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Drachenwege

Drachenwege

Titel: Drachenwege
Autoren: Anne McCaffrey
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Prolog
     
    Als die Menschen das erste Mal Rubkat erreichen,
    einen Stern vom Typ G im Sagittarius-Sektor, be—
    siedelten sie seinen dritten Planeten und nannten ihn Pern. Die Kolonisten waren in den Weltraum aufgebrochen, um nach den verheerenden Kriegen mit dem Volk der Nathi eine idyllische, auf Landwirtschaft beruhende Gesellschaft zu gründen, ein Paradies für Farmer und Viehzüchter. Wenig Aufmerksamkeit zollten sie Perns Nachbarplaneten, da das gesamte Sonnensystem bereits erforscht und für eine gefahrlose Erschließung freigegeben worden war.
    Weniger als acht Jahre - oder »Planetenumläufen«,
    wie die Perneser sagten - nach ihrer Ankunft näherte sich Perns erratischer Schwesterplanet, der Rote Stern, dessen stark elliptische Umlaufbahn ihn periodisch vom Rand des Rubkat-Systems an Pern heranführte.
    Und dann regnete es »Fäden« vom Himmel. Die
    dünnen, silbrig glänzenden Streifen sahen vollkommen harmlos aus - bis sie mit etwas Organischem, seien es Menschen, Tiere, Pflanzen oder auch dem Erdreich in Berührung kamen. Dann verschlangen sie alles, wobei sie sich aufblähten, indem sie die Nährstoffe in sich hineinsogen. Sie verätzten das Muskelgewebe von Lebewesen und ließen nur das blanke Knochengerüst
    übrig; an den Stellen, an denen sie sich in den Boden eingruben, wuchs nichts mehr, ehemals fruchtbare
    Landstriche wurden steril. Lediglich Metall, karger Felsen und Wasser - in dem die Fäden ertranken - waren vor ihnen sicher.
    Der erste Fädenfall, der die Kolonisten völlig un—
    vorbereitet traf, hatte katastrophale Folgen. Tausende Menschen starben, noch mehr wurden verstümmelt, und ganze Herden von mitgebrachten Nutztieren ausgelöscht.
    Obendrein setzte die Annäherung des Roten Sterns
    auf Pern seismische Bewegungen in Gang, und die
    Kontinentalplatten begannen sich unter dem Sog der Schwerkraft zu verschieben. Es gab Erdbeben, Tsuna-mis und Vulkanausbrüche.
    Die überlebenden Kolonisten mussten sich neu orientieren. Sie verließen den mit natürlichen Ressourcen reich ausgestatteten Südkontinent und siedelten statt dessen auf dem Nördlichen Kontinent, der eine stabilere Tektonik aufwies. Eine nach Osten weisende Steilklippe bauten sie als Festung aus, die sie das »Fort« nannten.
    Den Kolonisten diente sie als »Fluchtburg«.
    Doch damit war es nicht getan. Die von zu Hause
    mitgebrachte Hochtechnologie musste über kurz oder lang versagen, und ohne angemessene Schutzmaßnahmen vor den Fäden konnten die Siedler keine Äcker und Felder bestellen, auf deren Ernteerträge sie angewiesen waren. Sie benötigten eine dauerhafte, speziell auf Pern zugeschnittene Lösung für ihr Problem; es galt, eine Methode zu finden, um die vom Himmel fallenden Fäden zu vernichten.
    Die Biologen unter den Kolonisten, angeführt von der auf Eridani ausgebildeten Kitti Ping, wandten ihr
    Augenmerk den einheimischen Feuerechsen zu, kleine, flugfähige Eidechsen, die Miniaturdrachen glichen. Mithilfe raffinierter gentechnischer Manipulationen züchteten die Perneser aus diesen Feuerechsen große »Drachen«. Wenn diese Tiere ein phosphinhaltiges Gestein kauten, vermochten sie Flammengarben aus dem Maul zu speien und die Fäden noch in der Luft zu verbrennen, ehe sie auf den Erdboden fielen.
    Die Drachen waren telepathisch mit ihren menschlichen Reitern verbunden und dienten fortan als wich-tigste Waffe der Kolonisten, um die Fäden zu bekämpfen.
    Kitti Pings Tochter, Windblüte, setzte die Experimente mit den Feuerechsen fort, und aus einem Versuch, den man damals für misslungen hielt, gingen kleinere, muskulöse, hässliche Kreaturen mit übergroßen, lichtempfindlichen Augen hervor. Man bezeichnete sie als Wachwhere. Für den Einsatz gegen die Fäden kamen sie bei Tageslicht nicht in Frage. Doch die einfalls-reichen Perneser entdeckten, dass die Wachwhere sich ideal dazu eigneten, dunkle Orte auszuforschen, zum Beispiel die Höhlensysteme, in denen die Kolonisten Zuflucht suchten. Auch in den Bergwerken kamen die Wachwhere zum Einsatz.
    Das Fort, wie die Kolonisten ihre erste Ansiedlung in der von Tunneln und Kavernen durchzogenen Steilklippe nannten, wurde schon bald zu klein für die sich rasch vermehrende Bevölkerung. Als Erste suchten sich die Drachenreiter eine neue Heimstatt, indem sie den Kraterkessel eines erloschenen Vulkans bezogen.
    Diesen in luftigen Höhen gelegenen Wohnsitz bezeichneten sie als Fort Weyr.
    Später verteilten sich die Kolonisten über den gesamten Nördlichen

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