren. In ihm war am Schluss mehr von Paindal als von seinem eigenen Ich. Deshalb will ich diesen Körper verbrennen, Kay. Ich kann Paindal noch immer an ihm riechen… «
    Kay hob die Hand, sie wollte nichts mehr davon hören, es machte ihr Angst. » Gut, tun wir es « , sagte sie heiser.
    Wieder schlossen sich seine Finger um ihre Hand. Sie sammelte die Dracyrkraft in ihrem Kern, fasste hinaus, rief die Dracyr der Horde zur Unterstützung.
    Sie kamen. Nicht mit sanfter Trauer, um sie bei dem letzten Dienst an einem Freund zu begleiten. Sie kamen voller Zorn und Inbrunst. Sie kamen und fegten die Schleusen nieder, brannten jeden Widerstand zu Asche, sengten rot glühend durch Kays Gehirn und entflammten sie zu einer tosenden, brüllenden Feuersäule. Als Letztes hörte sie den Aufschrei Damians, dann verglühte jeder Rest von menschlichem Denken und Fühlen und sie tanzte mit dem Flammen,

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